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Bauen am Umbau: Blick auf die britische Hauptstadt London.
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Bauen am Umbau: Blick auf die britische Hauptstadt London.

Großbritannien

Theresa May treibt Brexit voran

  • Sebastian Borger
    VonSebastian Borger
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Um die Effekte des EU-Austritts abzufedern, will die britische Premierministerin Theresa May eine aktivere Industriepolitik betreiben. Kritiker beklagen die niedrigen staatlichen Ausgaben für Forschung und Entwicklung.

Die britische Regierung treibt den Brexit voran. Am Donnerstag wurde das dafür nötige Gesetz zum ersten Mal im Parlament beraten. Um den erwarteten negativen Effekt des EU-Austritts abzufedern, will die britische Regierung zugleich einheimische Industrieunternehmen besser fördern. Ein neues Konsultationspapier hebt die Bedeutung von weltweit führenden Branchen auf der Insel hervor. Dazu zählen exportorientierte Sektoren wie Pharmabranche, Film und Fernsehen, Nuklearenergie sowie die Entwicklung umweltfreundlicher Elektromotoren für die Autoindustrie. Sie wolle sicherstellen, sagte Premierministerin Theresa May am Rande einer Kabinettssitzung, „dass unsere Wirtschaft für jedermann in jeder Region des Landes funktioniert“.

Gleich bei ihrem Amtsantritt hatte die Regierungschefin, 60, eine aktivere Industriepolitik signalisiert. Die früheren Ressorts für Wirtschaft und Klimawandel wurden als Ministerium für Wirtschaft, Energie und Industriestrategie zusammengefasst. May verdankte dem Brexit-Votum ihr Amt; sie interpretierte das Ergebnis des Referendums nicht nur als Absage an Brüssel, sondern auch als Hilferuf vernachlässigter und strukturschwacher Regionen besonders im Norden und Osten Englands.

Als symbolischen Akt holte die Premierministerin deshalb zu Wochenbeginn ihr Kabinett in einem nordenglischen Industriepark zusammen, wo Wirtschaftsminister Greg Clark die Kollegen unterrichtete. Es gehe nicht darum, Besitzstände zu wahren, teilte der frühere Angestellte der Firma Boston Consulting später auch dem Londoner Unterhaus mit. Die Regierung wolle die richtigen Rahmenbedingungen für junge Unternehmen mit Zukunftstechnologien schaffen.

Schlechte Bildung, mangelnde Infrastruktur

Freilich ist die Insel in vielen der von Clark genannten Branchen wie Pharma oder Film und Fernsehen schon heute konkurrenzfähig. Hingegen klagen gerade kleinere und mittlere Unternehmen über die schlechte schulische Ausbildung der heranwachsenden Generation, die mangelnde digitale Infrastruktur sowie all zu sehr auf kurzfristige Gewinne orientierte Banken.

Dem erstgenannten Problem will Clark mit neuen Berufsschulen für technische Berufe zu Leibe rücken. Dafür sind im neuen Budget umgerechnet 198 Millionen Euro vorgesehen. Statt bisher lediglich 17 Wochenstunden sollen Lehrlinge künftig 30 Stunden pro Woche zur Schule gehen. An weiterführenden Schulen soll der Mathematik-Unterricht verbessert werden. Derzeit beendet rund ein Drittel der Schüler ohne ausreichende Mathematik- und Englischkenntnisse die Schule.

Von einer Verbesserung der Schulbildung erhoffen sich Regierung und Industrie, nicht zuletzt die Autobranche, dass mehr junge Briten Ingenieure werden wollen. Derzeit sind sie in den Ingenieur-Studiengängen eine kleine Minderheit. Drei Viertel der Studierenden in den Fächern Maschinenbau und Elektrotechnik kommen aus dem Nicht-EU-Ausland und dürfen wegen strenger Visabestimmungen nach dem Studium nicht im Land bleiben. Wenn dieser Trend durch den Brexit noch verstärkt wird, fehlen dem Land 2020 eine Viertelmillion Ingenieure mit Uni-Abschluss sowie über 200 000 Facharbeiter.

Das Konsultationspapier – bis April sollen Industrieverbände, Gewerkschaften und andere Beteiligte ihre Ideen einbringen – enthält schockierende Zahlen zu einem seit Jahrzehnten ungelösten Problem: Die Produktivität liegt in Großbritannien weit unter dem Niveau vergleichbar entwickelter westlicher Industrienationen. Die Arbeitsleistung pro Stunde liegt auf der Insel um fast ein Fünftel niedriger als in Frankreich und Deutschland.

Skeptiker der Regierungspläne weisen vor allem auf die vergleichsweise niedrigen staatlichen Ausgaben für Forschung und Entwicklung hin; von deren Erhöhung ist bislang nicht die Rede. Mit 1,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts blieb Großbritannien 2014 klar hinter dem OECD-Durchschnitt (2,4) zurück; hingegen lagen die deutschsprachigen Länder Deutschland (2,9), Österreich (3,1) und Schweiz (3,0) deutlich darüber.

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