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Herbert Diess hat die Ziele für 2019 fest im Blick: Er peilt ein Umsatzplus von fünf Prozent an.

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Teure Abgasrechnung für VW

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Der Dieselskandal kostet Volkswagen bislang 30 Milliarden Euro – und trotzdem verdient er gut.

Beim VW-Konzern laufen weiter die Rechnungen des Diesel-Skandals auf. Allein im ersten Quartal gab der Konzern knapp eine Milliarde Euro für die Folgen des Betrugs aus. Damit summierten sich die direkten Folgekosten inzwischen auf 30 Milliarden Euro, sagte Finanzvorstand Frank Witter am Donnerstag in Wolfsburg. Den größten Teil davon zahlte VW in den USA.

Gleichzeitig läuft allerdings das aktuelle Geschäft des Autokonzerns derzeit besser als bei anderen Autobauern, sodass der Gewinn nur leicht zurückging.

Rechtsanwälte, Berater und Vergleiche hätten die hohen juristischen Kosten verursacht, sagte Witter, der das aber „nicht weiter spezifizieren“ wollte. Vermutlich sollen keine Begehrlichkeiten geweckt werden: Schadensersatzklagen unzufriedener Kunden legt der Konzern oft mit Vergleichen bei, bevor sie in der zweiten Instanz entschieden werden. Diese außergerichtlichen Einigungen dürften einen großen Teil der zusätzlichen Kosten verursachen – sollen aber möglichst in Grenzen gehalten werden.

Allein in Deutschland sind noch Zehntausende Klagen anhängig. Witter betonte wie stets in den vergangenen Monaten, dass „Dieselgate“ finanziell noch nicht ausgestanden sei: Es gebe „noch erhebliche rechtliche Themen“.

Dazu gehört zum Beispiel das Risiko, eine Schlappe vor dem Bundesgerichtshof (BGH) einzustecken. Kläger haben bereits angekündigt, in die letzte Instanz zu gehen, und der BGH hat im Februar in einer Stellungnahme erkennen lassen, dass er deren Argumenten folgen könnte. Die gerade erhobene Anklage gegen den früheren Konzernchef Martin Winterkorn habe dagegen bisher keine finanziellen Folgen für den Konzern, sagte Witter.

Auch an anderen Stellen wirkt „Dieselgate“ noch nach. So verschärften die Behörden die Vorschriften für Abgastests – und vor allem VW war überfordert mit dem neuen WLTP-Verfahren. Rund eine Milliarde Euro kostete das zum großen Teil selbstverschuldete Zulassungschaos bei VW.

Nun stehen neue Vorschriften praktisch im Jahrestakt an, und Witter hofft auf die Lernkurve im eigenen Haus. Auch 2019 werde es in diesem Bereich zusätzliche Kosten geben, aber deutlich weniger als im Vorjahr.

Eine weitere Diesellast scheint für den Konzern dagegen erledigt zu sein: Der Wertverlust gebrauchter Dieselautos spiele kaum noch eine Rolle, sagte Vertriebschef Christian Dahlheim. Den Konzern interessiert das, weil er die Leasingautos seiner Kunden selbst in der Bilanz hat. Diese maximal drei Jahre alten Euro-6-Dieseln seien seit einem Jahr wertstabil, sagte Dahlheim.

„Guter Start“ ins Jahr

Unter dem Strich verkraftet VW die wiederkehrenden Milliardenlasten jedoch erstaunlich gut. In den ersten drei Monaten dieses Jahres lag der Konzerngewinn bei gut drei Milliarden Euro und damit sieben Prozent niedriger als ein Jahr zuvor. Der operative Gewinn vor Sondereinflüssen stieg dagegen. Obwohl der Verkauf leicht auf 2,6 Millionen Fahrzeuge schrumpfte, stieg der Umsatz auf 60 Milliarden Euro. Witter sprach von einem „guten Start“ ins Jahr, der Kurs der VW-Aktie stieg daraufhin um fast fünf Prozent. Die Konkurrenten Daimler und BMW hatten mit ihren Quartalsbilanzen eher enttäuscht.

Für VW sind stabile Geschäfte in diesem Jahr noch wichtiger als sonst, denn im Herbst beginnt der größte Umbruch in der Konzerngeschichte. Dann wird das erste Elektroauto einer neuen Generation vorgestellt, Dutzende weitere sollen rasch folgen. Praktisch entsteht eine komplett neue Modellpalette, die die aktuellen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor ersetzen soll. Die Investitionen und die Risiken sind enorm.

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