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Als erster Nicht-Ingenieur wurde Rupert Stadler 2007 Audi-Chef.

Ex-Audi-Chef

Der tiefe Fall des Rupert Stadler

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Rupert Stadler als langjähriger Vorstandschef des Ingolstädter Premiumherstellers wird wegen Betrugs, mittelbarer Falschbeurkundung und strafbarer Werbung angeklagt.

Zweieinhalb Jahre lang hat die Staatsanwaltschaft München 2 wegen des Diesel-Abgasskandals bei der VW-Tochter Audi ermittelt. Nun wird Rupert Stadler als langjähriger Vorstandschef des Ingolstädter Premiumherstellers wegen Betrugs, mittelbarer Falschbeurkundung und strafbarer Werbung angeklagt. Mit ihm auf die Anklagebank sollen drei weitere teils hochrangige Manager, die bei Audi zu Zeiten des Abgasbetrugs an entscheidenden Stellen gesessen haben. Allerdings muss das Landgericht München die Klage erst zulassen, wovon Justizexperten aber ausgehen. Beginnen könnte ein Prozess gegen Stadler & Co 2020. Den Angeklagten drohen mehrjährige Haftstrafen.

Die Ermittler werfen Stadler dabei nicht vor, die Abgasbetrügereien in Auftrag gegeben zu haben. Er soll davon nach Erkenntnissen der Staatsanwälte spätestens Ende September 2015 gewusst haben. Öffentlich bekannt wurde das Manipulieren von Diesel-Abgaswerten im VW-Konzern am 18. September 2015.

Aber der 56-jährige Bayer hat sich seinen Spitznamen „Teflon-Stadler“ nicht ohne Grund erworben. Vieles hat er in seiner fast zwölfjährigen Amtszeit an der Spitze von Audi einfach abperlen lassen. Die Ermittler glauben beweisen zu können, dass Stadler nach Ende September 2015 dafür gesorgt hat, dass abgasmanipulierte Autos weiter verkauft wurden – oder das zumindest nicht unterbunden hat.

Weil Audi in vielerlei Hinsicht eine Technologieschmiede für den gesamten VW-Konzern war, betrifft das nicht nur Fahrzeuge der Marke Audi. Die Ingolstädter haben speziell große Diesel-Motoren und deren mutmaßlich illegale Abschaltvorrichtungen auch für die Konzernmarken VW und Porsche entwickelt. Die jetzige Anklage gegen Stadler und das Entwicklertrio umfasst deshalb 250 712 Audi, 71 577 VW und 112 131 Porsche, die in Europa und den USA im Wissen um ihr fragwürdiges Innenleben an den Mann gebracht worden sind. In der Summe geht es um über 430 000 Fahrzeuge.

Weil das die Rolle von Audi als wesentliche Keimzelle bei allen Abgasbetrügereien beschreibt, wäre ein öffentlicher Prozess doppelt erhellend. Weder Stadler noch dessen Anwalt haben sich in letzter Zeit noch zu den Vorwürfen geäußert. Anfangs aber hatte Stadler jede persönliche Verfehlung energisch bestritten.

Der Audi-Manager war im Sommer 2018 wegen Betrugsverdachts und Verdunkelungsgefahr verhaftet worden und saß vier Monate lang in Untersuchungshaft. Frei kam er nur gegen Kaution. Zugleich wurde Kontaktsperre zu anderen Beteiligten am Diesel-Skandal verhängt. Die Justiz hatte Stadlers Telefon abgehört und dabei ein bemerkenswertes Gespräch belauscht. Darin soll der damalige Audi-Chef darüber sinniert haben, einen gegenüber Staatsanwälten allzu auskunftsfreudigen Audianer konzernintern kaltzustellen.

Dieses und andere pikante Details dürften in einem Prozess ausgebreitet werden. Gleiches gilt für einen zweiten Prozess im Zuge des Abgasskandals, den die Braunschweiger Staatsanwaltschaft betreibt. Angeklagt ist hier der ehemalige VW-Chef Martin Winterkorn und zwar in einer personell wie prozesstaktisch sehr ähnlichen Konstellation mit vier Untergebenen.

Schlüsselfigur vor Gericht

Auch Winterkorn hat bis zuletzt alle Vorwürfe bestritten. Auch in Braunschweig muss das Gericht noch entscheiden, ob die Anklage zugelassen wird. Auch dort gilt das aber unter Justizexperten als sicher. Beide Prozesse – der in München und der in Braunschweig – könnten dann endlich für die Klarheit sorgen, auf die betrogene Autokäufer und Öffentlichkeit schon lange warten.

Im Falle Stadlers mitangeklagt ist dem Vernehmen nach mit Topmanager Wolfgang Hatz eine ausgesprochene Schlüsselfigur. Er hat in den Jahren des Diesel-Betrugs bei Porsche, VW und Audi gemanagt und zwar vor allem in der Aggregateentwicklung, also dem Ort des mutmaßlich kriminellen Geschehens. Zuletzt war Hatz Porsche-Vorstand. Er hat bis zuletzt alle Vorwürfe bestritten.

Die anderen beiden in München Mitangeklagten sind ein ehemaliger Audi-Ingenieur und ein früherer Audi-Techniker, die beide zumindest teilweise geständig sein sollen. Ein kurzer Prozess ist nicht zu erwarten. Darauf hin deuten auch die mehrere Hundert Seiten Beweismaterial, die die Ermittler zusammengetragen haben, um die Schuldfrage zu klären.

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