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Streicht Stellen: Telekom-Chef Timotheus Höttges.

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Telekom schließt Shops

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Kunden kommen seltener in die Telekom-Filialen, um Handys auszuprobieren.

Da stehen harte Verhandlungen an. Die Deutsche Telekom will die Zahl ihrer Shops deutlich verringern und rund 1200 von 4500 Stellen streichen. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kündigt bereits Widerstand an. In Unternehmenskreisen hieß es, über den Zeitplan und weitere Details würden demnächst Verhandlungen beginnen. Der Konzern wollte Medienberichte zunächst nicht kommentieren, verwies aber darauf, dass die Kundenfrequenz im Einzelhandel generell zurückgehe, dass man die Zahl der Filialen regelmäßig überprüfe und an der Nachfrage der Kunden ausrichte.

Für den Telekommunikationswissenschaftler Torsten Gerpott von der Uni Duisburg-Essen ist die Schließung von Verkaufsstellen naheliegend: „Das Ausdünnen der Shops ist in der gesamten Branche eine Entwicklung, die sich seit geraumer Zeit beobachten lässt“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Insofern vollziehe die Telekom, was andere Anbieter wie O2 vorgemacht hätten: die Verlagerung der Vermarktung von Hardware und Dienstleistungen für Privatkunden ins Internet. Nicht nur Telefonica/O2 hat als Marktführer seine Onlinepräsenz ausgebaut. Auch die Telekom hat hier einiges getan. Nach Einschätzungen von Branchenkennern spielt dabei auch eine Rolle, dass die Internetplattformen weniger Kosten als stationäre Geschäfte verursachen.

Die Telefonläden sind hierzulande mit dem Aufkommen des Mobilfunks in den 1990er Jahren populär geworden. Über Jahre lieferten sich die einst vier großen Netzbetreiber (Telekom, Vodafone, E-Plus, O2), aber auch Dienstleister wie Freenet oder Drillisch Wettkämpfe um die besten Standorte für ihre Filialen in den Citys der großen Städte. „Die Shops hatten vor allem die Funktion, dass Nutzer dort neue Handys ausprobieren konnten“, erläutert Gerpott. Er fügt hinzu: „Im Zuge dessen wurden dort den Kunden nicht nur Geräte, sondern Bündel mit Mobilfunk- und auch Festnetzverträgen verkauft.“ Aus diesem Grund seien die Shops eine enorm wichtige Vertriebsplattform gewesen.

Eine letzte Blüte erreichten die Filialen in den Jahren 2013 und 2014. Damals unterhielt die Telekom zeitweise weit mehr als 1000 eigene Verkaufsstellen. Das hatte viel mit dem damaligen Boom der Smartphones zu tun. Ständig kamen neue Geräte mit immer mehr Leistung und immer besseren Kameras auf den Markt. Das trieb die neugierige Kundschaft in die Läden. Inzwischen hat sich auf dem Handy-Markt vieles geändert. Die Geräte haben sich auch im Design angeglichen. Bei der Kaufentscheidung ist es längst nicht mehr wichtig, das Handy vorher in der Hand gehalten zu haben. Hinzu kommt, dass sich der technische Fortschritt deutlich verlangsamt hat. Nutzer behalten ihre Smartphones viel länger als früher. Die Konsequenz für das Management des Bonner Konzerns: Es will laut „Handelsblatt“ die Zahl der T-Shops von 500 auf 460 verringern.

Bei Telekom wird inzwischen spitz gerechnet, und dabei soll sich bei vielen Standorten ein Missverhältnis zwischen Aufwand und Umsatz herausgestellt haben. Vor allem die Personalkosten sehen die Manager offenbar als Problem. Deshalb ein Stellenabbau, der massiver ausfallen soll als die Zahl der Filialschließungen. Gewerkschafter sind empört: „Sollte die Meldung zutreffen, wären – gemessen an der Betriebsgröße – solche Pläne für Stellenstreichungen das größte Arbeitsplatzabbauprogramm in der Geschichte der Deutschen Telekom“, sagte ein Verdi-Sprecher.

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