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Ein Hochöfner nimmt am Hochofen 2 im Werk Schwelgern von Thyssen-Krupp eine Probe. Hier wird Roheisen produziert. 

Stahlbranche

Thyssen-Krupp: Die Zerschlagung droht

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Innerhalb des Stahlkonzerns tobt ein erbitterter Machtkampf. Thyssens Großaktionär will endlich Kasse machen und die Aufzugssparte verkaufen - zum Schaden der Beschäftigten.

Von Börsianern gab es Applaus. Gewerkschafter warnen, die Politik appelliert und die Nachfahren des Firmengründers sprechen von einer Tragödie. Die Rede ist von Thyssen-Krupp. Das Konglomerat aus dem Ruhrgebiet steckt in einer schweren Krise. Vorstandschef Guido Kerkhoff soll gefeuert werden. Zugleich macht sich der schwedische Großaktionär Cevian dafür stark, die Aufzugssparte komplett zu verkaufen. Mindestens die Hälfte des Erlöses soll dann als Sonderdividende an die Anteilseigner ausgezahlt werden. Der Wert der Abteilung Elevator wird auf etwa 18 Milliarden Euro taxiert. Der schwedische Finanzinvestor, der 18 Prozent der Aktien hält, würde dadurch mutmaßlich einen Milliardenbetrag einnehmen. Auch die Krupp-Stiftung – die mit einem Anteil von 21 Prozent der größte Anteilseigner ist – befürwortet offenbar den Deal.

Die Division des Traditionskonzerns, die Fahrtreppen und Aufzüge baut, ist weltweit überaus erfolgreich aktiv. Jedes Jahr wirft die Sparte verlässlich einen Gewinn aus der betrieblichen Tätigkeit ab, der in der Größenordnung von einer Milliarde Euro liegt.

Profitable Geschäftsfelder sollen versilbert werden

Cevian ist 2013 bei Thyssen-Krupp eingestiegen. Die Schweden haben sich auf Unternehmen spezialisiert, die an den Börsen unterbewertet sind – deren Teile also wertvoller als das Ganze sind. Der Investor zählt zur Kategorie der aktivistischen Aktionäre, die sich nachdrücklich ins Geschäft einmischen, um die Strategie der Unternehmen in ihre Richtung zu lenken. Bei Thyssen-Krupp geht es immer wieder darum, profitable Geschäftsfelder zu versilbern. Doch bislang ist die Rechnung nicht aufgegangen. Und: In den vergangenen drei Jahren verlor die Aktie fast 40 Prozent an Wert. Beobachter vermuten, dass die Schweden immer nervöser werden und mit einem Komplettverkauf der Aufzugssparte endlich Kasse machen wollen. Bislang war lediglich ein Teilverkauf geplant. Entweder über einen Börsengang oder über eine Kooperation in einem Gemeinschaftsunternehmen. Zahlreiche Gespräche wurden bereits geführt. Konkrete Offerten sollen bereits eingereicht worden sein.

Zudem lehnt die IG Metall den jüngsten Vorstoß der Schweden vehement ab: „Einen Komplettverkauf des Aufzugsgeschäfts darf es nicht geben. Wer das durchsetzen will, provoziert einen Großkonflikt mit der gesamten Belegschaft des Konzerns“, sagte NRW-Bezirksleiter Knut Giesler. Giesler befürchtet erhebliche negative Auswirkungen auf die Beschäftigung und große Schäden für das gesamte Unternehmen.

Milliardensummen versenkt

Thyssen-Krupp ist in zahlreichen Geschäftsfeldern aktiv, alle haben mit Stahl zu tun. Das Unternehmen fertigt auch U-Boote fürs Militär, ist ein wichtiger Zulieferer für die Automobilindustrie, baut Industrieanlagen und erzeugt natürlich auch Stahl. Der Investitionsbedarf ist hoch. Milliardensummen werden benötigt, um die Prozesse effizienter und klimafreundlicher zu machen. Dazu zählt unter anderem, in der Stahlerzeugung langfristig Kohle durch Wasserstoff zu ersetzen.

Zugleich lastet auf dem Konzern ein riesiger Schuldenberg. Da wirken die verlustreichen Abenteuer in Brasilien und den USA nach, wo mit unrentablen Stahlwerken Milliardensummen versenkt wurden. Der Konzern hat zudem immense Pensionsverpflichtungen zu erfüllen. Die Gesamthöhe der Verbindlichkeiten liegt bei rund 30 Milliarden Euro. Ohne die kontinuierlichen Erträge aus der Aufzugssparte wäre es erheblich schwieriger, Forderungen zu bedienen. Zudem würde die ohnehin schon schwache Bonität des Konzerns weiter geschwächt, was neue Kredite teurer macht. Für Giesler ist klar: Ein Komplettverkauf der Aufzugssparte würde nicht dazu führen, Thyssen-Krupp „nachhaltig und zukunftssicher“ aufzustellen.

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