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Innerhalb Deutschlands könnte es diesen Sommer noch klappen mit der Urlaubsreise. 

Gutscheinlösung

Triumph der Touristen

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Das Aus für die Gutscheinregelung gefährdet die Reisebranche.

Für Klaus Müller ist es ein Triumph der Touristen: „Endlich hat die Zitterpartie ein Ende“, sagte der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (VZBV) dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Dass die EU-Kommission den Plänen der Bundesregierung, Reisende mit Gutscheinen zu entschädigen, eine klare Absage erteilt hat, sei ein wichtiges Signal.

Die Bundesregierung hatte ursprünglich beschlossen, dass Urlauber für abgesagte Reisen, kein Geld erstattet bekommen. Stattdessen sollten sie Gutscheine erhalten, die sie später für neu gebuchte Reisen beim selben Veranstalter einlösen könnten, befristet bis Ende 2021. Massive Kritik von mehreren Seiten war die Antwort auf das Konzept. Der VZBV machte darauf aufmerksam, dass damit gegen die EU-Bestimmungen im Reiserecht verstoßen würde. Die Gutscheine seien de facto nichts anders als die „zwangsweise Zurverfügungstellung eines zinslosen und ungesicherten Darlehens“ der Verbraucher an die Unternehmen. Die Regelungen der Pauschalreiserichtlinie schreiben eigentlich vor, dass Zahlungen der Kunden für stornierte Urlaubstrips innerhalb von 14 Tagen wieder auf deren Konten überwiesen werden.

Mitglieder der EU-Kommission haben sich in den vergangenen Tagen mehrfach gegen die Gutscheinlösung ausgesprochen, darunter die EU-Verkehrskommissarin Adina Valean. Unionspolitiker hatten zuvor schon Bedenken geäußert. Und nun lenken auch die Sozialdemokraten ein: „Die Zwangsgutscheine werden nicht kommen, weil wir keinen nationalen Alleingang machen“, sagte Johannes Fechner, rechtspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, dem Handelsblatt.

Für VZBV-Chef Müller liegt der Ball nun wieder im Spielfeld der Bundesregierung. Das Kabinett müsse die Idee der Zwangsgutscheine „offiziell begraben und Klarheit schaffen, wie Verbraucher ihr Geld von den Reiseanbietern zurück bekommen.“ Das wird hiesige Veranstalter und Airlines für die gesamte Sommersaison eine Summe kosten, die nach Ansicht von Branchenkennern eine Größenordnung von zehn Milliarden Euro erreichen könnte.

Laut einer Umfrage des Deutschen Reiseverbandes haben bereits 80 Prozent seiner Mitgliedsunternehmen staatliche Unterstützungen beantragt. Zwei Drittel sehen sich unmittelbar von einer Insolvenz bedroht. Zusätzliche Rückerstattungen würden viele unweigerlich in die Pleite treiben.

Aus diesem Grund fordert VZBV-Chef Müller von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), einen „Reisesicherungsfonds“ einzurichten. Der VZBV hat dafür schon ein konkretes Konzept vorgelegt: Der Topf für die Rückerstattungen soll zunächst mit Steuergeld gefüllt und mit staatlichen Garantien abgesichert werden. Der Fonds zahlt das Geld an die verhinderten Urlauber aus. Die Reiseunternehmen können somit die im Voraus überwiesenen Kundengelder behalten und damit auch vertraglich vereinbarte Zahlungen an Dritte aufbringen. Das könnte die Branche stabilisieren.

Nach der Krise sollen Veranstalter und Airlines den Fonds wieder auffüllen.

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