+
Montage im BMW-Werk Spartanburg (South Carolina). Dort steht die weltweit größte Fabrik des Münchner Autobauers.

Autozölle

Trump droht mit der Zoll-Keule

  • schließen

Das US-Handelsministerium hat seinen Report zu europäischen Fahrzeugen vorgelegt. Damit ist der Weg für Importabgaben frei. 

Aus seiner Haltung zu ausländischen Autos hat Donald Trump nie einen Hehl gemacht. Er wolle die Einfuhr so lange verteuern, „bis kein Mercedes-Modell mehr die Fifth Avenue herunterrollt“, soll er im vorigen April dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron gesagt haben. Im Juni kündigte er per Twitter Zölle für Importautos an: „Baut sie hier!“ Und im Dezember drohte er: „Ich bin ein Zoll-Mann!“

Seit Sonntagabend liegt ein Bericht des US-Handelsministeriums auf Trumps Schreibtisch, der ihm die nötige Handhabe für die Verhängung von Autozöllen wegen einer angeblichen Gefährdung der US-Sicherheit geben dürfte. Das Papier ist geheim, das Weiße Haus äußerte sich am Montag, einem Feiertag, zunächst nicht dazu. Trump hat nun 90 Tage Zeit, ohne Einbeziehung des Kongresses einen Zoll von 20 oder 25 Prozent zu verhängen. Doch nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA wächst der Widerstand.

„Wir vertreten nicht immer dieselbe Position, aber in diesem Fall sind wir uns einig“, sagt Matt Blunt, der Präsident des American Automotive Policy Council, das die Lobbyarbeit für die drei US-Branchengrößen Chrysler, Ford und General Motors betreibt, „Jeder Autohersteller und Zulieferproduzent, den ich kenne, hält das für einen Fehler.“

Vehement warnt auch der republikanische Senator Chuck Grassley: „Ein solcher Zoll wäre eine gewaltige Steuer für amerikanische Verbraucher.“ Er hoffe, dass der Präsident seinem Rat folge und darauf verzichte, erklärte der einflussreiche Vorsitzende des Senats-Finanzausschusses vor wenigen Tagen.

Schon bei einer Anhörung des US-Handelsministeriums im Sommer hatten neben den ausländischen Herstellern auch amerikanische Wirtschaftsvertreter vor weitreichenden Folgen der Handelshemmnisse gewarnt. Nun schreckt eine aktuelle Studie des unabhängigen Forschungsinstituts Center for Automotive Research (CAR) in Michigan die Öffentlichkeit in den Vereinigten Staaten auf. Die Experten warnen vor dem Verlust von rund 366 900 Jobs in den USA und der Verteuerung von Personenwagen um durchschnittlich 2750 Dollar, sollte US-Präsident Trump die Zölle verhängen.

Sowohl die Autoherstellung wie der Autohandel sind nämlich international stark verwoben. Nur elf Millionen der 17,3 Millionen Fahrzeuge, die dort im vergangenen Jahr verkauft wurden, waren „Made in the USA“. Und bei den US-Modellen stammen nach Schätzungen der CAR-Experten 40 bis 50 Prozent der Teile aus dem Ausland. Die wichtigsten Zulieferer sitzen in Mexiko und Kanada, die von den Zöllen verschont bleiben dürften. Doch etwa die Hälfte der ausländischen Teile kommt aus anderen Ländern – vor allem Japan (elf Prozent), Deutschland (sieben Prozent) und Südkorea (fünf Prozent). Sie wäre von den Zöllen betroffen. Aufschläge bei diesen Komponenten würden jedes amerikanische Auto verteuern.

Auch politisch formiert sich Widerstand gegen Trumps Zoll-Vorhaben. Die Senatoren Pat Toomey (Pennsylvania) und Mark Warner (Virginia) haben einen überparteilichen Gesetzesentwurf vorgelegt, der die Verhängung von Sanktionen aus Gründen der nationalen Sicherheit an die Zustimmung des Kongresses binden würde. Andere Senatoren fordern, dass die „Bedrohung“ zumindest vom Verteidigungsministerium bestätigt werden müsse.

Derzeit ist weder das Schicksal dieser Gesetzesentwürfe noch die endgültige Entscheidung von Trump abzusehen. Doch wird in Washington fest damit gerechnet, dass der Präsident die nächsten 90 Tage nutzen wird, um mit der Zoll-Keule in der Hand massiven Druck auf die Handelspartner in Europa und Japan auszuüben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare