Volkswagen-Chef Martin Winterkorn lässt die Zahlen sprechen.
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Volkswagen-Chef Martin Winterkorn lässt die Zahlen sprechen.

Volkswagen

Trügerisch gute Zahlen

  • Frank-Thomas Wenzel
    vonFrank-Thomas Wenzel
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VW-Chef Martin Winterkorn überrascht die Aktionäre: Der Quartalsgewinn fällt deutlich besser aus als erwartet. Geht es in der großen Volkswagen-Familie nun also nach dem Motto „Friede, Freude, Eierkuchen“ weiter? Nicht ganz.

Volkswagen-Chef Martin Winterkorn lässt nach dem Machtkampf mit dem zurückgetretenen Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch die Zahlen sprechen. Und die fallen für das erste Quartal selbst für Kenner überraschend positiv aus. Der zweitgrößte Autobauer der Welt steigerte in den ersten drei Monaten den Umsatz um satte zehn Prozent auf 52,7 Milliarden Euro. Der Gewinn aus dem operativen Geschäft kletterte gar um ein Sechstel auf 3,3 Milliarden Euro.

Die spanische Tochter Seat, die lange Zeit ein Dauerpatient war, hat nach sieben Jahren mit Verlusten erstmals wieder schwarze Zahlen geschrieben. Die beiden Nobelmarken Audi und Porsche stehen glänzend da mit kräftigen Umsatz- und Absatzzuwächsen. Und bei der Ebit-Marge liegen Audi (9,7 Prozent) und Porsche (15,1 Prozent) auch im Vergleich mit anderen Autobauern dieser Welt noch immer weit vorne. Die Ebit-Marge ist die wichtigste Kennziffer in der Autobranche. Sie beschreibt das Verhältnis von Einnahmen zum operativen Gewinn, gibt also Auskunft darüber, wie profitabel ein Hersteller ist. Bei der Marke Skoda kletterte die Ebit-Marge sogar um 1,4 Prozentpunkte auf 7,6 Prozent.

Das Zahlenwerk lässt sich wie eine Bestätigung von Winterkorns Kurs lesen, der in dem Scharmützel gegen Piëch vor allem von der Arbeitnehmerseite gestützt wurde. Skoda ist hier enorm wichtig. Die höhere Rendite gepaart mit einer Steigerung des Gewinns um fast ein Drittel ist auch auf neue Baukastensysteme zurückzuführen, die mehr Produktivität bringen. Skoda profitiert davon, dass ganze Komponentengruppen – die auch von anderen Marken des Konzern kommen – miteinander kombiniert werden können. Skoda hat es zudem geschafft, in Europa viele neue Kunden zu finden, was übrigens auch für Seat gilt.

Kehrseite des Wachstums von Seat, Skoda und Audi

Das Management erwartet nun für dieses Jahr „weitere positive Effekte aus den Effizienzprogrammen aller Marken und aus den modularen Baukästen“. Diese Aussage ist direkt auf Kritiker gemünzt, die auf Piëchs Seite stehen und dem Management vorwerfen, zu wenig für mehr Effizienz getan zu haben.

Geht es in der großen Volkswagen-Familie nun also nach dem Motto „Friede, Freude, Eierkuchen“ weiter? Nicht ganz. Ein wichtiger Faktor für die positiven Zahlen sind schlicht günstigere Wechselkurs-Relationen aufgrund des schwachen Euro – hier hat der Autobauer also einfach Glück gehabt. Auch bei der Kernmarke VW-Pkw, die für die Hälfte der Einnahmen steht, hat das durchgeschlagen, was sich in einem Umsatz- und Gewinnplus manifestiert.

Aber trotz der global erstarkten Nachfrage nach Autos ist der Absatz der Vehikel mit dem VW-Emblem weltweit leicht geschrumpft. Zudem liefert die Marke nur eine magere Ebit-Marge von zwei Prozent ab. Das ist die Kehrseite des Wachstums von Seat, Skoda und von Audi. Volkswagen steckt in einer Sandwich-Situation. Seat und Skoda knabbern an der VW-Stammkundschaft. Dank Baukastenstrategie bieten die Schwestern aus Tschechien und Spanien nahezu identische Qualität wie VW, aber zu günstigeren Preisen. Hier muss sich Winterkorn dringend etwas einfallen lassen, zumal es auch nicht gelungen ist, die Kernmarke in die Premiumkategorie zu hieven. Denn dort ist schon Audi überaus erfolgreich unterwegs.

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