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Gewünschtes Urlaubsfeeling: Wer Hotels nach den Bewertungskriterien von HRS bucht, könnte bei der Ankunft enttäuscht werden.
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Gewünschtes Urlaubsfeeling: Wer Hotels nach den Bewertungskriterien von HRS bucht, könnte bei der Ankunft enttäuscht werden.

HRS

Top-Platzierung gegen Provision

  • VonStefan Sauer
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Bei dem Bewertungsportal HRS können sich Hotels ein positives Ranking kaufen - das zeigt ein aktueller Beitrag der Rechercheplattform Correctiv.org.

Nie war es so einfach, eine Übernachtung zu buchen wie heute. Onlineportale präsentieren auf Tastendruck ein breites Angebot an Hotels und Pensionen zum Wunschtermin, für Singles und Familien, in jeder Preisklasse, mit Frühstück, WLAN und Parkplatz oder ohne. Dabei vermitteln die Portale den Eindruck eines neutralen Vermittlers, dem allein an der Erfüllung der Kundenwünsche gelegen ist. Eine „Parteinahme“ für das eine oder andere Hotel scheint ausgeschlossen.

Aber das ist es keineswegs, wie die Rechercheplattform Correctiv.orgherausgefunden hat. In einem Beitragwird minutiös der Fall eines Hoteliers geschildert, dem das Hotelportal HRS mit einer bemerkenswerten Offerte auf die Pelle gerückt sein soll: Demnach hat HRS dem Mann eine bessere, nämlich weit oben liegende Platzierung auf der Internetseite in Aussicht gestellt, wenn er dafür bezahlt. Obschon verärgert über diese Form der Ranglistenführung, willigte der Hotelier schließlich ein – mit in der Tat spürbarem Effekt: Laut Correctiv.org wurde seine Herberge infolge der höheren Provisionszahlungen an HRS rund 25 Plätze weiter oben gelistet als zuvor. Der finanziell getriebene „Ranking Booster“ hatte funktioniert.

Für die Kunden bleibt besagter Booster freilich unsichtbar. Wer etwa für das bevorstehende lange Wochenende ein Doppelzimmer in München bei HRS sucht, erhält nach Eingabe der Reisedaten eine Aufstellung von 125 freien Hotels. Automatisch erscheint die Rangfolge der Kategorie „HRS empfiehlt“. Ganz oben auf der Liste befindet sich ein Haus, das weder besonders preisgünstig ist noch die besten Kundenbewertungen aufweist. Warum steht das Hotel dann auf Platz eins? In den Kundeninformationen von HRS heißt es dazu: „Sie bekommen zuerst die Hotels vorgeschlagen, die eine Vielzahl von Kriterien am besten erfüllen. Dazu gehören flexible Buchungsbedingungen, hohe Kundenzufriedenheit und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.“ Dass auch die Höhe der Provisionen an HRS eine Rolle für die Topplatzierung spielen kann, findet keine Erwähnung.

HRS: „alternative Werbeform“

HRS leugnet die Existenz des Ranking Boosters zwar nicht. In einer Stellungnahme vom Dienstag wehrt sich das Kölner Unternehmen aber gegen die Darstellung, „dass Hotels ausschließlich über die Zahlung einer zusätzlichen Provision einen Spitzenplatz in der Hotelliste erreichen können. Dass dies „ausschließlich“ durch Zahlungen möglich sei, hat freilich niemand behauptet. Nach allerlei Wortgeklingel über 80 verschiedene Qualitätskriterien, hohe Kundenzufriedenheit und eine breite Angebotsvielfalt kommt HRS schließlich zur Sache: Es handele sich bei Ranking Boostern um „Vertriebsoptimierungen“, die „im gesamten Onlinehandel weit verbreitet“ seien und „auch bei anderen gängigen Hotelportalen seit langem intensiv zum Einsatz“ kämen. Mit dem Booster sei HRS lediglich „dem Wunsch der Hotels nach einer effizienten, alternativen Werbeform nachgekommen“.

Damit bestätigt das Unternehmen zum einen im Kern die Recherchen der Correctiv.org-Plattform. Zum anderen erscheint die Begründung rechtlich angreifbar. Bezahlte Werbung muss nämlich als solche erkennbar sein, und genau das ist sie bei der „HRS empfiehlt“-Liste nicht. An keiner Stelle, nicht einmal im Kleingedruckten der in solchen Fällen gern genutzten Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB), taucht ein Hinweis auf die den Listenplatz fördernden Zahlungen der Hotels an HRS auf.

Nach Ansicht von Miika Blinn, Wettbewerbsexperte beim Bundesverband der Verbraucherzentralen, müsste HRS zumindest das Zustandekommen der Ranglisten mit Hilfe des Ranking Boosters offenlegen. Immerhin tue das HRS-Konkurrent Booking.com, wenn auch gut versteckt, in den AGB. Grundsätzlich seien Provisionszahlungen für das Erkaufen guter Listenplatzierungen aber nicht statthaft.

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