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An den Nagel gehängt: Schutzkleidung für Stahlkocher.
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An den Nagel gehängt: Schutzkleidung für Stahlkocher.

Fusion

Thyssen und Tata machen Ernst

  • Frank-Thomas Wenzel
    VonFrank-Thomas Wenzel
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Die Hindernisse für eine Fusion der Stahlsparten von Thyssen und Tata sind beseitigt. Die Gewerkschaft IG Metall ist alarmiert.

Die Thyssen-Krupp-Aktie gilt unter Börsianern gemeinhin als Langweiler-Papier. Aber in den vergangenen sechs Monaten hat es eine heftige Berg-und-Talfahrt hingelegt. Seit Ende vergangener Woche ging es sogar um satte zehn Prozent nach oben.  Die Analysten und Anleger wetten, dass eine Fusion der Stahlsparte mit dem europäischen Ableger des indischen Rivalen Tata Steel in den nächsten Wochen unter Dach und Fach gebracht werden kann. Doch Gewerkschafter wollen das mit aller Macht verhindern.

Geplant ist, ein Gemeinschaftsunternehmen mit den Indern zu gründen. Tata will Stahlwerke in Großbritannien und in den Niederlanden einbringen. Bei Thyssen-Krupp erzeugen und verarbeiten rund 27 000 Frauen und Männer in fünf deutschen Werken Eisen und Stahl. Der wichtigste Standort ist Duisburg. Käme das Joint-Venture zustande, wäre das auch eine historische Zäsur. Eine der wichtigsten Firmen in der deutschen Wirtschaftsgeschichte hätte dann sein früheres Kerngeschäft aus dem Konzern herausgelöst. Zugleich würde hinter Arcelor-Mittal der zweitgrößte europäische Stahlkonzern entstehen. Und Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger könnte sein Unternehmen als Hightech-Gruppe stärker profilieren, die Aufzüge und U-Boote baut und die Automobilindustrie mit hochwertigen Stahl-Produkten beliefert.

Doch die Abspaltung ist ein sehr komplexes Unterfangen, deshalb dümpeln die Verhandlungen seit Monaten vor sich hin. Thyssen-Krupp hat mittlerweile allerdings mit dem verlustreichen Verkauf seines brasilianischen Stahlwerks die wichtigste Bedingung auf seiner Seite erfüllt – der 1,5-Milliarden-Euro-Deal wurde im Februar vereinbart und soll bis Ende September abgeschlossen sein. Nun hat auch Tata nachgezogen. Beim indischen Großkonzern war der Pensionsfonds für seine britischen Arbeiter das größte Hindernis. Der ist umgerechnet rund 17 Milliarden Euro schwer. Der Fonds wäre für das neue Unternehmen eine schwere Hypothek, denn es fällt Tata wie vielen anderen Firmen angesichts des niedrigen Zinsniveaus immer schwerer, die Betriebsrenten zu zahlen. Hiesinger hatte deutlich gemacht, dass es nur eine Fusion gibt, wenn das Problem mit den Pensionen vorher gelöst wird. Jetzt hat Tata einen Weg gefunden: Der Fonds wird aus dem Unternehmen herausgelöst. Damit seine Zahlungsfähigkeit gewährleistet ist, schießt Tata noch einmal 640 Millionen Euro zu. Zugleich erhält der Fonds einen Anteil von 33 Prozent an der britischen Tata-Tochter. Er wird also einer der Anteilseigner des neuen Unternehmens, wenn die Behörden ihr Okay geben und die Verschmelzung zustande kommt. Dieser Deal könne noch in der ersten Jahreshälfte über die Bühne gehen, vermuten die Analysten der Berenberg Bank.

Das bedeutet auch, dass alle wichtigen Punkte längst ausgehandelt sein müssten. Bei der IG Metall läuten deshalb die Alarmglocken extrem laut. Detlef Wetzel, der für die Gewerkschaft im Aufsichtsrat von Thyssen-Krupp Steel Europe sitzt, hat Hiesinger aufgefordert, die Fusionsverhandlungen sofort abzubrechen. Er befürchtet, dass bis zu 4000 Jobs hierzulande gestrichen werden könnten.

Der Hintergrund: Nach Berechnungen der NordLB liegt die weltweite Auslastung der Stahlwerke mit knapp 70 Prozent „nahe historischer Tiefstände“. Nur durch Strafzölle der EU gegen den weltgrößten Stahlproduzenten China konnten die Preise für den industriellen Grundstoff zuletzt einigermaßen stabilisiert werden. Branchenkenner gehen aber davon aus, dass auf Dauer eine sogenannte Konsolidierung – gemeint ist das Schließen von Werken – auch in Europa unumgänglich ist. Übersetzt auf die geplante Hochzeit von Thyssen-Krupp und Tata, kann das nur heißen, dass die beiden Unternehmen Kapazitäten zusammenlegen. Dabei gilt es aber zu beachten, dass die Inder für das Werk im britischen Port Talbot eine Bestandsgarantie für fünf Jahre und Investitionszusagen gegeben haben – dort muss einiges modernisiert werden Die IG Metall befürchtet, dass der Jobabbau vor allem deutsche Standorte treffen wird.

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