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Thomas Cook braucht Geld für den Winter

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Der kriselnde Reisekonzern Thomas Cook braucht eine weitere Finanzspritze. Und nun verliert er auch noch das Vertrauen einer seiner Banken.

Der schwer angeschlagene Tourismuskonzern Thomas Cook braucht eine weitere Finanzspritze, um über den Winter zu kommen. Das deutsch-britische Unternehmen teilte am Montag mit, es werde mit dem chinesischen Großaktionär Fosun und mit Banken darüber verhandelt, zusätzliche 150 Millionen Pfund (rund 160 Millionen Euro) zur Verfügung zu stellen. Das Management spricht überdies von fortgeschrittenen Verhandlungen zur Umsetzung eines umfänglichen Rettungsplanes, der Ende September stehen soll.

Thomas Cook ist hinter TUI der weltweit zweitgrößte Reisekonzern, er ist hierzulande unter anderem mit den Marken Neckermann und Öger sowie Condor aktiv. Bereits Mitte Juli hatte das Management angekündigt, dass Fosun und Banken 750 Millionen Pfund in Aussicht stellen. Im Zuge dieser sogenannten Rekapitalisierung wollen die Chinesen die Mehrheit des Veranstaltergeschäfts übernehmen; Fosun ist bereits mit 18 Prozent an Cook beteiligt.

Ferner ist geplant, dass Bankdarlehen und Anleihen mit einem Volumen von 1,6 Milliarden Pfund in Eigenkapital umgewandelt werden: Das Unternehmen würde weitgehend entschuldet. Kreditinstitute und Anleihegläubiger sollen dann Anteilseigner von Thomas Cook werden. Zudem werden seit Monaten Käufer für die Airline-Sparte gesucht, zu der auch Condor gehört. Anleger haben längst das Vertrauen in den Reisekonzern verloren. Die Aktie hat binnen zwölf Monaten mehr als 90 Prozent an Wert eingebüßt. Am Montag ging es noch einmal um mehr als 13 Prozent nach unten. Einen Anteilschein gibt es für weniger als neun Cent. Analysten haben ihr „Kursziel“ auf null Cent gesetzt, Ratingagenturen das Unternehmen in die Kategorie der Insolvenzkandidaten einsortiert.

Der tiefe Fall hat mehrere Ursachen: Das Management hat – im Gegensatz zum Rivalen TUI – den Boom bei Kreuzfahrten verschlafen: Die Sparte im Tourismus mit den höchsten Zuwachsraten. Thomas Cook hat massiv auf Spanien gesetzt. Dort herrscht aber ein Überangebot an Hotelkapazitäten, was massive Preissenkungen nach sich zog. Zugleich lagen Buchungen unter dem Vorjahresniveau.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist der Brexit. Aus Angst vor den schwer zu kalkulierenden Folgen und wegen des massiv geschwächten Pfunds ist vielen Briten die Reiselust vergangen – das Vereinigte Königreich ist neben Deutschland der wichtigste Markt von Thomas Cook. Hinzu kommt, dass ein harter Ausstieg aus der EU auch für Thomas Cook weitreichende Folgen hätte.

Die zusätzliche Finanzspritze ist nach Einschätzungen von Branchenkennern auch nötig, weil sich der Verkauf der Fluggesellschaften als sehr schweres Unterfangen entpuppt. Zwar haben Lufthansa, Ryanair und die britische Virgin Atlantic Interesse an der Übernahme von Teilen der Sparte gezeigt. Doch sie spielen offenbar auf Zeit, wollen wohl den Winter abwarten, um dann möglicherweise zu Schnäppchenpreisen zuschlagen zu können. In Europa gibt es Überkapazitäten an Flugzeugen. Für das Winterhalbjahr, wenn weniger Urlauber in die Maschinen steigen, wird mit weiteren Pleiten gerechnet. Analysten gehen davon aus, dass der Verkauf der Cook-Airlines bestenfalls 600 Millionen Pfund bringen kann. Das Management hatte mit weit mehr als einer Milliarde Pfund gerechnet.

Zu schaffen macht dem Unternehmen auch, dass in Reisebüros nach Brancheninformationen zum Teil davon abgeraten wird, Pauschalreisen bei Thomas Cook zu buchen. Hierzulande sind Buchungen bei einem Veranstalter mit maximal 110 Millionen Euro abgesichert. Die Höhe der Kundenanzahlungen bei Thomas Cook liege aber deutlich darüber. Bei einer Zahlungsunfähigkeit droht also, dass Urlauber im Voraus gezahltes Geld verlieren. Als Alarmsignal wird indes gewertet, dass nun eine Bank das SEPA-Lastschriftverfahren für Cook-Kunden aufgekündigt hat, für das Geschäft, wo nur Hotels gebucht werden. Sollte es Ärger geben, kann der Kunde seine Anzahlung zurückfordern. Das ist der Bank, dessen Name nicht genannt wird, offenbar zu riskant geworden. Ein Thomas-Cook-Sprecher sagte indes, es handele sich lediglich um ein sehr kleines Geschäftsfeld. Bei Pauschalreisen könne nach wie vor über Lastschriften bezahlt werden.

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