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Wie Trump missliebige Unternehmer drangsaliert

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Von: Karl Doemens

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Wegen eines Konflikts mit dem Weißen Haus  geschlossen: das Restaurant Red Hen.
Wegen eines Konflikts mit dem Weißen Haus geschlossen: das Restaurant Red Hen. © dpa

Donald Trump wettert nicht nur gegen Chinesen und Europäer. Der Zorn des US-Präsidenten trifft auch US-Unternehmen, die sich ihm widersetzen. Eine Gastronomin aus Virginia bekommt inzwischen Morddrohungen von Trump-Unterstützern.

Die Nachbarn wurden übel beschimpft, sie selber hat Todesdrohungen erhalten. Jemand hat Hühnermist vor ihr Feinschmeckerlokal im kleinen Örtchen Lexington in Virginia gekippt, und regelmäßig protestieren auf der Straße selbsternannte Bürgerwehren, Motorradclubs und andere Trump-Unterstützer.

Seit sich die Gastronomin Stephanie Wilkinson geweigert hat, die Sprecherin des US-Präsidenten, Sarah Sanders, zu bedienen, muss sie um ihre berufliche Existenz fürchten. „Das Red Hen sollte sich lieber darum kümmern, seine dreckigen Markisen, Türen und Fenster zu säubern“, schrieb der US-Präsident persönlich auf dem Kurznachrichtendienst Twitter: „Meine Erfahrung ist: Wenn ein Restaurant von außen schmutzig ist, ist es auch von innen schmutzig.“ Mehr als 140.000 Leser drückten zur Bestätigung die „Gefällt mir“-Taste.

Tatsächlich kennt Donald Trump das Lokal nur von Fotos. Doch das hielt ihn nicht von einem kaum verklausulierten Boykottaufruf ab. Seit zehn Tagen ist die „Red Hen“ (Rote Henne) nun geschlossen, am Donnerstag soll das Restaurant angeblich wieder öffnen, aber Tischreservierungen sind auf der Website derzeit nicht möglich.

Nicht nur ausländische Unternehmen sind vom Bannstrahl des US-Präsidenten bedroht, auch wenn er den Ton ihnen gegenüber ständig verschärft. „Die EU ist möglicherweise so schlimm wie China, nur kleiner“, wetterte er am Wochenende und drohte mit der Verhängung eines 20-prozentigen Einfuhrzolls auf Autos. Seinen Zeigefinger richtete er dabei ausdrücklich auf Deutschland: „Sie schicken uns ihren Mercedes, wir können unsere Autos nicht einführen.“

Doch auch amerikanische Firmen geraten in sein Visier, wenn sie eine Geschäftspolitik betreiben, die Trump nicht passt. Dann scheut der Mann, der Amerikas Wirtschaft wieder großmachen will (obwohl sie heute schon so groß ist wie nie zuvor), auch vor der Bedrohung von Arbeitsplätzen im eigenen Land nicht zurück. Das Restaurant „Red Hen“ in Virginia ist nicht das einzige Opfer. Seit Monaten schon drangsaliert Trump den Versandhändler Amazon mit Sitz im Bundesstaat Washington, und nun ist auch der Motorradbauer Harley-Davidson aus Wisconsin auf die rote Liste geraten.

Schon vor seiner offiziellen Präsidentschaftskandidatur hatte Trump 2015 Amazon-Chef Jeff Bezos vorgeworfen, er habe die „Washington Post“ nur gekauft, um Steuern beim Versandriesen zu sparen. Bezos konterte damals per Twitter, er werde Trump einen Platz in der Blue Origin-Rakete seiner Raumfahrtfirma reservieren. Den Hashtag #sendDonaldtospace (Schick Donald ins All) nahm Trump persönlich. Seither ist Amazon, das zweitteuerste US-Unternehmen, zu einem seiner Lieblingsfeinde geworden. Immer wieder moniert er, der (durchaus kritikwürdige) Konzern zahle zu wenig Steuern und verhöhnt die „Washington Post“ als „Amazon-Zeitung“. Im April twitterte er: „Amazon nutzt die US-Post als Laufburschen und kostet sie große Mengen Geld.“ Kurz darauf versuchte er persönlich vergeblich, das Management der US-Post zur Verdoppelung der Paketgebühren zu drängen.

Ökonomisch nachvollziehbare Begründungen liefert Trump für seine Attacken auf heimische Firmen nicht. Entscheidend für Unterstützung oder Verdammung ist vielmehr Trumps Ego. Jede Kritik oder Abweichung von seinen Plänen empfindet er als Illoyalität und reagiert mit maßloser Härte.

Harley Davidson: Von der Lobeshymne auf eine „Ikone“ zum kaum verhohlenen Boykottaufruf

Das bekommt gerade der Motorradhersteller Harley-Davidson zu spüren. Noch im Februar hatte Trump Firmenchef Matt Levatich im Weißen Haus empfangen, die Firma als „amerikanische Ikone“ gepriesen, sich draußen neben heißen Öfen für ein Foto aufgebaut und erklärt: „Ich weiß, dass Ihr Geschäft sehr gut läuft.“ Tatsächlich gehen die Umsätze des Motorradbauers in den Vereinigten Staaten seit längerem zurück. Trumps Stahlzölle, die Aufkündigung des Freihandelsabkommen TPP und die Vergeltungszölle der Europäischen Union haben den Spardruck bei dem Unternehmen noch erhöht. Deshalb kündigte Levatich die Schließung einer Fabrik in Missouri und die Werksverlagerung ins Ausland an.

Seither ist Trumps Harley-Euphorie in Hass umgekippt. Der Präsident fühlt sich verraten. „Eine Harley-Davidson sollte niemals in einem anderen Land gebaut werden“, twitterte er und drohte: „Wenn sie umziehen … werden sie besteuert wie nie zuvor.“ Noch mehr könnte dem Unternehmen der indirekte Boykottaufruf schaden, den Trump nun am Wochenende hinterherschob: „Jeder, der jemals eine Harley-Davidson gekauft hat, hat für Trump gestimmt“, behauptete er. Diese Leute seien sehr unglücklich: „Ich habe das Gefühl, dass Harley einen schweren Schlag bekommt.“

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