Glasfaserkabel sind schon verlegt.
+
Glasfaserkabel sind schon verlegt.

Fortschritt

Ein Tritt in den Hintern

  • Thomas Magenheim-Hörmann
    vonThomas Magenheim-Hörmann
    schließen

Die Pandemie hat das Verhältnis der Deutschen zur Digitalisierung verbessert. Aber es bleiben Hürden und Vorbehalte.

Digitalstaatssekretärin Dorothea Bär (CSU) drückt es rustikal aus. „Wir haben einen Tritt in den Hintern gebraucht“, sagt die Politikerin zur bis zuletzt mühseligen Digitalisierung in Deutschland. Die sei von der Corona-Krise schlagartig näher an die Menschen herangebracht worden, was auch einen Akzeptanzschub für Digitales gebracht habe.

Gestützt wird diese Sicht von einer Umfrage des heimischen IT- und Digitalverbands Bitkom im Vorfeld des ersten deutschen Digitaltags an diesem Freitag. Demnach sehen aktuell drei von vier Deutschen die Digitalisierung als Chance. Vor Jahresfrist waren es noch fünf Prozentpunkte weniger. „Wir können von einem Corona-Effekt sprechen“, sagt Bitkom-Chef Achim Berg. Der geht aber nicht nur in Richtung digitaler Aufgeschlossenheit.

Während jeder Dritte der mehr als 1000 befragten Bundesbürger gegenüber der Digitalisierung des Lebens im Zuge der Corona-Krise nun offener gegenübersteht, ist auch jeder Fünfte kritischer geworden. Das mag teils mit gezielter Desinformation beispielsweise über das Coronavirus fördernde Mobilfunkstrahlung zu tun haben. Aber es gibt auch reale Hürden, über die nicht jeder potenzielle Digitalbürger springen kann.

„Im ländlichen Raum fehlt oft schlicht der Anschluss“, sagt Petra Bentkämper als Chefin des Deutschen Landfrauenverbands zu hartnäckigen weißen Flecken auf der Mobilfunklandkarte. Bei deutschen Verwaltungen lägen große Digitalisierungspotenziale brach, räumt Reinhard Sager als Präsident des Deutschen Landkreistags ein. Beide Organisationen sind am Freitag wie 26 weitere beim Digitaltag dabei, der zum Thema passend und coronabedingt mit über 1000 Veranstaltungen online über die Bühne geht.

Mit den jüngst von der Bundesregierung im Zuge eines Konjunkturprogramms beschlossenen Milliardensummen ist Sager zuversichtlich, Verwaltungen rasch digital aufrüsten zu können. Das sollte allerdings tunlichst auch nutzerfreundlich geschehen. Denn zwei von drei Deutschen klagen laut Umfrage darüber, dass Digitalangebote zu kompliziert und schwer nutzbar seien. Vor allem bei Senioren über 65 Jahren lägen die Nutzungsdaten für digitales Leben – von Kommunikation und Unterhaltung über Reisen und Einkaufen bis zu Mobilität und Haushalt – auch deshalb deutlich hinter der aller anderen Altersgruppen zurück, betont Berg. Zugleich schätzen Deutsche ihre eigen Digitalkompetenz nicht als hoch ein.

Senioren haben sich im Zuge der Umfrage dafür im Schnitt eine 4,3 gegeben. Aber auch die durchschnittliche 2,7 bei 16- bis 29-Jährigen findet Berg mager. „Da müsste mindestens ein ’Gut‘ stehen“, fordert der Bitkom-Chef. Allgemein hat jeder dritte Befragte zugegeben, auf seinem Handy oder Computer kein neues Programm oder eine App installieren zu können. Vier von zehn Befragten stehen Fehlermeldungen hilflos gegenüber. Drei von Zehn klagen über fehlende Hilfe in digitalen Fragen.

Die bietet der Digitaltag kommenden Freitag in geballter Form. Dort wird online beraten. Virtuell können Museen oder die Schule von morgen besucht werden. Für Fortgeschrittene gibt es Programmierkurse oder Hackathons, die Datenlücken aufspüren sollen. Bundesregierung und die in der Initiative „Digital für alle“ vereinten 28 Organisationen wollen die digitale Aufgeschlossenheit der Bevölkerung nutzen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare