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Traditionsbewusst: Unternehmensgründer Adam Opel wacht vor dem Werk in Rüsselsheim.
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Traditionsbewusst: Unternehmensgründer Adam Opel wacht vor dem Werk in Rüsselsheim.

Opel

Traditionalist mit bewegter Geschichte

  • Frank-Thomas Wenzel
    VonFrank-Thomas Wenzel
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Opel war schon vieles: Familienunternehmen, Weltmarktführer, Sorgenkind – und will jetzt wieder Aufsteiger sein.

Seine erste Nähmaschine baute Adam Opel 1862 in der Schlosserwerkstatt seines Vaters in Rüsselsheim. Aus dem Handwerksbetrieb wurde schnell ein Industrieunternehmen. Bis 1880 wurden insgesamt 20.000 Nähmaschinen hergestellt. 1895 starb der Unternehmensgründer und seine Witwe Sophie führte gemeinsam mit ihren fünf Söhnen die Firma weiter.

Um die Jahrhundertwende wurde deutlich, dass es im Deutschen Reich riesige Überkapazitäten bei der Nähmaschinenfertigung gab. Doch erst nach einem großen Brand im Opelwerk wurde 1911 der Bau der Maschinen endgültig eingestellt. Die Opel-Söhne waren leidenschaftliche Radler und begannen 1886 mit der Produktion von Fahrrädern. Daraus entwickelte sich ein äußerst lukratives Geschäft. In den 1920er Jahren war Opel der größte Velohersteller der Welt.

Der Fokus verschob sich zusehends in Richtung Automobile. Sophie Opel hatte schon 1898 die Fertigung von Motorwagen gestartet. Opel war äußerst innovativ, baute schon um die Jahrhundertwende eines der ersten Stromlinienfahrzeuge. Ein heftiger Schub kam nach dem Ende des Ersten Weltkriegs. 1924 wurde in Rüsselsheim der erste Fließbandbetrieb bei einem Autobauer im Deutschen Reich eingeführt. 

Erster Massenerfolg für Opel: der Laubfrosch

Der legendäre Laubfrosch bescherte Opel seinerzeit den ersten großen Massenerfolg. Die Firma war 1928 mit einem Marktanteil von 44 Prozent größter deutscher Fahrzeughersteller. Ein Jahr später verkaufte die Familie das Unternehmen an den amerikanischen Automobilkonzern General Motors. Dabei blieb es auch nach der Machtübernahme der Nazis. Die US-Eigner ließen zu, dass jüdische Mitarbeiter entlassen und Schlüsselpositionen mit Nazis besetzt wurden. Opel wurde zum wichtigsten Devisenbringer für das Hitler-Regime.

Der Neustart nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war schwer. Zunächst wurden in Rüsselsheim Vorkriegsmodelle produziert. In den 1950er Jahren war Opel vor allem mit den Mittelklassemodellen Olympia und Rekord erfolgreich. Die Autos aus Rüsselsheim profitierten vor allem von ihrem Ruf, extrem zuverlässig zu sein. Mit dem Kleinwagen Kadett wurde die Modellpalette Ende der 50er Jahre nach unten erweitert. Admiral und Diplomat, die stark an US-Straßenkreuzer erinnerten, mischten die Oberklasse auf.

1980: Rückschlag für Opel durch Ölkrise

Ein schwerer Rückschlag war die Ölkrise 1980. Erstmals seit 1950 machte Opel Verluste. Seither wird der Autobauer immer wieder von schweren Krisen geschüttelt. Ein gnadenloses Kostendrücken verursachte damals massive Qualitätsprobleme. Das Image litt erheblich, zumal noch ein wenig inspiriertes Design dazu kam. Die Fehler multiplizierten sich. Anfang der 1990er reagierte die Geschäftsführung mit Massenentlassungen. Doch auf damit konnte der Niedergang nicht aufgehalten werden. Die Marktanteile schrumpften immer weiter. Auch aufgrund von Fehlentscheidungen der GM-Manager, für die Opel längst zum ungeliebten europäischen Kind geworden war.

Im Jahr 2008 wurde dann auch die US-Mutter im Zuge der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise in die Tiefe gerissen. Opel benötigte eine Bürgschaft vom Staat, um die Geschäfte weiterzuführen. Monatelang wurde über eine Herauslösung aus dem damals insolventen GM-Konzern verhandelt. Man wurde sich zunächst mit einem Konsortium aus dem österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna und der russischen Sberbank einig. Doch GM kippte den Verkauf im Herbst 2009. Die Amerikaner versuchten einen Neustart mit einem gigantischen Investitionsprogramm und zahlreichen neuen Modellen wie dem Kompakt-SUV Mokka oder dem Kleinwagen Adam, die größtenteils heute noch im Angebot sind.

Die französische PSA und General Motors verkündeten im März 2017, dass man sich auf einen Verkauf für rund 1,3 Milliarden Euro geeinigt habe. Die im August vollzogene Übernahme wurde zunächst auch von der Arbeitnehmerseite euphorisch begrüßt. Das änderte sich bald, als klar wurde, dass PSA-Boss Carlos Tavares und der neue Opel-Chef Michael Lohscheller ein hartes Sparprogramm angehen, inklusive massivem Stellenabbau und Lohnkürzungen in vielen Werken außerhalb Deutschlands. Im Frühjahr eskalierte es. Die IG Metall warf dem Management Erpressung vor und befürchtete einen „Tod auf Raten“ für das schon lange nicht mehr ausgelastete Werk in Eisenach.

Opel ist noch nicht überm Berg

Ende Mai kam dann aber doch die Einigung mit den Arbeitnehmervertretern. Die Werke werden erhalten. Es gibt bis 2023 keine betriebsbedingten Kündigungen. Der Stellenabbau von 3700 der knapp 19.000 Stellen in Deutschland wird mit Abfindungen, Altersteilzeit und Vorruhestand umgesetzt. Zugleich verzichten die Beschäftigten bis 2023 auf einen Teil ihrer Gehaltserhöhungen. Anfang dieser Woche meldete Opel erstmals nach 20 Jahren wieder einen Gewinn – rund 500 Millionen Euro – aus der Betriebstätigkeit, also ohne Einmalkosten, Steuern und Zinsen. Der Profit wurde mit einer Fahrzeugflotte eingefahren, die zu über 80 Prozent noch aus der GM-Zeit stammt.

Opel ist längst noch nicht über den Berg. Das riesige Entwicklungszentrum in Rüsselsheim steht zur Disposition, Spekulationen über einen Teilverkauf kursieren. Der Betriebsrat befürchtet, dass Opel bis zu 4000 Ingenieure verloren gehen könnten.

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