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Therapie für Psychotherapeuten

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Psychtherapeuten verdienen trotz Honorarerhöhung zu wenig - meinen sie. Der Verband der gesetzlichen Kassen sieht das ganz anders und rechnet vor. Eine Analyse.

Die Psychotherapeuten sehen sich seit Jahren als benachteiligte Berufsgruppe. Sie beklagen, dass ihre Honorare zu niedrig sind und nicht mit der Entwicklung der Einkommen von Ärzten mithalten. Schaut man auf die aktuellsten zur Verfügung stehenden Daten des Statistischen Bundesamtes, ist die Kritik auch berechtigt. 2011 erwirtschafteten Psychotherapeuten in ihrer Praxis einen Reinertrag (Gewinn vor Steuern und Altersvorsorge) von 61.000 Euro. Ärzte erzielten hingegen einen Reinertrag von 166.000 Euro, wobei es je nach Fachrichtung große Unterschiede gibt.

Inzwischen gab es jedoch auch für die Psychotherapeuten mehrere Anpassungen der Honorare und eine Reihe von Reformen, die die Verdienstmöglichkeiten verbessert haben. Im Frühjahr trat die neue Psychotherapie-Richtlinie in Kraft, die die wesentliche Grundlage dafür ist, was niedergelassene Psychotherapeuten im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung leisten und abrechnen können. Danach sind Psychotherapeuten neuerdings verpflichtet, eine Sprechstunde anzubieten. Zudem haben sie die Möglichkeit, Patienten in akuten psychischen Krisen mit einer sogenannten Akutbehandlung zu helfen.

Diese neuen Leistungen werden selbstverständlich vergütet. Nach Berechnungen des Dachverbandes der Betriebskrankenkassen werden die neuen Angebote die gesetzlich Versicherten bis zu 100 Millionen Euro im Jahr kosten. Das sei eine außerplanmäßige Honorarerhöhung von mindestens 3,4 Prozent, die zusätzlich zur jährlichen Honorarsteigerung von der Solidargemeinschaft finanziert werde, betonte unlängst BKK-Vorstand Franz Knieps.

In der Praxis kaum umsetzbar

Da die Psychotherapeuten jedoch weiterhin klagen, hat der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen eine Modellrechnung vorgelegt, um die Verdienstmöglichkeiten eines niedergelassenen Psychotherapeuten einschätzen zu können. Der Spitzenverband geht bei dieser Berechnung davon aus, dass ein Psychotherapeut im Jahr 43 Wochen mit jeweils 36 Stunden arbeitet. Angenommen wird ein Mix aus Sprechstunden, Akutbehandlungen, Kurzzeit-, Langzeit und Gruppentherapie-Sitzungen – jeweils mit Vor- und Nachbearbeitung.

In dieser Modellrechnung kann der Beispiel-Psychotherapeut im Jahr fast 148.000 Euro mit der gesetzlichen Krankenversicherung abrechnen. Hinzu kommen 12.000 Euro aus einem „Strukturzuschlag“, den die Kassen einer ausgelasteten Praxis für die Einstellung einer Halbtags-Sprechstundenhilfe zahlen. Von der Gesamtsumme in Höhe von 160.000 Euro sind abzuziehen Beiträge für Sozialversicherungen, Steuern sowie die Praxiskosten, die aber anders als bei vielen Fachärzten im Wesentlichen aus Mietkosten bestehen und damit überschaubar bleiben.

Es ist klar, dass es den Krankenkassen darum geht, höhere Honorarforderungen der Psychotherapeuten abzuwehren. In diesem Sinne wird auch das Modellbeispiel zusammengestellt worden sein. Es dürfte in der Praxis so allerdings kaum umsetzbar sein, denn auch bei bester Planung wird es nicht klappen, jede Minute der Arbeitszeit optimal auszulasten – schon gar nicht mit einem Mix aus unterschiedlichen Leistungen.

Die Rechnung zeigt aber die Tendenz: Den Psychotherapeuten geht es mittlerweile finanziell nicht schlecht – zumal es keinen Mangel an Patienten gibt.

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