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Zukunft des Bahnreisens

620 km/h: Magnetschwebebahn in Japan im Wettrennen gegen China

  • VonFelix Lill
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In Japan baut man an einer neuen Magnetschwebebahn, die schneller werden soll als jede zuvor. Der Maglev könnte hohe Exporteinnahmen bringen. Es sei denn, die Konkurrenz aus China ist schneller.

  • Das japanische Magnetschwebebahnsystem Maglev“ soll Reisen mit bis zu 620 Stundenkilometer ermöglichen.
  • Aus China droht Konkurrenz.
  • Über eine Strecke zwischen New York und Washington D.C. wird spekuliert.

Tokio - Schnell wie ein Blitz zischt er durch die Landschaft. Doch von drinnen fühlt sich die Fahrt so still an, als würde sich nichts bewegen. So beschreiben ausländische Besucherinnen und Besucher häufig ihre ersten Eindrücke, nachdem sie mit dem Shinkansen gefahren sind. Kaum eine technologische Entwicklung aus Japan beeindruckt die Welt mehr als dieser Hochgeschwindigkeitszug.

Prototyp der chinesischen Magnetschwebebahn.

Die Daten sprechen für sich: 300 Kilometer legt er pro Stunde zurück, so gut wie immer erreicht er auf die Minute pünktlich sein Ziel, noch nie gab es einen tödlichen Unfall. Kein Wunder, dass Japan als Weltmacht im Zugverkehr gilt.

Magnetschwebebahn in Japan soll bis zu 620 Stundenkilometer fahren können

Dabei will man im ostasiatischen Land jetzt noch deutlich besser werden. Seit fünf Jahren bauen Ingenieure im Auftrag der Bahngesellschaft JR Central am Maglev, einem Magnetschwebebahnsystem, das neue Maßstäbe setzen soll. Geschwindigkeiten von 620 Stundenkilometern werden versprochen, die 286 Kilometer lange Jungfernstrecke von Tokio nach Nagoya würde der neue Zug dann in 40 Minuten zurücklegen. 9,3 Billionen Yen (rund 75 Milliarden Euro) kostet allein der erste Abschnitt. Für die Verdopplung der Strecke bis nach Osaka fallen noch weitere Milliarden an. Es ist eines der größten Infrastrukturprojekte der japanischen Geschichte.

Man könnte sich fragen, was das Ganze überhaupt soll: Schon jetzt fahren Züge kaum irgendwo derart eng getaktet wie in Japan. Alle drei Minuten verlässt in den Stoßzeiten ein Shinkansen die Hauptstadt Tokio in Richtung Osaka, die zweitgrößte Metropolregion des Landes.

Der Shinkansen ist auch deshalb so pünktlich, weil er sich nicht – wie es für Schnellzüge in Europa üblich ist – die Gleise mit langsameren Zügen teilen muss. Jede mittelgroße Stadt ist zudem durch Regionalzüge angebunden. Wohl kein Land der Welt kann derzeit mit Japans Streckennetz mithalten. Dabei spricht gerade der Erfolg dieses Zugsystems dafür, es weiter auszubauen. Denn die Verbindung zwischen Tokio und Osaka, Japans höchstfrequentierte Strecke, ist so überlastet, dass trotz der kurzen Zugintervalle täglich Tausende Reisende und Pendler:innen auf den Luftweg ausweichen. Mehrmals am Tag fliegt eine 400 Menschen fassende Boeing 747 zwischen den rund 400 Kilometer voneinander entfernten Wirtschaftszentren hin und her.

Magnetschwebebahn in Japan könnte Kurzstreckenflüge obsolet machen

So dient das Megaprojekt Maglev – mal abgesehen von dem relativ geringen Energieverbrauch von Magnetschwebebahnen – auch noch indirekt dem Umweltschutz. Denn ist er erst fertig, dürften weniger Menschen durch Kurzstreckenflüge den Planeten verschmutzen.

Eine Gruppe Schaulustiger bejubelt die Enthüllung eines Prototyps der Magnetschwebebahn Maglev in Japan.

Aber wann wird er fertig sein? Es ist eine Frage, die die Investoren allmählich nervös macht. Ursprünglich war das Jahr 2027 für den ersten Streckenabschnitt angepeilt. Doch im vergangenen Sommer legte der Gouverneur der zwischen Tokio und Nagoya gelegenen Präfektur Shizuoka, durch die für den Maglev ein rund 1400 Meter tiefer Tunnel gegraben werden soll, durch den die Schwebebahn dann führt, sein Veto sein.

