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Tourismus: Kroatien fehlen Arbeitskräfte

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Von: Thomas Roser

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An den Stränden der Adria sind auch viele asiatische Saisonkräfte unterwegs.
An den Stränden der Adria sind auch viele asiatische Saisonkräfte unterwegs. © IMAGO/CTK Photo

In Kroatien fehlen Hunderttausende Arbeitskräfte. Restaurants und Hotels suchen inzwischen in Nepal nach Personal.

Selbst der Krieg in der Ukraine kann die hoffnungsvollen Erwartungen der kroatischen Tourismusstrategen für diesen Sommer kaum trüben. „Es erwartet uns eine sehr erfolgreiche Hauptsaison“, frohlockt Kristjan Stanicic, der Chef des Tourismusverbands HTZ, angesichts der „ausgezeichneten Vorsaison“.

Tatsächlich klingeln in der Adria-Gastronomie von Rovinj bis Dubrovnik trotz des Krieges fast wieder wie vor dem Corona-Zeitalter die Kassen. Auch der Wegfall der ukrainischen und russischen Besucher:innen, die rund zwei Prozent der Gäste ausmachten, dürfte Kroatien dank des nach zwei Corona-Sommern verstärkten Drangs zur Adria locker verkraften. Hält der Trend an, könnten die Umsätze in diesem Jahr selbst die im bisherigen Rekordjahr 2019 übertreffen.

Doch ungetrübt ist die Freude der Adria-Gastronomen über den erwarteten Besucherandrang keineswegs. Einerseits machen vielen Kleinbetrieben noch die Folgen der Pandemie in Form kräftig erhöhter Schuldenlasten zu schaffen. Andererseits erschweren auch die Folgen des Ukraine-Krieges wie die starken Preissteigerungen bei Kraftstoff und Nahrungsmitteln die Kalkulationen von Hotels, Restaurants, Bus- oder Taxi-Unternehmen.

Kroatiens Tourismusbranche fehlt Personal

Die größte Sorge bleibt jedoch das Personal. „Kroatien sucht zehntausende Saisonarbeiter“, titelt besorgt das Webportal „index.hr.“ Es ist die seit Jahren anhaltende Emigration in den Westen, die die Saisonkräfte im Adria-Staat nicht nur im Fremdenverkehr, sondern auch auf dem Bau und in der Landwirtschaft zur Mangelware hat werden lassen. Noch immer fehlen laut unterschiedlichen Schätzungen 30 000 bis 35 000 Saisonkräfte für die Sommersaison.

Die Zeiten, dass die Adria-Gastronomen ihren Arbeitskräftebedarf im heimischen Slawonien decken konnten, sind wegen der starken Abwanderung aus Kroatiens krisengeplagter Kornkammer schon lange vorbei. In diesem Jahr sei mit mehr als 100 000 Arbeitsgenehmigungen für Ausländer zu rechnen, berichtet die Zeitung „Slobdona Dalmacija“ in Split: „Niemals zuvor hatten wir so viele ausländische Arbeitskräfte.“

Kroatien wirbt Arbeitskräfte aus Nepal

Wie auf dem Bau, wo die meisten Ausländer beschäftigt sind, scheint auch für Kroatiens Tourismusbranche das bevorzugt angezapfte Saisonkräfte-Reservoir im nahen Bosnien und Serbien zunehmend erschöpft. Der Mangel an Arbeitskräften in Westeuropa lässt viele Bosnier, Kosovaren, Mazedonier oder Serben sich lieber gleich einen besser bezahlten Job in Deutschland oder Österreich suchen statt an der Adria für einen deutlich geringeren Sold zu kochen, zu kellnern oder die Betten zu machen.

Angesichts des leer gefegten Arbeitsmarkts setzen verzweifelte Arbeitgeber ihre Hoffnungen selbst auf Hilfe vom Himalaya. In der Rangliste der Herkunftsländer der Ausländer:innen, die in Kroatien eine Arbeitsgenehmigung erhalten, lag Nepal bereits 2021 auf dem fünften Rang und ist in diesem Jahr gar auf den dritten Platz geklettert – noch vor Kosovo und Nordmazedonien.

Kroatien: Hilft ein radikaler Schritt?

Ein Kochkünstler aus Kathmandu kann die Zubereitung von Tintenfisch zwar sicher genauso gut erlernen wie seine Kolleg:innen aus dem bosnischen Sarajevo. Doch während Kellner aus dem serbischen Belgrad an der Adria nur wenige Worte ihrer Muttersprache durch kroatische Begriffe ersetzen müssen, um im Ringel-T-Shirt wie Ureinwohner zu wirken, geht der Einsatz von Saisonkräften aus Asien oft auf Kosten der von Reisenden geschätzten Authentizität.

Die Gewerkschaften empfehlen nicht nur höhere Löhne, sondern auch verbesserte Arbeitsbedingungen, um heimische Arbeitskräfte wieder vermehrt an die Küste zu locken. Doch die oft nur auf drei bis vier Monate begrenzten Arbeitsverträge machen den Job als Saisonkraft selbst bei einer leichten Erhöhung der Bezüge kaum dauerhaft zu einer attraktiven Berufsperspektive.

Zur Neubelebung des ausgebluteten Arbeitsmarkts plädiert Hrvoje Bujas vom Verband der Kleinunternehmen und Selbständigen UGP in Sibenik gar für einen radikalen Schnitt in Kroatiens aufgeblähten Verwaltungsapparat: „Nach unserer Schätzung könnte mehr als 50 Prozent unserer Bürokratie schon morgen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.“

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