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Im Unterschied zu anderen Krediten müssen Kunden für einen Dispo keine Sicherheit hinterlegen.

Konto überzogen

Teurer Dispo

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Banken verlangen hohe Zinsen auf Überziehungskredite. Aber es gibt Alternativen.

Das Girokonto zu überziehen kommt Bankkunden in der Regel teuer zu stehen. Nach einer aktuellen Auswertung von Stiftung Warentest in der Septemberausgabe von Finanztest, liegen die Dispozinsen deutscher Banken im Schnitt bei fast zehn Prozent. Und das ist in einer Zeit, in der ansonsten aufgrund der Niedrigzinsphase Kredite günstig zu haben sind, erstaunlich viel.

Im Vergleich zur Auswertung ein Jahr zuvor ist der durchschnittliche Zinssatz von Überziehungskrediten lediglich um 0,06 Prozent gesunken – von 9,78 auf 9,72 Prozent. Untersucht haben die Tester über 1300 Banken und Sparkassen. Dispozinsen sind für Banken somit überaus lukrativ. Die Finanzinstitute lassen sich die Bequemlichkeit der Kunden bezahlen.

Denn schließlich lässt er sich mühelos bekommen und laut der Deutschen Bundesbank wird er konstant in Anspruch genommen. Im Unterschied zu anderen Krediten müssen Kunden für einen Dispo keine Sicherheit hinterlegen. Allein für den Gehaltseingang auf dem Konto gewährt die Bank einen Überziehungsrahmen. Der Kredit wird regelmäßig eingeräumt, so lange ebenso regelmäßig Gehalt auf dem Konto eingeht – in der Regel in der Höhe von zwei Netto-Monatsgehältern. Man muss dazu auch keinen Antrag ausfüllen, diese bürokratischen Hürden fallen weg.

Für den kurzfristigen Bedarf: „Der Dispokredit eignet sich, wenn kurzfristig Bedarf besteht. Etwa wenn das Auto unerwartet zur Reparatur muss oder die Waschmaschine kaputt gegangen ist“, sagt Stephanie Pallasch, Kredit-Expertin von Stiftung Warentest. Sie warnt aber: „Es sollte die Möglichkeit bestehen, die entstandene Lücke mit dem Gehalt relativ schnell wieder auszugleichen.“ Wer dies mit ein oder zwei Monatsgehältern nicht schafft, sollte besser einen Ratenkredit abschließen und umschulden, rät sie. Günstige Ratenkredite liegen derzeit bei knapp zwei bis vier Prozent.

Was die Alternativen taugen: „Rein mathematisch ist der Ratenkredit in jedem Fall günstiger“, sagt auch Max Herbst von der FMH-Finanzberatung. „Die niedrigeren Zinsen bringen aber keinen Vorteil, wenn das Geld nicht reicht, um die Raten zurückzuzahlen und der Bankkunde dann früher oder später doch wieder im Dispo landet.“ Die Raten über einen Kredit, der beispielsweise 36 Monate läuft, könnten dann stärker ins Gewicht fallen, als einmal ins Dispo zu gehen. Auch sollte die Höhe des benötigten Kredits ein Entscheidungskriterium sein. Nach einer nicht repräsentativen Umfrage der FMH-Finanzberatung bei Banken werde der Dispo durchschnittlich für 1700 Euro genutzt. „Ratenkredite beginnen sehr häufig erst bei 2500 Euro“, sagt Herbst. Die günstigsten Zinssätze für zwei Prozent aber gibt es erst bei Ratenkrediten in einer Größenordnung von 5000 Euro.

Eine weitere Alternative zum Dispozins stellt der Rahmenkredit dar. Dieser zeichnet sich dadurch aus, dass es keine festgelegten monatlichen Raten bei der Rückzahlung gibt. „Der Mindestbetrag beläuft sich bei den meisten Banken trotzdem auf mindestens zwei Prozent im Monat“, so Herbst.

Wenn es um das neue Auto geht, für dessen Finanzierung eine Geldspritze gebraucht wird, kann auch der Händler direkt einen Kredit gewähren. Ob dieser sich eignet, lässt sich nur durch einen Vergleich mit Angeboten bei der Bank herausfinden. Auch Banken bieten etwa spezielle Autokredite. Die können günstiger als normale Ratenkredite sein, da durch den Warenwert des Fahrzeugs, welches mit dem Kredit finanziert werden soll, schon eine Sicherheit gegeben wird und sich das Risiko für die Banken so reduziert.

Dass die Zinsen bei Dispokrediten höher angesetzt sind, begründen Banken auch mit eben dieser fehlenden Sicherheit. Es besteht für Kunden, die den Dispo in Anspruch nehmen keine Verpflichtung einer monatlichen Rückzahlung und somit erhöht sich das Risiko der Banken, den Kredit plus Zinsen zurückzubekommen.

Die Testergebnisse: Die Auswertung von Finanztest hat ergeben, dass die höchsten Zinssätze regionale Banken aus der Gruppe der Volks- und Raiffeisenbanken erhoben haben. „Testverlierer“ war die Volksbank Raiffeisenbank Oberbayern Südost mit 13,75 Prozent. Gerade noch angemessen sind aus Sicht der Tester höchstens acht Prozent. Sie argumentieren, dass sich die Höhe des Dispozinses üblicherweise am Zinsumfeld orientiert. Doch nachdem der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) vor nunmehr zweieinhalb Jahren auf null Prozent gesunken ist, hat sich der Abstand von Dispozins zu Leitzins über die Zeit hinweg eher vergrößert als verkleinert.

Sucht man nach Banken mit niedrigem Dispozins, sind das noch am ehesten Direktbanken. Darunter zum Beispiel die Deutsche Skatbank, die 4,18 Prozent beim Trumpfkonto für den Dispo berechnet. Es gibt auch Konten mit null Prozent Dispozins, dann sind aber die monatlichen Kontoführungsgebühren entsprechend höher – nicht unbedingt ein Vorteil, da der Dispo ja niemals regelmäßig in Anspruch genommen wird (und sollte).

Letztlich sollte der Dispozins deswegen kein Kriterium sein, nach der ein Girokonto ausgewählt wird. „Bei der Wahl des Girokontos sollten vielmehr die Kontoführungsgebühren ins Gewicht fallen und ob der Verbund eine ausreichende Anzahl von Geldautomaten vorhält“, so Finanztest-Expertin Pallasch. „Theoretisch könnten Banken den Dispozins günstiger anbieten“, ist sich Herbst von der FMH Finanzberatung sicher. Aber weil allein wegen eines höheren Dispozinses niemand die Bank wechsle, bleiben die Dispozinsen für Banken ein gutes Geschäft.

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