In den USA ist die Telekom viertgrößter Mobilfunkanbieter.
+
In den USA ist die Telekom viertgrößter Mobilfunkanbieter.

Unsichere Zukunft

Telekom in der Warteschleife

  • vonJakob Schlandt
    schließen

Die Deutsche Telekom hat sich gefangen. Aber die grundsätzlichen Probleme bleiben.

Die Deutsche Telekom ist ein seltsamer Konzern: Auf der einen Seite gibt es ein weitgehend stabiles Geschäft, das der Ex-Monopolist mit aller Macht verteidigt. Das Festnetz in Deutschland und das relativ starke Mobilfunkgeschäft machen die Telekom zur Geldmaschine, hinzu kommen einige starke Auslandsmärkte. Die Zukunft ist dennoch unsicher, denn es fehlt an Perspektive. Am Donnerstag legte der Bonner Konzern seine Halbjahreszahlen vor: Der Umsatz ging im Quartalsvergleich nur um 0,7 Prozent zurück. Im Vorjahr ging es noch um sechs Prozent herunter. Das beschert den Anlegern, die jetzt einsteigen, eine ordentliche Rendite: Allein die Dividenden verzinsen den Kauf einer Telekom-Aktie beim derzeitigen Kurs mit mehr als sieben Prozent. Doch genau diese Kennziffer zeigt die Skepsis der Anleger: Würde man der Telekom großes Wachstum zutrauen, stiege der Kurs stark und die Dividende auf das eingesetzte Geld fiele niedriger aus.

Überraschung in den USA

Immerhin, Telekom-Chef René Obermann findet, die aktuellen Zahlen seien „solide“, im Vergleich mit den Wettbewerbern schlage man sich „sehr ordentlich“. Zwei große Probleme hat die Telekom tatsächlich besser in den Griff bekommen als erwartet: Die griechische Tochterfirma widersetzt sich dem Abwärtssog (siehe Kasten). Auch T-Mobile USA schlägt sich wacker. Der Gewinn stieg dank drastischer Sparmaßnahmen an.

Die US-Mobilfunker sind Obermanns großes Sorgenkind, nachdem der Verkauf an AT&T für 39 Milliarden Dollar Ende vergangenen Jahres am Veto der Kartellbehörden scheiterte. Denn T-Mobile USA ist abgeschlagen, das Datennetz kann nicht mehr mit der Konkurrenz mithalten. Mehr als eine Million Vertragskunden hat die Telekom im ersten halben Jahr 2012 vor allem deshalb verloren. Obermann scheut sich, Abermilliarden in die Modernisierung des US-Netzes investieren. So bleibt nur das kontrollierte Schrumpfen, bis eine Lösung – wohl der Verkauf – gefunden ist.

Ein Konzern in Warteschleife – das trifft im Grunde auf die ganze Telekom zu. Das Festnetzgeschäft schrumpft langsam, vor allem die Kabelnetzbetreiber machen der Telekom das Leben schwer. Auch Billiganbieter erkämpfen sich zulasten der Telekom einen wachsenden Anteil des Kuchens. Im Mobilfunkgeschäft gab es kürzlich sogar eine demütigende Niederlage: Vodafone überholte die Telekom als größter deutscher Mobilfunker.

Gut läuft dennoch das Geschäft mit der Datenübermittlung per Funk. Wer sich jetzt ein Handy kauft, nimmt in der Regel eines, das gierig Daten aus dem Netz zieht. Das bringt der Telekom erst einmal Geld: Für eine schnelle Verbindung sind die Kunden auch bereit, ordentlich zu bezahlen. Doch der Boom hat auch seine Kehrseite: So schwindet zum Beispiel durch Kurznachrichten-Apps der Umsatz mit den hochprofitablen SMS-Nachrichten.

Langfristig, so die Befürchtung auch von Obermann, werden in der digitalisierten Welt die Gewinne von Konzernen wie Google, Apple, Amazon und möglicherweise Facebook gemacht, die zentrale Schnittstellen besetzen und so hochprofitabel sind. Das Kerngeschäft der Telekom, die Infrastruktur, steht dagegen im harten und dazu noch regulierten Wettbewerb und muss sich mit schmalen Gewinnen begnügen – auch wenn es zuletzt Aussicht darauf gab, dass die EU die Regulierungsvorschriften lockert, um mehr Investitionen in neue Netze auszulösen.

Die Telekom weiß um ihre strategisch verletzliche Position und tut einiges, um sie zu verbessern: Wachstumsmärkte werden besetzt, zum Beispiel das sogenannte Smart Home, bei dem wichtige Hausgeräte zusammengeschaltet werden. Auch beim damit verknüpften intelligenten Stromnetz will die Telekom mitmischen. Online-Geschäfte wie der Verleih Videoload werden ausgebaut.

29 Milliarden Euro, rund die Hälfte des Umsatzes, soll laut einem Strategiepapier der Telekom 2015 aus diesen und anderen neuen Feldern kommen. Doch der Plan wirkt wie eine halbe Mogelpackung, denn einen großen Teil der Einnahmen werden die mobilen Datennetze beisteuern. Und das ist kein wirklich neues Geschäftsfeld. Die Telekom sucht noch nach ihrer Zukunft.

Kommentare