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Mit der Etios-Variante Liva will Toyota-Chef Akio Toyoda auch n Indien Furore machen.

Kampf um die Spitze

Toyota bietet VW die Stirn

Der japanische Autobauer will seine weltweite Führungsrolle mit einer ehrgeizigen Strategie verteidigen und seinen Absatz bis 2015 auf zehn Millionen Stück steigern.

Von Martin Fritz

Der weltgrößte Autobauer Toyota will seinen Spitzenplatz in der Weltautoliga gegen Herausforderer Volkswagen verteidigen. Konzernchef Akio Toyoda kündigte in Tokio an, den Absatz seiner Firmengruppe bis 2015 auf zehn Millionen Stück zu steigern. Volkswagen strebt diese Marke erst für 2018 an. Bis dahin wollten die Wolfsburger Toyota eigentlich an der globalen Spitze ablösen.

Im vorigen Jahr hatte der Toyota-Konzern einschließlich der Töchter Daihatsu und Hino 8,42 Millionen und die Volkswagen-Gruppe mit ihren elf Marken 7,14 Millionen Fahrzeuge verkauft. Zum Erhalt der Marktführerschaft will sich Toyota zum einen weiter als grüner Autobauer profilieren. Bis 2015 kommen dafür zehn neue Hybridmodelle sowie mehrere Elektroautos auf den Markt.

Schwerpunkt Schwellenländer

Zum anderen konzentriert sich Toyota künftig auf Schwellenländer wie China, Indien, Brasilien und Russland. Dort will man speziell entwickelte Fahrzeuge anbieten. Vorreiter ist der Etios in Indien, den Toyota seit Dezember zu Kampfpreisen verkauft. Selbst Motor und Getriebe werden lokal produziert. Dadurch soll der Absatzanteil in Schwellenländern von 40 auf 50 Prozent wachsen.

Bei der Vorstellung der Strategie „Globale Vision“ zeigte sich der oberste Toyota-Lenker selbstbewusst. „Wir wollen uns das Lächeln der Kunden verdienen, indem wir ihre höchsten Erwartungen übertreffen“, versprach der 54-jährige Enkel des Firmengründers. Die Rückkehr zum „Toyota-Weg“ soll dem Konzern helfen, seine Qualitätskrise zu überwinden und den Rückruf von fast 20 Millionen Autos seit Ende 2009 vergessen zu machen. Dafür sollen die Beschäftigten sich auf die Ursprungstugend der ständigen Verbesserung (Kaizen) besinnen. Der Vorstand wird zudem von 27 auf elf Manager verkleinert, Kundenbeschwerden sollen künftig schneller Gehör finden.

Auch die Aktionäre möchte Toyota zufriedenstellen. Der Betriebsgewinn soll von erwarteten 550 Milliarden Yen (4,8 Milliarden Euro) im aktuellen Geschäftsjahr, das in zwei Wochen endet, so schnell wie möglich auf mindestens eine Billion Yen (8,7 Milliarden Euro) steigen. Die Gewinnmarge will Toyota dadurch von aktuell 2,9 auf fünf Prozent erhöhen. Zwar sind diese Ziele weit von den gewohnten Toyota-Werten entfernt: 2007 verdiente der Konzern 2,3 Billionen Yen (20 Milliarden Euro), 2004 erreichte die Betriebsrendite zehn Prozent. Aber wegen der teuren Heimatwährung bleiben die alten Rekordzahlen unerreichbar. Der Yen steht seit dem Herbst nahe einem 15-Jahres-Hoch zum Dollar. Das verursacht bei der Konzernmutter hohe Verluste, weil sie die Hälfte der in Japan produzierten Autos exportiert. Bei der Ausfuhr von Kleinwagen wie dem Corolla macht Toyota Verlust. Hier steuert der Konzern seit zwei Jahren mit massiv gekürzten Kosten und Investitionen gegen.

Ein Ergebnis dieser Anstrengungen ist eine Anfang Februar eingeweihte Fabrik in Nordjapan. Dort hat Toyota die Autoproduktion erneut revolutioniert. Das Werk bei Sendai wendet sich von der Automatisierung ab. Das Reparieren und Programmieren von Robotern sei zu kosten- und zeitaufwendig. Es werde sogar mit der Hand geschweißt, heißt es.

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