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Landwirtschaft

Zum Tierwohl

  • VonStefan Sauer
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Bundesagrarminister Schmidt will artgerechte Haltung mit einem Label kennzeichnen. Darüber hinaus fehlen im Grünbuch 2017 aber konkrete Gesetzesankündigungen.

Männliche Hühnerküken sollen künftig nicht mehr nach dem Schlüpfen getötet werden, Antibiotika kommen nur noch im Erkrankungsfall zum Einsatz, Schweine behalten ihre Ringelschwänze, Kühe ihre Hörner und die Bundesregierung ernennt einen Tierwohlbeauftragten. All das und noch viel mehr hat Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) im Grünbuch 2017 zusammenfassen lassen, auf dass die deutsche Landwirtschaft den veränderten Verbrauchererwartungen an Nutztierhaltung, Naturschutz und Lebensmittelerzeugung im Allgemeinen gerecht werde.

Er wolle „eine gesunde und sichere Ernährung ermöglichen, die Wertschätzung von Lebensmitteln erhöhen, den Rahmen für eine gut aufgestellte moderne Landwirtschaft setzen, mehr Tierwohl erreichen, Nachhaltigkeit gewährleisten und die ländlichen Räume als Zukunftswerkstätten etablieren“, schreibt Schmidt im Vorwort des am Freitag veröffentlichten Grünbuchs. Ohne Frage sind das ehrenwerte und auch ehrgeizige Ziele. Deren Umsetzung allerdings bleibt in vielen Punkten vage, konkrete Gesetzesankündigungen fehlen weitgehend.

Eine Ausnahme bildet das staatliche Tierwohl-Label, das Schmidt einführen will. So soll es ein Einstiegslabel mit Mindestanforderungen an Haltungsbedingungen und Fütterung geben, ein Siegel für fortgeschrittene Tierwohlbetriebe und ganz oben ein Premium-Segment: Bio plus Tierwohl de Luxe sozusagen. Die Details des Modells will Schmidt zum Auftakt des Bundestagswahljahres auf der Grünen Woche Ende Januar in Berlin präsentieren.

Die Erwähnung der Bundestagswahl ist kein Zufall, bildet sie doch die Grundlage mancher Kritik an Schmidts Vorhaben. Schmidt führe die Menschen mit dem Siegel aufs „Wahlglatteis“, befindet etwa die Verbraucherorganisation Foodwatch. Das lediglich freiwillige Siegel bedeute für 80 bis 90 Prozent der Nutztiere unveränderte Haltungsbedingungen in deutschen Ställen. Zudem komme Schmidts Initiative viel zu spät, um noch in dieser Legislaturperiode umgesetzt zu werden, monieren die Grünen. Auf die Umsetzung werde man mithin lange warten müssen.

Was den einen zu wenig, ist den anderen zu viel: Branchenberechnungen zufolge würde es zwischen 700 Millionen und zwei Milliarden Euro kosten, um allein die Schweinehaltung in Deutschland auf das Niveau des Einstiegssiegels zu hieven. Das erscheint, umgelegt auf rund 58 Millionen Schlachtschweine pro Jahr, nicht sonderlich viel. Allerdings geht nur ein Fünftel des Gesamtgewichts als Frischfleisch über deutsche Ladentheken. Nennenswerte Mengen nehmen zudem Wurstfabriken, Großgastronomen und Fertiggericht-Hersteller ab. Der mit Abstand größte Block – rund 50 Prozent der gesamten deutschen Schweinfleischerzeugung – geht aber in den Export. Auf dem Weltmarkt sind tierwohlbedingt höhere Preise aber kaum durchzusetzen. Folge: Allein die Verbraucher im Inland hätten die gestiegenen Erzeugerkosten zu tragen, was wiederum die Nachfrage einbrechen ließe.

An dieser Stelle beißt sich die Katze aber in den Schwanz: Massentierhaltung, niedrige Preise und Exporterfolge bedingen und begründen sich gegenseitig. Die Lösung kann nur lauten: Lasst das bleiben, weniger ist mehr. Ein – allerdings verbindliches – mehrstufiges Tierwohlsiegel kann ein Anfang sein.

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