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So sollte Urlaub sein: Touristen an einem Strand von Mallorca.

Thomas-Cook-Pleite

Nach Thomas-Cook-Pleite: Touristen wollen Staat verklagen

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Die Geschädigten der Thomas-Cook-Pleite wollen ihr Geld zurück. Wegen eines Versäumnisses könnte die Regierung in der Pflicht sein.

Den Brief an Angela Merkel wollte Jan-Eike Andresen im Kanzleramt selbst abgeben. Darin fordert der Gründer des Rechtsdienstleisters Myright die Bundeskanzlerin auf, binnen 14 Tagen die Übernahme der nicht gedeckten Schäden der Kunden von Thomas Cook zu erklären. „Andernfalls werden wir die Rechte der Verbraucher gerichtlich durchsetzen“, endet Andresen.

Mit einem Erfolg seines Drängens rechnet der Jurist nicht ernsthaft. Deshalb bereitet er zusammen mit dem Rechtsanwalt Remo Klinger eine Klage gegen die Bundesrepublik Deutschland auf eine Staatshaftung für die nicht durch eine Insolvenzversicherung gedeckten Schäden der Pauschalurlauber vor. Anwalt Klinger ist den Behörden landauf, landab gut bekannt. Er ist im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe erfolgreich in Sachen Diesel-Fahrverbote unterwegs.

Thomas Cook: Richtlinie sieht vollständige Absicherung vor

Auf diese Weise rührt Andresen die Werbetrommel für eine Massenklage geschädigter Cook-Kunden. Diese werden wohl nur einen Bruchteil ihrer bereits geleisteten Zahlungen von der Zurich-Versicherung zurückerhalten. Denn deren Haftungsobergrenze von 110 Millionen Euro wird deutlich überschritten. „Die Entschädigungssumme ist wohl nur zu 20 Prozent vom Versicherer gedeckt“, schätzt Myright.

Die europäische Richtlinie für den Insolvenzschutz bei Pauschalreisen sieht jedoch eine vollständige Absicherung der Reisenden vor. „Die Umsetzung in nationales Recht ist somit unzureichend und der deutsche Gesetzgeber dafür verantwortlich, dass Thomas-Cook-Kunden auf einen großen Teil ihres Geldes verzichten müssen“, erläutert Anwalt Klinger. Diese Frage will er vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) klären lassen. Obsiegt er mit seiner Rechtsauslegung, müsste der Steuerzahler wohl mit einem dreistelligen Millionenbetrag für die Pleite haften.

Thomas Cook: „Wir machen es genau so wie bei VW“

„Wir machen es genau so wie bei VW“, kündigt Andresen an. Zunächst werden in Einzelklagen die rechtlichen Kernfragen geklärt. Verlaufen diese Klagen erfolgreich, übergibt Myright dem Gericht dann die Klageschriften aller in seinem Register eingetragenen Kunden, womöglich zehntausende auf einen Schlag.

Zuständig für Staatshaftung ist das Landgericht in Berlin, weil dort der Regierungssitz ist. Das Gericht hat eine eigene Kammer für derlei Fälle. „Es wird nicht schnell gehen“, sagt Klinger. Im besten Fall entscheidet die erste Instanz innerhalb eines Jahres und legt dem EuGH die Frage dann direkt vor, was bis zu einem Urteil ein weiteres Jahr beanspruchen würde. Aber auch einen Vergleich hält der Anwalt für möglich. Dies habe es in den 90er-Jahren schon einmal gegeben. Eine Musterfeststellungsklage ist in diesem Fall nicht möglich, weil diese nur gegen Unternehmen eingereicht werden kann, nicht jedoch gegen den Staat.

Für Myright könnte sich die Cook-Pleite als Goldgrube erweisen, wenn der Rechtsdienstleister viele Kunden dafür anlocken kann. Deren Kostenrisiko übernimmt das Unternehmen, behält dafür im Erfolgsfall aber auch einen beträchtlichen Teil der Entschädigung ein. Diese Gebühr liegt zwischen 19 Prozent und gut 30 Prozent.

Unterdessen hoffen die Mitarbeiter des Reisekonzerns in Oberursel, dass sie ihren Job behalten können.

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