Die lokale Bevölkerung hat Bedenken geäußert, was den Umweltschutz angeht. Sollte nämlich das Grundwasser verschmutzt werden, wäre der Anbau der Pflanzen des wertvollen Grüntees gefährdet, für den Shizuoka bekannt ist. So wird derzeit wieder verhandelt, wie dieses Problem gelöst werden kann.

Rennen zwischen Japan und China um die Vorherrschaft über die Magnetschwebebahn

Unterdessen beunruhigt die Bauherrn von JR Central wohl weniger die Qualität des Tees als die Konkurrenz. Es ist ein Rennen gegen einen Rivalen aus der Nachbarschaft. Auch in China, wo schon 2002 der in Deutschland entwickelte Magnetzug Transrapid zu fahren begann, ist ein neues Magnetschwebebahnprojekt im Gange – als klares Konkurrenzprojekt zum japanischen.

Als „starken Rivalen“ hat die von der Kommunistischen Partei kontrollierte Zeitung „China Daily“ den regionalen Nachbarn Japan in Sachen Zugentwicklung bezeichnet. Die chinesische Technologie soll auf 600 Stundenkilometer und ein größeres Streckennetz kommen. Zwischen Schanghai und der östlichen Hafenstadt Ningbo wird gerade an einer Strecke gearbeitet, die nach mehreren Verzögerungen laut derzeitigem Plan bis zum Jahr 2035 fertiggestellt sein soll.

In Japan dagegen wollte man nach dem ersten Abschnitt von Tokio bis Nagoya die Gesamtstrecke bis Osaka eigentlich erst 2045 eingeweiht haben. Um dies aber zu beschleunigen, gab die Regierung im Jahr 2016 einen Kredit in Höhe von drei Billionen Yen an JR Central. Nun ist das Jahr 2037 als Ziel ausgegeben. „Wir tun alles, um die Strecke schnellstmöglich fertigzustellen“, sagte Yuriko Akahoshi, Sprecherin von JR Central, im November gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Worte waren einerseits an die Umweltschützer:innen in Shizuoka gerichtet, andererseits an die Konkurrenz in China – und damit an die ganze Welt.

Magnetschwebebahnen angesichts einer globalen Energiewende vielversprechend

Denn beim Rennen um den schnellsten Zug des Planeten geht es nicht nur um nationales Prestige, sondern auch um Exportmärkte. Im Zuge der Entwicklung zahlreicher Schwellenländer, deren Bevölkerungen wachsen und Transportnetzwerke damit ausgebaut werden müssen, wird das Exportpotenzial einer neuen Zugtechnologie von Fachleuten auf rund zwei Billionen US-Dollar (1,6 Billionen Euro) geschätzt. Zudem sind Magnetschwebebahnen angesichts einer globalen Energiewende hin zu nachhaltigen Verkehrsmitteln vielversprechend, denn sie können mit Ökostrom laufen.

Die Magnetschwebebahn Maglev donnert während einer Testfahrt an Tsuru, einer Stadt im Westen von Tokio, vorbei.

In den letzten Jahren haben sich Hinweise vermehrt, dass China im Rennen die Nase vorne haben könnte. Das mit 850 Milliarden US-Dollar finanzierte Staatsprojekt der Neuen Seidenstraße, mit dem auf mehreren Kontinenten durch 900 Infrastrukturprojekte Länder an China gebunden werden, ist auf Großaufträge wie den Bau einer Magnetschwebebahn quasi angelegt.

Zudem stachen die chinesischen Bieter im Jahr 2015 die japanischen Konkurrenten aus, als es um den Bau eines Hochgeschwindigkeitszuges im indonesischen Jakarta ging. Andererseits gab es gerade bei diesem Projekt erhebliche Verspätungen, so dass die japanische Seite schließlich mit in die Abwicklung genommen wurde.

Anbieter plant Schwebebahn zwischen Washington D.C. und New York

Um weltweit ein Signal zu senden, wirbt das japanische JR Central unterdessen schon um einen anderen Großauftrag. Den Maglev will man auch für den US-Markt zwischen Washington D. C., und New York bauen. Lizenzgebühren würden dafür keine verlangt werden, heißt es. Japans Regierung hat zudem zu verstehen gegeben, dass sie das Vorhaben voll unterstützt. Schließlich gehe es um „die internationale Expansion des japanischen Zugsystems“. (Felix Lill)

Rubriklistenbild: © imago images/VCG

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