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Tesla: Schwere Rassismusvorwürfe gegen Elon Musks Autokonzern

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Von: Lukas Zigo

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Tesla-Chef besucht Fabrik-Baustelle in Grünheide
Elon Musk, Tesla-Chef, steht auf der Baustelle der Tesla Fabrik und winkt. Er hat sich ein Bild vom Baufortschritt der neuen Fabrik in Grünheide bei Berlin gemacht. © Christophe Gateau/dpa

Tesla hat in Deutschland das Image einer klimaschützenden, progressiven und modernen Firma. Doch Berichte aus den USA zeichnen ein anderes Bild.

Kalifornien – Der Autokonzern des Milliardärs Elon Musk sieht sich dieser Tage großen Unruhen innerhalb der eigenen Belegschaft ausgesetzt. Vergangene Woche reichte die ehemalige Tesla-Mitarbeiterin Kaylen Barker eine Klage gegen den Automobilhersteller ein, da Tesla ihre Beschwerden über Rassendiskriminierung nicht beachtet hatte. Die Anschuldigungen in den USA wiegen schwer – auch gegen Musk selbst.

Barker machte Aussagen, wonach man „als schwarzer Arbeiter in Teslas renommierter kalifornischer Fabrik gezwungen ist, einen Schritt zurück in die Vergangenheit zu machen und schmerzhafte Misshandlungen zu erleiden, welche an die Jim Crow-Ära erinnern“.

Tesla soll Vergeltung an Mitarbeitern geübt haben, welche Missstände meldeten

Die 25-Jährige homosexuelle Farbige gab an, ein weißer Kollege im Lathrop Werk habe sie mit dem N-Wort beschimpft und sie dann mit einem heißen Schleifwerkzeug angegriffen. Nachdem Barker diesen Vorfall bei der Personalabteilung gemeldet hatte, soll Tesla Vegeltung geübt und ihr den Lohn vorenthalten haben.

Die nun von Barker eröffnete Zivilklage ist nur eine von mehreren Fällen in den letzten Monaten, welche ein beunruhigendes Bild eines feindseligen und angespannten Arbeitsumfelds für Frauen und Farbige in den Fabriken des Energieriesen zeichnen. Diese Meldungen kommen nur vier Monate nachdem ein Geschworenengericht einem andren ehemaligen Mitarbeiter, Owen Diaz, fast 137 Millionen US-Dollar zugesprochen hatte, weil er am Arbeitsplatz unter anderem mit den Worten „geh zurück nach Afrika“ diskriminiert wurde.

Tesla sieht sich nun Gerichtsverfahren in Kalifornien ausgesetzt

Nun wird Tesla mit einer Bürgerrechtsbeschwerde durch die kalifornischen Aufsichtsbehörden konfrontiert, in der es um die Anschuldigungen von Angestellten wegen weit verbreiteter Rassendiskriminierung geht. Die zuständige Behörde hatte vergangenen Monat eine „Notice of Cause Finding and Mandatory Dispute Resolution“ (Mitteilung über die Feststellung von Ursachen und die verpflichtende Beilegung von Streitigkeiten) herausgegeben.

Die Behörde teilte mit, dass sie auf der Grundlage der gesammelten Beweise der Ansicht ist, dass sie Grund hat, eine Zivilklage gegen Tesla einzureichen.

Kaliforniens Bürgerrechtsbehörde ermittelt schon seit längerem gegen Tesla

J. Bernard Alexander, ein Anwalt von Barker und Diaz sagte, die kalifornische Bürgerrechtsbehörde würde „schon seit einer Weile gegen Tesla ermitteln“, und dass die Nachricht „schon lange auf sich warten lässt“.

„Die Firma, wie ich es sehe, ist eine Reflexion ihres Besitzers Elon Musk. Er hat die Möglichkeit, wenn es ihm wichtig wäre, es in Ordnung zu bringen. Es ist einfach nicht wichtig für ihn“, sagte Alexander gegenüber The Daily Beast. „Eine Person, die in der Lage ist, die Autos zu bauen, die er baut, die persönlich in der Lage ist, in den Weltraum zu fliegen, wollte er es reparieren, würde er seine Aufmerksamkeit darauf richten und es würde repariert werden.“

Teslas Tricks: Subunternehmer für Systematische Unterdrückung

Tesla stellt seine Mitarbeitenden in den USA vor allem über Personalagenturen ein und verlangt von ihnen, dass sie Schiedsvereinbarungen unterschreiben. Das bedeutet, dass jegliche Streitigkeiten mit dem Unternehmen privat von einer dritten Partei und nicht öffentlich vor einer Jury entschieden werden müssen.

„Dieses System, dieses Schema, das Tesla hatte, um sich der Verantwortung zu entziehen, konnten wir in der Sache Diaz besiegen“, sagte Alexander. „Diese Unternehmen nutzen die Schlichtung, um Arbeiter effektiv zu Sklaven zu machen“, sagte Diaz, der keine Schlichtungsvereinbarung unterschrieben hatte, als er 2015 als Auftragnehmer eingestellt wurde, gegenüber Daily Beast.

Nicht nur Teslas Autofabriken haben ein Rassismusproblem

Beschwerden über angeblich rassistische Diskriminierung bei Tesla gibt es nicht nur in den Autofabriken des Unternehmens. Im Januar verklagte die ehemalige Mitarbeiterin Shanel Dickson, der Tesla-Abteilung für Solardächer, das Unternehmen vor dem Santa Clara County Superior Court wegen angeblicher rassistischer und geschlechtsspezifischer Diskriminierung sowie sexueller Belästigung.

TeslaAutohersteller
Gründung1. Juli 2003, San Carlos, Kalifornien, Vereinigte Staaten
HauptsitzAustin, Texas, Vereinigte Staaten
Anzahl der Beschäftigten70.757
CEOElon Musk (Okt. 2008–)
GründerElon Musk, Martin Eberhard, JB Straubel, Marc Tarpenning, Ian Wright
Quelle: Wikipedia

Die 29-jährige Dickson behauptet, ein weißer männlicher Vorgesetzter habe sie mit dem N-Wort beleidigt und als „Fettarsch“ beschimpft. Ein Kollege habe sich auch über ihre Dreadlocks lustig gemacht und wollte ihre Haare berühren. Als sie den Vorfall der Personalabteilung meldete, wies Tesla ihr eine neue Aufgabe zu: „Müll aufsammeln“. Eine Aufgabe, bei der sie noch immer den Vorgesetzten sehen musste, der sie ursprünglich beleidigt hatte.

Sammelklage gegen Tesla könnte ein Verfahren ermöglichen

All die Vorkommnisse im Tesla Konzern legen die Vermutung nahe, dort komme es zu Diskriminierung ohne Folgen. Gar ein Bestrafen derjenigen, die dies melden, ist zu beobachten. Eine Sammelklage gegen Tesla wird vorbereitet – welche das Fremont Tesla Werk als „Brutstätte rassistischen Verhaltens“ bezeichnet.

In US-Medien ist von zahlreichen weiteren Klagen gegen den Konzern zu lesen, welche allesamt in der Richtung sexueller oder rassistischer Diskriminierung anzusiedeln sind. Die Sammelklage könnte es zahlreichen in Schiedsverfahren gefangenen Mitarbeitern des Unternehmens erlauben ihre Klage vorzubringen. (lz)

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