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Test von Cell Broadcast: Achtung, Achtung, Achtung, Achtung!

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Von: Björn Hartmann

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Bei Katastrophen wie dem Hochwasser der Erft wollen die Behörden besser informieren.
Bei Katastrophen wie dem Hochwasser der Erft wollen die Behörden besser informieren. © imago images/Rainer Unkel

Der Staat testet erstmals Cell Broadcast: Das Verfahren soll Menschen in Krisen schneller und direkter informieren.

Kommende Woche testet der Katastrophenschutz in großem Umfang das deutsche Warnsystem. Erstmals werden entsprechende Nachrichten testweise auf Mobiltelefone im deutschen Netz verschickt. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu Cell Broadcast.

Was passiert am 8. Dezember?

Bund und Länder haben Donnerstag, 8. Dezember, ausgewählt, um die Abläufe einer Warnung und das gesamte deutsche Warnsystem zu testen. Los geht es um 11 Uhr. Das Ende ist für 11.45 Uhr vorgesehen. Getestet werden unter anderem Sirenen, Warn-Apps und die Abläufe zwischen einzelnen Behörden. Erstmals soll Cell Broadcast flächendeckend eingebunden werden. Über das System wird eine Warnung der höchsten Stufe verschickt. Sie erscheint auf den Mobiltelefonen, gleichzeitig wird ein Warnsignal ertönen. Der Warntext enthält den Hinweis, dass es sich um einen Test handelt und einen Link, über den man auf weitere Informationen kommt.

Was ist Cell Broadcast?

Cell Broadcast ist ein Verfahren, mit dem alle Handys angesteuert werden können, die im Mobilfunknetz angemeldet sind. Netzbetreiber können darüber Nachrichten verschicken. In Deutschland wird das Verfahren Teil des staatlichen Warnsystems, neben anderen Kanälen wie Spezial-Apps, Sirenen, Hinweisen in Rundfunk und Fernsehen, Online und auf digitalen Informationstafeln etwa in U-Bahnen größerer Städte sowie über Lautsprecherwagen. Anders als die staatliche Warn-App Nina muss Cell Broadcast nicht installiert werden.

Wie funktioniert Cell Broadcast?

Deutschland ist mit einem Raster aus Funkzellen überzogen, in denen sich die Mobiltelefone dauerhaft anmelden. Bewegt sich ein Telefon von einer in die nächste Zelle, meldet es sich in der ersten Zelle ab und in der zweiten an. Über Cell Broadcast lassen sich gezielt alle Handys in einer, mehreren oder allen Zellen anschreiben, ohne dass der Netzbetreiber weiß, wer die Nachricht bekommt. Praktisch eine Postwurfsendung an alle. Im Unterschied dazu ähnelt eine SMS einem persönlich adressierter Brief. Für eine SMS ist eine konkrete Telefonnummer nötig.

Andere Länder wie die Niederlande nutzen das System bereits länger. Warum wird es erst jetzt in Deutschland eingesetzt?

Die Flutkatastrophe im Ahrtal im Sommer 2021 hat Lücken im deutschen Warnsystem offenbart. Cell Broadcast soll sie schließen und verwendet werden, um gezielter warnen zu können. Schließlich hat fast jeder in Deutschland inzwischen ein Mobiltelefon – und es meist auch angeschaltet. Der Bundestag verpflichtete die Mobilfunkbetreiber im Frühjahr 2022, die Technik möglich zu machen. Von März 2023 an wird sie flächendeckend einsetzbar sein.

Was ist ein Warnfall?

Grund für eine Warnung können Chemieunfälle sein wie der Zusammenstoß zweier Güterzüge nahe Wolfsburg, von denen einer hochexplosives Propangas transportierte. Zu den Gründen zählen unter anderem auch Großbrände, Hochwasser, Krankheitserreger, Ausfall der Wasserversorgung, Störfälle in Atomkraftwerken oder Zwischenlagern, kriegerische Angriffe.

Welche Warnstufen gibt es?

Drei Warnstufen führt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe auf: Bei Stufe drei wird vor Beeinträchtigungen gewarnt. Bei Stufe zwei ist die Unversehrtheit der Bevölkerung bedroht, der normale Lebensablauf erheblich beeinträchtigt. Bei Stufe eins besteht „Gefahr für Leib und Leben“. Und: „Der normale Lebensablauf wird unmöglich.“

Wer entscheidet über die Warnung?

Grundsätzlich ist in Deutschland der Bund für Zivilschutz und kriegsbedingte Gefahren zuständig, die Länder kümmern sich um Katastrophenschutz, die Städte und Gemeinden um allgemeine, nicht-polizeiliche Gefahrenabwehr. Alle nutzen das bundesweite Warnsystem mit seinen verschiedenen Kanälen. Bei einem Brand in einem Reifenlager kann zum Beispiel das Lagezentrum der regionalen Feuerwehr entscheiden, ob und über welche Kanäle gewarnt wird. Bei einem drohenden Orkan mit Starkregen kann ein Bundesland Warnungen auslösen, im Kriegsfall der Bund.

Wer wird in Deutschland über das Verfahren alles erreicht?

Im Prinzip bekommen alle die Warnung, die ein Mobiltelefon haben und sich in den Funkzellen befinden, in denen die Warnung ausgespielt wird. Wer ein altes Gerät besitzt, wird wohl nicht erreicht. Solche Telefone nutzen oft veraltete Technik. Und wer sein Gerät ausschaltet, kann auch nicht erreicht werden. Zurzeit schätzen die Behörden, dass am 8. Dezember die Hälfte aller Mobiltelefone in Deutschland eine Warnnachricht bekommen wird. 2021 gab es rund 62,6 Millionen Smartphones in der Bundesrepublik.

Mein Mobiltelefon ermöglicht es mir, Cell Broadcast Warnungen auszuschalten. Was soll das?

Ausschalten lassen sich an den Telefonen nur Nachrichten der Warnstufen zwei und drei. Die höchste Warnstufe wird immer durchkommen. Ein- und ausschalten lassen sich die Warnungen, weil es bisher noch keine Erfahrung damit gibt, ob Menschen lieber oft und auch bei weniger gefährlichen Lagen gewarnt werden wollen.

Weitergehende Informationen auch in anderen Sprachen etwa türkisch, russisch und arabisch unter https://warnung-der-bevoelkerung.de/ im Internet.

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