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Teure Kernspaltung

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Von: Joachim Wille

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Der britische Premierminister Boris Johnson im April in Hinkley Point C.
Der britische Premierminister Boris Johnson im April in Hinkley Point C. © AFP

Der Bau des britischen Atomkraftwerks Hinkley Point C sprengt erneut Budget und Zeitplan.

Das britische AKW-Projekt „Hinkley Point C“ soll die Renaissance der Atomkraft auf der Insel einläuten und dem Klimaschutz dienen. Doch es gibt erneut Probleme damit. Der französische staatliche Stromkonzern EDF, der die Reaktor-Doppelanlage mit einem chinesischen Partner baut, erwartet eine neuerliche Kostensteigerung um umgerechnet 3,5 Milliarden Euro und eine weitere Bauverzögerung um mindestens ein Jahr. Schuld sei vor allem die Corona-Pandemie.

Das neue AKW in Englands Südwesten erhält zwei Reaktoren des „EPR“-Typs, wie er auch in Finnland, Frankreich und China gebaut wurde respektive gebaut wird. Der Beschluss für Hinkley Point C fiel 2016. Damals wurden die Kosten auf 21,5 Milliarden Euro geschätzt. Jetzt, nach mehreren Anpassungen, rechnet die EDF mit bis zu 30,5 Milliarden. Strom soll die Anlage nun frühestens ab Mitte 2027 produzieren, zuletzt war der Sommer 2026 als Starttermin genannt worden.

Der Geschäftsführer von Hinkley Point C, Stuart Crooks, führte die Verzögerungen darauf zurück, dass wegen Corona weniger Mitarbeiter auf der Baustelle zugelassen waren. Außerdem gebe es weiter Probleme mit den Lieferketten für benötigte Bauteile.

Hinkley Point erinnert an Atom-Projekte in Frankreich und Finnland

Der französische Konzern betonte, die Kostensteigerung werde nicht zulasten des britischen Steuerzahlers gehen, sie werde keine „Auswirkungen für die britischen Verbraucher“ haben. Das Projekt kann freilich ohnehin nur realisiert werden, weil der britische Staat beim Baubeschluss für 35 Jahre Laufzeit eine Einspeisevergütung von umgerechnet 10,5 Cent pro Kilowattstunde produziertem Strom garantierte – deutlich mehr als etwa für Offshore-Windkraft.

Die Kostenerhöhungen und Bauzeitverlängerungen in Hinkley Point erinnern stark an die Erfahrungen mit den beiden ersten EPR-Anlagen in Frankreich und Finnland. Beim französischen AKW-Projekt Flamanville zum Beispiel stiegen die Kosten von geplanten 3,3 Milliarden Euro bereits auf über zwölf Milliarden, und das Projekt ist zehn Jahre im Zeitverzug. In China lief es besser. Hier gingen 2019 zwei EPR ans Netz, die Bauzeit wurde „nur“ um fünf Jahre überschritten.

Kosten für Hinkley Point steigen rasant

Der Rechnungsprüfungsausschusses des britischen Unterhauses warnte unterdessen davor, dass sich die Kosten für die Stilllegung von sieben AKW im Land, die ihre Laufzeitende erreicht haben, auf umgerechnet rund 27,5 Milliarden Euro fast verdoppelt haben und wahrscheinlich noch weiter steigen werden. In dem Bericht heißt es: „Die rasant steigenden Kosten für die sichere Stilllegung … werden auf den Steuerzahler abgewälzt.“ Fehler in der Investitionsstrategie der Regierung für den Fonds hätten dazu geführt, dass er in nur zwei Jahren um 12,5 Milliarden aufgestockt werden musste.

Die Regierung in London sieht in ihrer im April vorgestellten Energiestrategie neben dem starken Ausbau von Wind- und Solarenergie auch den Neubau von bis zu acht großen Atommeilern vor. Die meisten der aktuell am Netz befindlichen elf AKW sind jedoch alt und müssen in diesem Jahrzehnt vom Netz gehen, dadurch wird der Atomstrom-Anteil auf der Insel zunächst sinken.

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