Die niedrigen Spritpreise erfreuen die Autofahrer - nicht nur in Dreieich bei Frankfurt.  
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Die niedrigen Spritpreise erfreuen die Autofahrer - nicht nur in Dreieich bei Frankfurt.  

Öl

Teuer oder billig?

  • Frank-Thomas Wenzel
    vonFrank-Thomas Wenzel
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Die Preise an den Zapfsäulen steigen, doch wie entwickelt sich der Ölpreis, wenn die Förderländer die Pumpen jetzt wieder schneller laufen lassen?

Ein Liter Super-Benzin für 1,26 oder 1,27 Euro. So viel kostete gestern der Sprit im Bundesdurchschnitt. Teuer oder billig? Die Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Im Mai war der Kraftstoff noch gut zehn Cent preiswerter. Und schon bald könnte es weitere Aufschläge geben. Allerdings sind die Unsicherheiten auf dem Ölmarkt so groß wie selten zuvor.

Am Mittwoch beraten die Mitglieder der Opec-Plus-Runde in einer Videokonferenz die Lage. Das sind Vertreter von 23 Förderländern inklusive der Öl-Minister von Russland und Saudi-Arabien. Es geht darum, ob es Lockerungen beim Pumpen des Rohstoffs geben wird, der die Autos antreibt. Laut Beobachtern spricht vieles dafür. Viele Länder brauchen dringend Einnahmen aus dem Verkauf des Rohöls. Laut Finanznachrichtenagentur Bloomberg bereiten große russische Gesellschaften sich bereits darauf vor, die Gewinnung per 1. August deutlich zu steigern. Auch die staatliche saudische Aramco soll größere Exportmengen kurzfristig zur Verfügung stellen können – es wirkt beinahe so, als könnten es die ganz Großen im Ölgeschäft kaum abwarten.

Allein die Spekulationen darüber waren ausreichend, um am Montag die Preise an den internationalen Börsen zu drücken. Ein Fass der für Europa maßgeblichen Marke Brent kostete am Nachmittag mit 42,60 Dollar gut 1,5 Prozent weniger als am Ende voriger Woche.

Rückblick: Das Geschäft mit dem Mineralöl hat die turbulentesten Monate seit dem Beginn seiner industriellen Nutzung hinter sich. Zuerst inszenierten die Saudis einen Preiskampf gegen Russland. Dann kam die Corona-Pandemie dazu. Die Notierungen stürzten ins Bodenlose. Mit knapp 16 Dollar wurde Ende April an der Londoner Börse der niedrigste Preis seit zwei Jahrzehnten erzielt. Durch weltweite Reise- und Ausgangsbeschränkungen war die Nachfrage blitzartig eingebrochen. Die Spritpreise sackten in ähnlichem Maß ab. Diesel gab es hierzulande zeitweise für weniger als einen Euro. Super kostete im Mai nach Berechnungen der Vergleichsplattform Clever-Tanken mit knapp 1,17 Euro so wenig wie seit fast zehn Jahren nicht mehr.

Wobei die Preise zum Monatsende hin deutlich anzogen. Da wurde wirksam, was der Opec-Plus-Club in einer außerordentlichen Sitzung beschlossen hatte: Die Förderung wurde um 9,7 Millionen Fass pro Tag reduziert. Die Operation gelang, der Rohölpreis verdoppelte sich binnen weniger Wochen. Die Brent-Notierung pendelt seit Anfang Juni um die 40-Dollar-Marke.

Eigentlich sollte die Kürzung schon zu Beginn des Juli wieder ein Stück weit zurück genommen werden. Doch die Öl-Staaten einigten sich auf eine Verlängerung der rigiden Vorgaben. Am Mittwoch aber könnte der Wendepunkt erreicht werden. Dann dürften die Opec-Plus-Länder insgesamt wieder zwei Millionen Fass mehr zu Tage fördern.

Die ursprüngliche Roadmap der Opec-Plus sieht vor, dass die Quoten nach dem Aufschlag für den Rest des Jahres konstant bleiben. Von Januar 2021 bis April 2022 sollen dann weitere 1,9 Millionen Fass mehr pro Tag gepumpt werden. In der Hoffnung, dass die globale Konjunktur und damit die Nachfrage nach Benzin, Diesel, Heizöl und Kerosin wieder anzieht und die Preise an den Rohstoffbörsen trotz des erhöhten Angebots wieder steigen. So geht der Energie-Analyst und frühere Weiße-Haus-Berater Bob McNally auch davon aus, dass die weltweite Nachfrage im aktuellen Quartal im Vergleich zum zurückliegenden Vierteljahr um 18 Prozent auf knapp 96 Millionen Fass pro Tag steigen wird.

Schockwelle ist möglich

Entsprechend erwartet Steffen Bock, Chef von Clever-Tanken, dass die Preise an der Tankstelle in diesem Monat weiter zulegen. Eine anziehende Weltwirtschaft, die Rückkehr aus dem Home-Office und den Beginn der Sommerferien nennt er als Gründe. Gleichwohl würden die Kosten für den Sprit im langfristigen Vergleich immer noch auf vergleichsweise niedrigem Niveau verharren – vor einem Jahr kostete der Liter Super im Schnitt 1,45 Euro.

Allerdings wird unter Analysten auch das Szenario eines „Taper Tantrum“ durchgespielt. Eine Art Schockwelle. Wenn nämlich das gesteigerte Angebot mit einer zweiten Pandemiewelle einhergehen wird. Denn viele Experten machen darauf aufmerksam, dass die Füllstände der riesigen Tanklager weltweit noch immer auf Rekordniveau sind. Und das macht den Öl-Preis anfällig für erneute Rückschläge – Autofahrer wären davon erfreut.

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