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Donald Trump trinkt zwar keinen, will jetzt aber die Zölle auf französischen Wein anheben.

Besteuerung

Trump entdeckt französischen Wein

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Jetzt droht der US-Präsident mit Strafzöllen auf edle Tropfen aus dem Bordelais.

Eben zurück aus Frankreich, wo er an den Gedenkfeiern zur Landung der Alliierten von 1944 teilgenommen hatte, knöpft sich US-Präsident Donald Trump die französischen Weine vor. „Frankreich besteuert amerikanische Weine sehr stark, während wir französische Weine nur schwach belasten“, sagte er dem Sender CNBC. Der französische Wein habe zwar einen sehr guten Ruf, bekannte der US-Präsident, der selber keinen Tropfen Rebsaft trinkt. Die kalifornischen Winzer hätten ihm aber bedeutet, dass „wir den französischen Wein für nichts in den amerikanischen Markt lassen, aber umgekehrt viel Geld zahlen, um US-Produkte in Frankreich zu verkaufen“. Das sei unfair, meinte Trump, um zu schließen: „Wir werden etwas dagegen unternehmen.“

Was er damit genau meinte, präzisierte der Präsident in dem Interview nicht. Im Auge hat er zweifellos eine Erhöhung der Zölle auf französische Weine. Wobei Trump in der Sache nicht unrecht recht: Während die Amerikaner die Weinimporte aus Europa je nach Flasche und Inhalt mit fünf bis 13 Cent belasten, kassieren die Europäer für US-Weine mehr als doppelt so viel, nämlich elf bis 29 Cent.

Trump spricht aber – und diese nicht zum ersten Mal – nur die französischen Weine an, die in den USA als Prestigeprodukt gelten. In Paris und Bordeaux wird die Ankündigung neuer Strafzölle sehr ernst genommen. „Wir sind in Sorge, denn die USA sind gerade für die großen Bordeaux-Jahrgänge ein gewaltiger Markt“, sagte der Weinhändler Jean-Pierre Rousseau. „Schon jetzt könnten die amerikanischen Importeure die Bestellungen stornieren, weil sie zuerst Klarheit über die geltenden Tarife haben wollen.“ Rousseau beklagte, dass die französischen Weine immer wieder „als Geisel genommen“ würden: „Als die Amerikaner im Irakkrieg unsere Weine boykottierten, war das für unsere Exporte sehr hart.“

Heute sind die USA für die französischen Winzer der erste Exportmarkt. Vor allem die teuren Tropfen aus dem Bordelais und dem Burgund erleben bei den Amerikanern – die insgesamt mehr Wein trinken als die Franzosen oder die Italiener – jährliche Zuwachsraten von fünf Prozent. Weine, Champagner und Spirituosen wie Cognac bilden heute die zweitwichtigste Exportbranche Frankreichs nach der Luftfahrt (Airbus). Dagegen wiegen die kalifornischen Weine in Europa weniger, auch wenn sie in den vergangenen zehn Jahren stark aufgeholt haben. Der europäische Binnenmarkt ist heute ihr größter Abnehmer.

Revanche mit Fastfood?

Trump scheut sich nicht, mit seiner Ankündigung einen neuen Handelsstreit über den Atlantik hinweg zu lancieren. Wenn er bewusst die französischen Weine angreift, bleibt er auch seiner Taktik treu, gezielt einzelne Länder herauszugreifen und bilaterale Verhandlungen anzustreben, in denen die USA mehr Gewicht auf die Waage bringen. Zugleich macht der US-Präsident klar, dass er auch die Agrarprodukte in die geplanten Freihandelsgespräche zwischen den USA und der EU einbeziehen will.

Das lehnen vor allem die Franzosen kategorisch ab. In den soziale Medien kursieren schon die Aufrufe, als Gegenmaßnahme amerikanische Fastfood-Ketten mit höheren Strafzöllen zu belegen.

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