Energie

In teuren Tarifen gefangen

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Viele Menschen beziehen vom Grundversorger Strom. Dabei ginge es viel günstiger, wenn die Leistung ausgeschrieben würde.

In Deutschland gibt es viele Menschen, die ihre Wohnung nicht ausreichend heizen und kaum ihre Stromrechnung bezahlen können. Diese „Energiearmut“ betrifft, je nach Definition, acht bis 25 Prozent der Bürger. Nimmt man einen mittleren Wert, sind rund 13 Millionen Deutsche betroffen. Jedes Jahr wird laut Bundesnetzagentur rund 330 000 Haushalten der Strom abgestellt, das Erdgas bei 40 000. Es handelt sich also durchaus um ein großes sozialpolitisches Problem. Experten der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) haben nun einen interessanten Vorschlag gemacht, um hier etwas Druck herauszunehmen: eine kostensenkende Ausschreibung der teuren Grundversorgungstarife bei Strom und Gas.

Strom- und Gaskunden können seit der Liberalisierung der Strom- und Gasmärkte den Anbieter frei wählen und damit viel Geld sparen. Trotzdem werden beim Strom immer noch rund 31 Prozent und beim Gas rund 22 Prozent des Verbrauchs über die sogenannte Grundversorgung (GV) geliefert. Der Grundversorger ist jenes Unternehmen, das in der jeweiligen Region verpflichtet ist, jeden Haushaltskunden zu beliefern – und dafür, zumindest im Grundversorgungstarif, spürbar mehr verlangt als der Wettbewerb.

Warum Kunden nicht wechseln, kann mehrere Gründe haben. Sie wollen bewusst im alten Tarif bleiben, sie sind über die Wechselmöglichkeiten in billigere Tarife oder zu einem anderen Anbieter gar nicht informiert – oder aber sie verfügen nur über eine schlechte Bonität und können gar nicht aus der Grundversorgung heraus, da sie von anderen Strom- und Gasversorgern deswegen keine anderen Vertragsangebote bekommen. Letzteres dürfte für viele „Energiearme“ der Grund sein, dass sie in den teuren Tarifen quasi gefangen sind.

Über die teuren „GV-Tarife“ wird seit langem diskutiert. Die Experten der SPD-nahen Stiftung empfehlen nun, die Grundversorgung für andere Stromanbieter zu öffnen und sie künftig per Ausschreibung zu vergeben. Den Zuschlag soll grundsätzlich der Versorger bekommen, der den günstigsten Strom- und Gaspreis anbietet. Allerdings könne es sinnvoll sein, auch andere Kriterien aufzustellen, argumentieren sie – etwa, dass der neue Anbieter einen Teil der Einnahmen in Energiespar-Investitionen bei seinen Kunden investieren muss. Denkbar sind hier zum Beispiel Zuschüsse für LED-Beleuchtung, einen effizienten Kühlschrank oder Beratungsangebote. Das würde die Kosten weiter nachhaltig senken und dem Klimaschutz dienen.

Für die Grundversorger-Kunden könnte das spürbare Entlastungen bringen. Die FES-Experten schätzen, dass deren Strom- und Gasrechnungen bundesweit pro Jahr mindestens um 1,15 Milliarden Euro sinken würden. Berechnet ist das aufgrund von Erhebungen, wonach GV-Energie im Schnitt beim Strom um zwei Cent und beim Gas um einen Cent pro Kilowattstunde teurer ist als bei den anderen Anbietern. Zieht man zum Vergleich die günstigsten Energieanbieter auf dem Markt heran, ist das Entlastungspotenzial aber noch deutlich größer.

Keine Frage, die klassischen Versorger, die jetzt die Grundversorgung stellen, werden gegen solche Überlegungen ankämpfen. Ihre Profite sind in diesem Segment schließlich höher als im sonstigen Geschäft. Ein Grund, deshalb eine Neuregelung nicht anzugehen, ist das nicht.

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