Strafzölle

Wie die EU Trump wehtun will

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Brüssel veröffentlicht Sanktionsziele und beweist dabei ausgeprägte taktische Fähigkeiten.

Die Europäische Union bereitet sich mit Hochdruck auf mögliche Gegenmaßnahmen vor, sollten die USA tatsächlich wie angekündigt Strafzölle auf ausländische Einfuhren von Stahl und Aluminium verhängen. Das Kollegium der 28 EU-Kommissare befasste sich am Mittwoch mit einer Liste von amerikanischen Produkten, die die Europäer im Konfliktfall ebenfalls mit höheren Zöllen belegen könnten. Auf der Liste stehen etliche Stahl- und Metallprodukte, aber auch zahlreiche andere Industrie- und Agrarerzeugnisse.

Überdies will Brüssel versuchen, den drohenden Handelskonflikt zum Thema in der Welthandelsorganisation WTO zu machen. Man habe größte Zweifel, dass die angekündigten Schritte der Amerikaner mit den WTO-Regeln zu vereinbaren seien, sagte die zuständige Kommissarin Cecilia Malmström. „Dies würde Schaden an den transatlantischen Beziehungen anrichten und möglicherweise auch am weltweiten, regelbasierten Handelssystem.“

Die EU will auch Vorkehrungen für den Fall treffen, dass ihr eigener Stahl- und Aluminiummarkt bald mit Erzeugnissen aus Drittländern überschwemmt wird. Ausländische Exporteure, die ihre Waren aufgrund von Schutzzöllen nicht mehr in den USA verkaufen können, dürften versuchen, diese zu Billigpreisen in Europa loszuschlagen.

Auf einer vierseitigen Liste sind rund 200 US-Produkte aufgeführt, auf die die Europäer ihrerseits höhere Zölle verhängen könnten, sollte US-Präsident Donald Trump Strafzölle erlassen. Dazu gehören zum Beispiel diverse Flachstähle, Rohre, Drähte oder Stangen aus Stahl und Aluminium. Die Aufstellung umfasst überdies Erzeugnisse wie T-Shirts und Hosen, Motorräder, Motorboote und Kosmetika. Auch die Einfuhr von Agrarprodukten sowie Lebens- und Genussmitteln könnte deutlich teurer werden – etwa von Kidneybohnen, Reis, Cranberries, Orangensaft, Mais, Erdnussbutter, Bourbon Whiskey oder Tabak.

Von allen gelisteten Produkten lieferten die USA 2017 Waren im Wert von knapp drei Milliarden Euro nach Europa, wie aus der Aufstellung der EU-Kommission hervorgeht. Etliche Erzeugnisse kommen aus US-Bundesstaaten, deren Repräsentanten wichtige Stützen des Systems Trump sind. Die Hoffnung der Europäer besteht darin, dass diese Volksvertreter unter den Druck ihrer Wähler geraten und Trump zum Umdenken bewegen.

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