Nahverkehr

Tickets waren gestern

Luxemburg ist jetzt das erste Land mit einem kostenlosen öffentlichen Nahverkehr.

Das war’s mit den Fahrscheinen in Luxemburg. Jetzt heißt es einfach: Einsteigen und mitfahren. Denn Bahn, Bus und Tram sind seit Samstag im gesamten Großherzogtum kostenlos. Luxemburg ist das erste Land der Welt, das alle öffentlichen Verkehrsmittel gratis gemacht hat – und das wurde in dem kleinen Land groß gefeiert. An den Bahnhöfen gab es Mini-Konzerte, in den Zügen und Stadtbahnen wurde gesungen, getanzt, gerockt und gerappt.

„Es war ein absolut gelungener Auftakt“, sagte die Sprecherin des Verkehrsministeriums am Sonntag. In den Zügen und der Tram seien „super viele“ Menschen unterwegs gewesen. Eigentlich hatte der Gratis-Transport am Sonntag losgehen sollen. Wegen der Feiern am Samstag hatte die Regierung entschieden, den Start vorzuziehen.

Mit der Umstellung auf Gratis-Transport wolle man Menschen dazu bewegen, vom Auto auf Busse und Bahn umzusteigen, sagte der luxemburgische Mobilitätsminister François Bausch (Grüne). „Unser Ziel ist es, bis 2025 rund 20 Prozent mehr Passagiere zu transportieren.“ Denn wie viele andere Städte und Länder auch leide Luxemburg unter vielen langen Staus im Berufsverkehr.

Klar sei, dass die Umstellung auf gratis alleine nicht reiche, um Menschen in die „Öffis“ zu locken. „Wir müssen den Transport so attraktiv und zuverlässig wie möglich machen, damit er eine echte Alternative darstellt.“ Wie geht das? Unter anderem werden die Bus- und Bahnlinien massiv ausgebaut – mehr Züge, neue Strecken, enger Takt. Satte vier Milliarden Euro werden dazu von 2018 bis 2027 allein auf der Schiene investiert. Plus 550 Millionen für die Tramstrecke in der Hauptstadt.

Der kostenfreie ÖPNV, den Bausch gerne als „Sahnehäubchen auf einem multimodalen Kuchen“ bezeichnet, bedeutet für den Luxemburger Staat Mehrausgaben von 41 Millionen Euro im Jahr. Multimodal meint: schlau umsteigen zwischen Auto, Bus, Bahn, Fahrrad und Carsharing, um sein Ziel zu erreichen.

Hinzu kommen 16 Millionen Euro, die die Stadt Luxemburg aufbringt. Bürgermeisterin Lydie Polfer setzt auf eine „Bewusstseinsänderung“ - denn die Stadt ächzt besonders unter dem Autoverkehr. Die Hauptstadt mache nur zwei Prozent der Gesamtfläche des Landes mit seinen rund 620 000 Einwohnern aus, doch dort lebten 20 Prozent der Luxemburger. Und dort würden auch 40 Prozent der Arbeitsplätze liegen. Zigtausende Pendler kommen täglich in die Stadt. Bis 2030 sollen nur noch Elektrobusse unterwegs sein.

Die neue Mobilitätsstrategie ist auch eine Reaktion auf die große Zahl der Grenzpendler. Täglich fahren rund 220 000 Menschen aus Frankreich, Belgien und Deutschland nach Luxemburg zur Arbeit. Auch sie profitieren von dem Gratis-Transport.

Nach Ansicht des Deutschen Städte- und Gemeindebundes kann das zweitkleinste Land der EU ein Vorbild auch für deutsche Städte und Regionen sein – um mehr Menschen in den ÖPNV zu bringen. Entscheidend sei nicht die Kostenfreiheit, sondern der Umbau des Verkehrsraumes, der Ausbau der Angebote und die Verbesserung der Qualität, sagte Sprecher Alexander Handschuh. „Wir brauchen einen Masterplan Verkehrswende.“ (dpa)

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