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Hotels in Griechenland droht ein Millionenschaden.

Thomas Cook

Thomas Cook: Griechische Hoteliers leiden

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Die Pleite von Thomas Cook ist ein schwerer Rückschlag für den Tourismus des Landes. „Der Tsunami kommt erst noch“, warnt der griechische Tourismusverband.

Rund drei Millionen Urlauber wollte der Reiseveranstalter Thomas Cook in diesem Jahr nach Griechenland bringen. Daraus wird nichts. Nach der Insolvenz des britischen Konzerns sitzen jetzt rund 50 000 Touristen in Hellas fest. Und auf die griechischen Hoteliers kommen Verluste in dreistelliger Millionenhöhe zu.

Für Giannis Retsos, den Präsidenten des Verbandes der griechischen Touristikunternehmen (Sete), ist es die Stunde der Bewährung: Angesichts der Pleite von Thomas Cook gelte es nun, „einen kühlen Kopf zu bewahren und Solidarität mit den betroffenen Urlaubern zu zeigen“. Wie die griechischen Hoteliers, Gastwirte und Reisebüros jetzt mit den gestrandeten Gästen umgehen, werde „das Gesicht Griechenlands als eines gastfreundlichen und verantwortungsbewussten Landes prägen“.

Das dürfte vielen Hotelbesitzern schwerfallen: Die Branche steht vor riesigen Einbußen. Die meisten Hoteliers, die Thomas-Cook-Kunden beherbergen, sind seit Mitte Juni nicht mehr bezahlt worden. Der Verband Sete beziffert den Schaden auf 300 bis 500 Millionen Euro. Für die Unterbringung und Verpflegung der gestrandeten Gäste zahlen zwar Versicherungen – aber erst vom Tag der Pleite an. Die bis dahin aufgelaufenen Schulden des Reiseveranstalters werden die Hoteliers wohl abschreiben müssen.

Rückholaktion hat begonnen

Derweil hat die Repatriierung der betroffenen Urlauber begonnen. Spätestens Ende kommender Woche soll die Rückholaktion für die britischen Urlauber abgeschlossen sein. Die deutsche Thomas-Cook-Tochter Condor hält den normalen Flugbetrieb vorerst aufrecht. Am Dienstag fanden nach Unternehmensangaben alle geplanten Flüge statt. Wie es weitergeht, ist aber ungewiss. Condor hat wegen der Insolvenz des Mutterkonzerns bei der Bundesregierung einen Überbrückungskredit beantragt.

Auf dem griechischen Markt war Thomas Cook nach TUI der zweitgrößte Player. Im vergangenen Jahr brachte der Konzern etwa drei Millionen ausländische Urlauber ins Land. Auf den Inseln Rhodos, Kos, Korfu, Zakynthos und Kreta hatten 70 Prozent aller Hotels Verträge mit Thomas Cook, berichtet Michalis Vlatakis, der Präsident des kretischen Tourismusverbandes. Die Pleite sei „ein Erdbeben der Stärke sieben“, sorgt sich der Verbandschef: „Der Tsunami kommt erst noch.“

Tatsächlich sind die mittelfristigen Folgen noch gar nicht absehbar. Im griechischen Tourismusministerium wurde ein Krisenstab eingerichtet. Die Regierung prüft Steuererleichterungen für die betroffenen Hoteliers. In der Branche gibt es Befürchtungen, dass einzelnen Hotels infolge der Thomas-Cook-Pleite ebenfalls die Insolvenz drohen könnte.

Auch für Zypern kam die Pleite wie ein Schock

Der britische Konzern betrieb in Griechenland 48 Hotels unter eigenen Marken wie „Casa Cook“ und „Cook’s Club“. Davon gehörten vier Thomas Cook, für die restlichen gab es Pacht- oder Franchise-Verträge. Erst im Mai hatte der Reiseveranstalter ein ambitioniertes Expansionsprogramm vorgestellt: Man wollte in Griechenland 150 Millionen Euro in neue Hotels investieren, darunter auf Kos und Rhodos. In Griechenland hatte der Konzern 1200 Beschäftigte, die jetzt ihre Jobs verlieren. Betroffen sind aber auch griechische Dienstleister, die für Thomas Cook Bustransfers erbrachten und örtliche Reiseleiter stellten.

Auch für die Tourismuswirtschaft auf Zypern kam die Pleite wie ein Schock. In diesem Jahr wollten Thomas Cook und seine Tochtergesellschaften 456 000 Urlauber nach Zypern bringen, rund elf Prozent aller Touristen auf der Insel. Die Briten stellen traditionell die größte Urlaubernation auf Zypern. Viele Hotels hatten 70 bis 80 Prozent ihrer Betten für Thomas Cook reserviert. Sie sitzen jetzt auf unbezahlten Rechnungen von rund 50 Millionen Euro.

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