Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Bei Öltankern sei das Einsparpotenzial besonders hoch, sagt OceanCare.
+
Bei Öltankern sei das Einsparpotenzial besonders hoch, sagt OceanCare.

Langsamere Schifffahrt

Tempolimit für Schiffe

  • Hannes Koch
    VonHannes Koch
    schließen

Die Organisation Ocean Care fordert eine andere Strategie für die Weltmeere. Schiffe sollen deutlich langsamer fahren, um weniger Treibhausgase auszustoßen.

Tempolimits auf Straßen gehören zum Alltag. Manchmal ist die Verlangsamung, wie bei 130 auf Autobahnen, umstritten. Aber für Schiffe? Auch im Hinblick auf die Ozeane wird mittlerweile über Geschwindigkeitsbeschränkungen diskutiert. Die in der Schweiz ansässige Organisation Ocean Care fordert nun eine Temporeduzierung beispielsweise für Containerfrachter und Öltanker, die die Weltmeere befahren. Das soll die klimaschädlichen Emissionen aus den Schiffsmotoren reduzieren.

„Wenn die Schiffe 20 Prozent langsamer fahren, stoßen sie bis zu einem Viertel weniger Treibhausgase aus“, sagt Nicolas Entrup von Ocean Care. Bei Öltankern gehe die Einsparung sogar in Richtung eines Drittels. Der gemeinnützigen Organisation zufolge ist die verringerte Geschwindigkeit die einzige Möglichkeit, um den Abgasausstoß der Schiffe schnell zu reduzieren. Andere Strategien wie effektivere Motoren oder der Antrieb mit klimafreundlichem Wasserstoff statt erdölbasiertem Treibstoff dauerten zu lange.

Der Schiffsverkehr verursacht weltweit etwa eine Milliarde Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente pro Jahr. Das sind ungefähr drei Prozent aller Treibhausgas-Emissionen, die sich auf 35 Milliarden Tonnen summieren. Betrachtete man den Seetransport als Land, würde er zwischen Japan und Deutschland an sechster Stelle der weltgrößten Abgasverursacher rangieren.

Erstmal nur einzelne Regionen einbeziehen

Ocean Care richtet ihre Forderungen an die Internationale Maritime Organisation der Vereinten Nationen, der fast alle Staaten der Erde angehören, darunter auch Deutschland. Außerdem solle die Europäische Union aktiv werden, sagt Entrup. In einem ersten Schritt könnte man den Langsamverkehr räumlich begrenzt einführen, beispielsweise im Mittelmeer. Auch einzelne Reedereien fordern die Aktivist:innen auf, eine verringerte Geschwindigkeit in Erwägung zu ziehen.

Neu sei das überhaupt nicht, sagt Christian Denso, Sprecher des Verbandes Deutscher Reeder. „Schiffe fahren viel langsamer als noch vor zehn Jahren.“ In der Zeit der Schifffahrtskrise nach dem Zusammenbruch der Lehman-Bank 2008 habe das auch Kosten gespart, „weil Brennstoff der weitaus teuerste Posten im Betrieb eines Schiffes ist“.

Denso argumentiert allerdings, dass langsames Fahren nicht unbedingt die Emissionen senke. „Jede Geschwindigkeitsminderung bedeutet, dass es im Endeffekt mehr Schiffe braucht, um die vorhandene Ladung zu transportieren.“ Weil die Frachter länger unterwegs sind, können sie seltener neu laden. Zusätzliche Schiffe werden benötigt. Außerdem, so Denso, nehme auch die Warenmenge zu. „Die Schifffahrt wächst in etwa mit dem globalen Wirtschaftswachstum.“

Auch auf Binnenschifffahrt übertragbar

Ocean Care-Mitarbeiter Entrup räumt ein, dass die Zahl der Schiffe steige, wenn man ihre Geschwindigkeit reduziert. Das Ergebnis unter dem Strich sei trotzdem positiv. Denn der zusätzliche Abgasausstoß weiterer Frachter fresse nicht die gesamte Verringerung der Emissionen auf. Grundsätzlich sei die Strategie im Übrigen auch auf die Binnenschifffahrt übertragbar.

Was im Klima-Paket der EU vom Juli 2021 hinsichtlich des Seetransports steht, kritisiert die Organisation. „Der EU-Pfad erscheint nicht plausibel“, so Entrup, „die geplante Minderung dauert zu lange.“ Bis 2030 sollen laut EU-Plan nur sechs Prozent der Abgase im Vergleich zu 2020 vermieden werden, bis 2040 dann 26 Prozent. Die dickeren Brocken kommen später: minus 59 Prozent bis 2045 und minus 75 Prozent bis 2050.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare