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Für Everything Everywhere ergeben sich bei BT Möglichkeiten zur Weiterentwicklung, die dringend nötig sind.

Deutsche Telekom

Telekom verkauft britische Tochter

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Die Deutsche Telekom verkauft seine Beteiligung am britischen Mobilfunker EE an den Mitbewerber BT. Der teilstaatliche deutsche Konzern wird damit bei BT - früher British Telecom - größter Einzelaktionär.

Die Deutsche Telekom sagt Goodbye zum britischen Markt. Der Bonner Konzern und die französische Orange verkaufen ihr Gemeinschaftsunternehmen Everything Everywhere (EE) für 12,5 Milliarden Pfund (16,7 Milliarden Euro) an die BT-Group. Angefangen hatte alles vor rund 15 Jahren mit der Übernahme eines  Mobilfunkers, der One2One hieß, und für den der teilstaatliche Konzern aus Deutschland die stolze Summe von  zehn Milliarden Euro auf den Tisch legte. Die mit dem hohen Kaufpreis verbundenen hochfliegenden Wachstum-  und  vor allem die Gewinnerwartungen von einst haben sich nie erfüllt. In Großbritannien wird schon seit Jahren mit harten Bandagen, hohen Marketingausgaben und günstigen Preisen gekämpft.

Deshalb entschloss sich das Telekom-Management  2009 mit dem französischen Rivalen gemeinsame Sache zu machen und ein Joint Venture zu gründen: Everything Everywhere. Die Firma ist mit derzeit knapp 24,5 Millionen Mobilfunkkunden zwar der Marktführer auf der Insel. Umsätze und Gewinne gehen aber  tendenziell zurück. Seit mindestens zwei Jahren prüfen die EE-Eigner verschiedene  Ausstiegsszenarien.

Nun wurde BT (früher British Telecom) als Käufer gefunden. Die Deutsche Telekom lässt  sich ihre Hälfte des Kaufpreises zum allergrößten Teil in BT-Aktien auszahlen. Sie hält künftig zwölf Prozent der Anteile und ist damit größter BT-Aktionär- inklusive eines Sitzes im Verwaltungsrat. Die Anteile müssen mindestens 18 Monate gehalten werden. Den Franzosen hingegen werden um die  3,4 Milliarden Pfund überwiesen, und sie erhalten eine Vier-Prozent-Beteiligung. Das Bezahlen in Aktien hat vor allem den Zweck, die Kasse von BT zu schonen – der Konzern ist gerade dabei, seine Finanzen neu zu ordnen. BT feiert indes mit dem Deal ein Comeback im Mobilfunk. Der Konzern hatte vor zehn Jahren seine Mobilfunksparte Cellnet an die spanische Telefónica verkauft, die das Unternehmen dann in O2 umbenannte.

Verkauf scheint plausibel

Den bisherigen EE-Eignern ging indes jetzt nach Einschätzung von Insidern darum, endlich die Exit-Strategie umzusetzen, denn in Großbritannien tut sich einiges. Hutchison Whampoa will  Telefónica  O2 abkaufen, um den Anbieter mit dem eigenen Mobilfunker Three zur neuen Nummer eins zu verschmelzen. Das würde EE massiv zusetzen. Hinzu kommt, dass weiterhin hohe Investitionen in die Netze anstehen. In der Branche  wird gleichzeitig auf das Zusammenwachsen von Festnetz- und der Mobilfunktechnologien nebst entsprechender Angebote für die Nutzer gesetzt, um immer schnellere Breitbandanschlüsse zu jeder Zeit und überall zu bieten. EE hätte also früher oder später entweder seine bislang  bescheidenen Festnetzaktivitäten massiv ausbauen oder eine Strategie entwickeln müssen, mit der das Unternehmen gegen integrierte Anbieter bestehen kann.  Beides wäre enorm aufwendig geworden. Nun wird der Mobilfunker mit  BT verschmolzen, die zugleich ihr riesiges Festnetz mit neuer Glasfasertechnik aufrüsten will.

Für Torsten Gerpott, Telekommunikationswissenschaftler an Uni Duisburg-Essen,  ist der Verkauf aus der Telekom-Perspektive plausibel:  „Jetzt kann sich die Telekom stärker auf ihren Heimatmarkt und die zahlreichen Aktivitäten in Mittel- und Osteuropa konzentrieren.“  Zwar würden die langfristigen Investitionspläne nicht umgeschrieben, aber  finanzielle Spielräume würden wachsen. Da geht es unter anderem um Konditionen für Kredite. Und günstiges Geld kann der Konzern gut gebrauchen. Hierzulande steht für das Ende des zweiten Quartals die Versteigerung von Mobilfunkfrequenzen an. Da geht es ebenso um Milliardenbeträge wie beim Ausbau des Festnetzes in Deutschlands ländlichen Regionen. Die Bundesregierung will dies forcieren, und die Telekom soll dabei eine Hauptrolle spielen. In puncto Mittel- und Osteuropa haben die Bonner viele ambitionierte Pläne für Töchter und Beteiligungen, die es unter anderem in Griechenland, Rumänien, Tschechien, Ungarn, der Slowakei  und in Kroatien gibt. 

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