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Windenergie in Brandenburg: Skepsis, ob Deutschland seine selbstgesetzten Ziele erreicht.

Energiewende

"Das Trauma von Fukushima überwinden"

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Experte Peter Hennicke über die Frage, wie Deutschland und Japan der Energiewende neuen Schub geben können.

Professor Hennicke, Deutschlands bekanntester Klimaforscher, Hans-Joachim Schellnhuber, hat zum Thema Energiewende gesagt:„Deutschland und Japan müssen bei diesem Wettrennen gegen eine globale Katastrophe die Führung übernehmen“. Sie sind Japan-Kenner. Wie gut sind die Chancen dafür?
Deutschland und Japan sind beide exponierte Export- und Hochtechnologieländer. Sie haben klar das Potenzial dazu - eine gemeinsame Führungsrolle würde die globale Energie-und Ressourcenwende beschleunigen. Wenn beide Länder von ihren Stärken lernen, kann zum Beispiel Deutschland im Verkehrssektor und Japan im Stromsektor die Dekarbonisierung schneller vorantreiben. Die guten bilateralen Beziehungen sollten durch kontinuierlichen Wissensaustausch über technologische und soziale Innovationen für die Energiewende intensiviert werden. Mit dem vor zwei Jahren gegründeten „German-Japanese Energy Transition Council“ wollen wir dazu beitragen.

Klimaexperten setzen sonst eher auf China, das Deutschland als Erfinder der Energiewende inzwischen abgehängt hat und Weltmarktführer bei Solar- und Windstrom ist…

Peking pusht Öko-Energien und Energieeffizienz ja nicht nur aus Gründen des Klimaschutzes, sondern insbesondere, weil es die katastrophale Luft- und Umweltverschmutzung im Land reduzieren muss. Insofern ist China allein schon wegen der Größe ein Treiber der globalen Kostenreduktion bei Solar- und Windstrom sowie ein wichtiges Vorbild für andere Schwellen- und Entwicklungsländer. Im Vergleich hierzu ist die Energiewende in Deutschland und Japan ein Lackmustest, ob und wie schnell  „Hightech-Demokratien“ tatsächlich durch Innovationen zur nachhaltigen Entwicklung fähig sind. 

Aber Japans Regierung will – trotz des Super-GAUs in Fukushima, der gigantische Kosten verursacht – eine Renaissance der Atomkraft. Wie passt das zur Energiewende?

Das Trauma von Fukushima und die Insellage, die das Problem der Versorgungssicherheit bedingt, sind die Hauptfaktoren der japanischen Energiepolitik. Wenn gemeinsam mit deutschen Experten demonstriert werden kann, dass Japan – durch Kombination von mehr Effizienz und Erneuerbaren – gar kein „energiearmes“, sondern tatsächlich ein „energiereiches Land“  ist, kann dort ähnlich wie in Deutschland schrittweise auf Atomenergie verzichtet werden. Eine Renaissance, also ein Neubau von AKW, wird es in Japan allerdings schon aus Kostengründen nicht mehr geben.  

Auch Kohlekraftwerke stehen in Japan hoch im Kurs, neue Anlagen werden gebaut, während viele andere Industrieländer aussteigen...

Die Doktrin der derzeitigen offiziellen Energiepolitik ist eben, das Japan ein „energiearmes“ Land sei und besonders stark und auf Dauer von Energieimporten sowie von nuklearen oder fossilen Grundlastkraftwerken abhängt. Das erinnert an das Credo der deutschen Energiewirtschaft in den 90er Jahren, das lautete: „Kohle und Kernenergie plus additive Erneuerbare“. Die Realität hat diese Legende widerlegt. Allerdings ist angesichts der massiven Energieprobleme in Japan eine deutsche Schulmeisterpose völlig unangebracht. Die Devise muss heißen: gemeinsame Problemlösungen entwickeln - zum Beispiel Japan beim Aufbau dezentraler und kommunaler Energiestrukturen unterstützen. Das ist ein Schwerpunkt der deutsch-japanischen Dialoge, die wir durchführen.

Wie sehen die Japaner den Energiewende-Erfinder Deutschland

Mit größtem Interesse und gleichzeitiger Skepsis, ob Deutschland seine selbstgesetzten Ziele erreicht. Scheiterte die Energiewende in Deutschland, wäre das auch für deren engagierte Befürworter in Japan und anderswo ein Fiasko. Es ist tragisch, dass diese globale Dimension eines möglichen Scheiterns in Berlin noch weitgehend ignoriert wird.

Deutschland ist ja längst kein Musterland mehr. Es bremst den Ausbau der Öko-Energien, schiebt den Kohleausstieg hinaus, und so droht ihm 2020 eine gewaltige Pleite, weil das CO2-Reduktionsziel kaum noch zu schaffen ist. Spricht das nicht doch für den japanischen Weg, die restlichen AKW länger laufen zu lassen?

Ganz im Gegenteil: Wir sehen auch in Deutschland, das strukturkonservativer Weiterbetrieb von Atom- und Kohlekraftwerken nicht nur Risiken auf die nächste Generation abwälzt, sondern auch die sozialen und technologischen Innovationen für die Zukunft auf den Feldern Energieeffizienz, Erneuerbare, nachhaltige Mobilität und energetisch optimierte Gebäude hemmt. Von diesen Leitmärkten hängt aber zukünftig die Wettbewerbsfähigkeit ab und deshalb müssen heute kontraproduktive Pfadabhängigkeiten von fossilen und nuklearen Alttechnologien vermieden werden - in Deutschland und in Japan.

Was kann Deutschland denn von Japan für den Umbau des Energiesystems lernen?

Etwa den Einstieg in E-Mobilität, Batteriespeicher, Wasserstoffwirtschaft und Brennstoffzellen, ebenso den energie- und ressourceneffizienten Einsatz der Digitalisierung - um nur einige technologische Felder zu nennen. Auch einige Elemente der Energieeffizienzpolitik, so das „Top-Runner“-Programm für Haushaltsgeräte oder die Stromspar-Kampagne nach Fukushima, sind beispielhaft.

Hat Japans Autoindustrie die Zeichen der Zeit eher erkannt als die deutsche, die auf Größer-Schwerer-Schneller setzt – und sich unter anderem deswegen in den Dieselskandal manövriert hat?

Die Unterschiede in der Branche sind nicht sehr groß. Auch der wichtigste japanische Autobauer Toyota ist noch kein echter Akteur einer nachhaltigen Mobilität, für die sparsame Elektro-Fahrzeuge mit der Vernetzung aller Mobilitätsformen und Verkehrsvermeidung verbunden werden müssen. Trotzdem ist Japan ein Modell für uns: Sie sind dort bei der E-Mobilität weiter als wir, und es gibt einen vorbildlichem schienengebundenem Nah- und Fernverkehr, von dem wir bisher nur träumen können.

Interview: Joachim Wille

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