Wahre Größe

Transparent beeinflussen

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Wenn Sie wieder einmal über die Manipulation anderer schimpfen, fangen Sie einfach bei sich selbst an und werden sie Mitglied im exklusiven Club der Menschenentwickler.

Wovor haben Führungskräfte Angst? Dass eine Investition zum Millionengrab wird? Dass ein unersetzbarer Mitarbeiter geht? Dass ein anderer statt man selbst befördert wird? Was ängstigt uns privat? Dass uns der geliebte Partner verlässt? Dass die Kinder auf Abwege geraten? Dass wir ausgegrenzt werden?

Solch zerrende Ängste, vor allem wenn sie unbewusst wirken, besitzen unglaubliche Kraft. Die Angst etwa, „nicht genug zu sein“, lässt aggressive Menschen zum Manipulator werden. Das Ich ringt um Bestätigung und Einfluss. Auf unsichere Menschen wirkt diese Angst umgekehrt: Sie werden zu leichten Opfern des Manipulators, der Orientierung in der Verunsicherung verheißt.

Um Manipulatoren zu entlarven, hilft die Unterscheidung von Manipulation und Beeinflussung. Manipulation bringt andere dazu, die Dinge so zu sehen, dass sie dem Manipulator Vorteil bringen. Die emotionale Abhängigkeit vom Manipulator erzeugt Fremdsteuerung. Die Unterdrückungsmittel sind Schuld einreden, Schmeichelei, Kritikverweigerung, versteckte Drohungen, üble Nachrede über Abwesende und manipulative Tränen.

Beeinflussung als Gegenpol zielt auf Unabhängigkeit und Stärke des anderen, auf Selbststeuerung. Sie fördert den freien Willen und sorgt dafür, dass Menschen alles bekommen um sich zu entwickeln. Beeinflussung ist von Transparenz, Respekt und hoher Verantwortungsqualität geprägt und der größte Dienst, den wir anderen erweisen können.

Jeder reflektierte Mensch kennt die Verlockung, aus Angst andere von sich abhängig zu machen. Deshalb müssen wir den Manipulator in uns verkleinern und den Beeinflusser stärken. Was für Menschen wollen wir um uns haben? Solche, die wachsen und immer freier werden – oder Abhängige, die uns das Gefühl des Gebrauchtwerdens schenken?

Wenn Sie also wieder mal über die Manipulation anderer schimpfen, fangen Sie einfach bei sich selbst an. Die Transformation zum „transparenten Beeinflusser“ mag anstrengend sein. Denn sie schwimmen klar gegen den Strom der Allgemeinheit. Ist sie jedoch vollzogen, geben wir anderen einfach alles, was diese für ihre Reife brauchen. Wir freuen uns an deren Wachstum, selbst dann, wenn sie uns überholen. Wir dienen der Größe im anderen. Das ist wahre Größe, die viel zu selten ist: Willkommen im exklusiven Club der Menschenentwickler.

Der Autor ist Führungskräfteentwickler mit eigener Akademie, Vortragsredner und Autor.

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