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Die Klima-Kämpferinnen Greta Thunberg (Schweden) und Autumn Peltier (Kanada) betreten die Bühne in Davos.

Weltwirtschaftsforum

Thunberg mahnt, Trump mauert

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Die Klimaaktivistin Greta Thunberg und US-Präsident Donald Trump sind die Hauptdarsteller beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Doch sie meiden das Gespräch: Sie kritisiert Konzerne, er beleidigt Klimaschützer.

Davos, Dienstagmorgen, 8.30 Uhr: Das diesjährige Weltwirtschaftsforum (WEF) hat gerade begonnen, da ist Greta Thunberg schon auf der Bühne. Der Chefredakteur des US-Magazins Time spricht die Klima-Aktivistin und Erfinderin der Fridays-for-Future-Bewegung als Erster an. Ja, sagt Thunberg, im vergangenen Jahr hätte sie viel Aufmerksamkeit bekommen. Tatsächliche Fortschritte geben es aber trotzdem nicht. „Die Kohlendioxid-Emissionen steigen weiter.“

Thunberg macht nicht viele Worte, spricht leise und zurückhaltend. Dann lässt sie den anderen jungen Umwelt-Aktivisten auf dem Podium den Vortritt. Am Vortag hat sie eine Pressekonferenz in Davos wegen Fiebers abgesagt. Sie sieht ein bisschen blass und abgekämpft aus in ihrer grauen Jogginghose und dem rosa Hoody, vielleicht wäre sie lieber im Bett geblieben.

In diesem fensterlosen Saal des Kongresszentrums findet am ersten Tag traditionell die Veranstaltung statt, die den Ton des gesamten Forums setzt. Diesmal wurden hier keine Konzernvorstände platziert, sondern die 17-jährige Schülerin aus Schweden. Klaus Schwab, Chef des WEF, scheint zu wissen, was die Stunde geschlagen hat. Kameras schwenken an Kränen über die Köpfe des Auditoriums. Die gut 300 Plätze sind komplett besetzt.

Trump wie man ihn kennt: selbstgefällig und angriffslustig.

Einige Stunden nach Thunberg soll auch US-Präsident Donald Trump in Davos auftreten. Als Regierungschef des mächtigsten Staates der Erde wird er den größten Saal bekommen, der etwa 1500 Leute fasst. Diese beiden Auftritte bilden den Kern des diesjährigen WEF. Die beiden Personen sind Antipoden, sie stehen für Entwicklungsrichtungen, die die Politik in den kommenden Jahren nehmen kann.

Bei der Podiumsdiskussion will der Time-Journalist nun von Thunberg wissen, wie sie mit Trollen im Internet umgehe, die sie beschimpften. Sie schaut irritiert, holt einen Zettel aus der Hosentasche, sagt, sie möchte jetzt mal zum Punkt kommen, und liest vor: „Im Bericht des Panels der Vereinten Nationen zum Klimawandel von 2018, Kapital Zwei, Seite 108, steht, wenn man eine 67-prozentige Chance haben will, den Temperaturanstieg unter 1,5 Prozent zu halten, dürfen weltweit nur noch 420 Gigatonnen Kohlendioxid ausgestoßen werden.“ Dieses Budget sei 2026 aufgebraucht.

Greta Thunberg hat keine Zeit zu verlieren. Smalltalk macht sie ungeduldig. Ihr geht es darum, die Botschaft rüberzubringen. „Wir verlangen“, schrieb sie kürzlich, dass alle Teilnehmer des WEF „unverzüglich und vollständig“ ihre Investitionen in fossile Brennstoffe beenden. Diese eindeutige Forderung richtet sich hier in Davos in erster Linie an die Unternehmen.

Nach ihrer Veranstaltung kommt Thunberg zunächst nicht vom Fleck. Alle wollen was von ihr. Mikrofone, Gedrängel. Aber sie hat noch ein paar andere Termine, zum Beispiel muss sie gleich Oliver Bäte, den Chef der Allianz-Versicherung, treffen. Zwischendurch ist aber erst mal der US-Präsident dran. Die Schlangen der Anstehenden verlagern sich vor die Türen der großen Halle.

