Lufthansa-Streiks

Ufo-Chefin Sylvia de la Cruz: Umstrittene Kämpferin

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Die Vorsitzende der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo, Sylvia de la Cruz, setzt sich für die Belange der Flugbegleiter ein. Doch auch in der Gewerkschaft gab es Kontroversen um ihre Person.

Sie ist die Schlüsselfigur in einer Auseinandersetzung, die in der Geschichte der deutschen Luftfahrt ohne Beispiel ist: Sylvia de la Cruz, die Vorsitzende der Flugbegleitergewerkschaft Ufo. Eine mächtige Organisation. Hat sie doch die Lufthansa dazu gezwungen, insgesamt 1300 Flüge am Donnerstag und am Freitag zu streichen. Wegen eines geplanten Streiks der Flugbegleiter.

De la Cruz hat am Mittwoch angekündigt, an einem für den Abend von LH-Chef Carsten Spohr spontan anberaumten Spitzengespräch doch noch teilnehmen zu wollen. „Auch wenn der Weg über die Öffentlichkeit und der Verteilerkreis vermuten lässt, dass das Ganze eine reine PR-Maßnahme ist, halte ich es für richtig, dass Spohr als Konflikttreiber auch derjenige ist, der nach einem Ausstieg sucht“, sagte die Ufo-Chefin. Bei dem Gespräch sind auch Vertreter der konkurrierenden Gewerkschaften Verdi und Cabin Union vertreten.

Um die vertrackte Situation zu verstehen, muss man weiter zurückblicken. Nicoley Baublies war jahrelang das Gesicht von Ufo. Er handelte 2016 nach Streiks einen Tarifvertrag für die Ufo-Mitglieder aus. Damals setzte die Interessenvertretung einige Vereinbarungen für die Flugbegleiter durch, die bessere Arbeitsbedingungen bedeuteten, die zum Teil aber auch heftig umstritten sind. Im Hintergrund war Sylvia de la Cruz daran maßgeblich beteiligt.

Sylvia de la Cruz , Vorsitzende der Gewerkschaft Ufo, ist mindestens bis Februar im Amt.

Enttäuschte Ufo-Mitglieder warfen ihr vor, in der Folge gemeinsam mit Baublies Zusatzvereinbarungen mit der Lufthansa getroffen zu haben – eigenmächtig. Die Folge war heftiger Streit, Mitglieder des Vorstandes verklagten sich gegenseitig. Der Vorwurf der Untreue und des Betrugs steht im Raum. Es folgten mehrere Rücktritte, auch Baublies nahm seinen Hut. Übrig geblieben ist ein Rumpfvorstand mit dem Vizechef Daniel Flohr und mit Sylvia de la Cruz. Die Lufthansa bezweifelt, dass das alles ordnungsgemäß ablief, und stellt die Tariffähigkeit der Ufos infrage. Die Querelen brachten die Gewerkschaft in eine existenzielle Krise. Doch auf einer Mitgliederversammlung am 1. November wurde ein Abwahlantrag gegen Flohr und de la Cruz mit „überwältigender Mehrheit“ abgelehnt, so Baublies, der inzwischen Ufo-Pressesprecher ist. Damit ist die Vorsitzende offenbar auch wieder zum Ansprechpartner für die Lufthansa geworden.

Worüber wird Spohr nun mit ihr diskutieren? Es wird wohl just um die Zusatzvereinbarungen gehen. Das sogenannte Monitoring-System. Verdi-Vertreter haben es als „drängendes Problem“ für das Kabinenpersonal bezeichnet. Konkret geht es dabei um ein Kostensenkungsprogramm für die Beschäftigten, das Verdi als „selbst gestrickte Schlinge“ bezeichnet hat. Offen ist, wann da Einigungen erzielt werden können. Das Lufthansa-Management will auf Zeit spielen, bis ein neuer Ufo-Vorstand gewählt ist. Die Amtszeit von Sylvia de la Cruz endet am 14. Februar.

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