Dienstagmittag, 11.50 Uhr: In blauem Anzug und rotem Schlips betritt Trump die Bühne. Nach kurzer Einleitung durch Schwab beginnt er seine halbstündige Rede von den beiden Telepromptern rechts und links des Rednerpults abzulesen. Es ist eine Lobeshymne auf die eigene Politik, den guten Zustand der US-Ökonomie und eine glorreiche Zukunft. Seine Regierung habe sieben Millionen neue Jobs geschaffen und die Arbeitslosigkeit auf 3,5 Prozent gesenkt – „so niedrig wie in keiner anderen Präsidentschaft“, brüstet sich Trump.

Trump und Thunberg – das sind zwei Planeten. Der US-Präsident erwähnt die Aktivistin, die während seiner Rede zunächst im Publikum sitzt, nicht namentlich. Stattdessen holt er zu einem allgemeinen Angriff auf Klimaschützer aus. Die „ewigen Propheten des Untergangs“ wollten sehen, „dass es uns schlecht geht“, sagt er. Aber schon in der Vergangenheit hätten „Alarmisten“ falsch gelegen, ergänzt er und verweist auf ihre Vorhersagen zur Bevölkerungskrise, Hungersnöten und das Ende des Öls. Dank Fracking seien die USA nun der größte Produzent von Erdöl und Erdgas weltweit. Darin liege die Zukunft, wie auch in „sauberer Kohle“. Diejenigen, die vor Erderwärmung und anderen Umweltkatastrophen warnten, bezeichnet er als „Erben der dummen Wahrsager von gestern“.

Trump ist noch auf der Bühne, als Thunberg bereits den Saal verlässt. Ein Gespräch zwischen den beiden kommt nicht zustande. Das Aneinandervorbei der Schlüsselfiguren sagt auch einiges über das WEF. Mitunter wollen die Veranstalter etwas anderes als ihre Gäste. Diese wiederum haben oft kein Interesse an den hehren Zielen, die der Veranstalter formuliert.

Beim Klima jedenfalls ist das Forum eindeutig weiter als Trump – und näher bei Thunberg. In einem Brief forderte Schwab alle teilnehmenden Firmenchefs auf, für ihre Unternehmen die Verringerung der CO2-Emissionen auf null bis spätestens 2050 anzupeilen. Der Klimawandel sei ein „Schlüsselthema“ des diesjährigen WEF, so Schwab. In einer Studie bemängelte das Forum, dass nur ein paar hundert Unternehmen weltweit bisher ihren Klimagas-Ausstoß planmäßig reduzierten.

Dienstag, 13.00 Uhr: Thunberg hält eine Rede beim Panel „Die Klima-Apokalypse vermeiden“. Einer der Gäste auf dem Podium ist Allianz-Chef Bäte. Thunberg wiederholt ihre Forderung, sofort alle Investitionen in fossile Energien zu stoppen. Sind wir naiv?, fragt sie dann. „Nein“, antwortet sie selbst, „es ist einfach nötig.“

Bäte hat gerade zusammen mit den Vereinten Nationen und ein paar anderen Großinvestoren die „Netto-Null-Allianz“ gegründet. Bis 2050 wollen sie ihre Kapitalanlagen in Höhe von rund vier Billionen Euro so umstrukturieren, dass diese keinen CO2-Ausstoß mehr verursachen. Damit ist Bäte ganz weit vorne. Trotzdem ist 2050 nicht sofort. Warum es nicht schneller geht, fragt die Moderatorin. Er müsse auch die Interessen seines Unternehmens berücksichtigen, sagt der Allianz-Chef.

Die junge schwedische Klima-Aktivistin Greta Thunberg gründet eine Stiftung und will den Namen „Fridays for Future“ als Marke schützen lassen.

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