+
René Obermann legt die Telekom-Sparten Festnetz und Mobilfunk zusammen.

Restrukturierung

Telekom legt Sparten zusammen

  • schließen

Die Deutsche Telekom plant, führt und vermarktet bald aus einem Guss. Chef Obermann krempelt die Konzernstrukturen um. Was das für Kunden bedeutet, lässt sich erahnen. Von Frank-Thomas Wenzel

Bonn. Telekom-Chef René Obermann geht den nächsten Schritt: In Deutschland soll es künftig nur noch eine Gesellschaft für die Sparten Festnetz und Mobilfunk geben. Es werde künftig aus "einem Guss geplant, geführt und vermarktet", sagte Obermann auf der Hauptversammlung in Köln.

Was das für die Kunden bedeuten kann, lässt sich erahnen etwa beim G1-Google-Handy oder dem iPhone, beide Geräte vermarktet die Telekom bereits: Die Geräte lassen sich unterwegs mit UMTS-Technik nutzen, zu Hause aber auf WLAN umschalten. Bald soll es auch möglich sein, dass Nutzer beispielsweise ihre digitalen Fotoalben sowohl auf dem heimischen Rechner als auch via Fernseher und Handy anschauen können und an Freunde verschicken können. Zudem soll es demnächst für Kunden nur noch eine Rechnung für Mobilfunk und Festnetz und nur noch einen Ansprechpartner für alles geben.

"Wir wollen unseren Kunden in Zukunft noch mehr integrierte Produkte bieten. Dafür brauchen wir eine integrierte Führung dieser Bereiche", sagte Obermann.

Im Konzern, der noch zu knapp einem Drittel dem Bund gehört, wird in großem Stil umgekrempelt - der Aufsichtsrat hat den Umbauplan am Mittwochabend abgesegnet. In einer außerordentlichen Hauptversammlung soll noch in diesem Jahr die Verschmelzung der Tochter T-Mobile International mit der Mutter Deutsche Telekom beschlossen werden.

Für das fusionierte Deutschlandgeschäft ist künftig der Niederländer Niek Jan van Damme zuständig, der von der holländischen Mobilfunk-Tochter kam. Van Damme geht davon aus, dass die Integration beim Vertrieb etwa ein Jahr dauern wird. Mehr Zeit werde es in anderen Bereichen - etwa bei der Informationstechnologie - brauchen.

Ausbau der Marktposition

Die Telekom reagiert mit der Verschmelzung auf den technologischen Wandel - vor allem Internet und Mobilfunk wachsen zusammen. Es geht aber auch darum, auf neue Geschäftsmodelle der Konkurrenz zu reagieren, die bereits erste integrierte Produkte anbietet, etwa DSL plus Handyflatrate. Vodafone und die Festnetztochter Arcor sind schon fusioniert. Die spanische Telefonica vermarktet über ihre deutsche Mobilfunktochter O2 auch Breitbandanschlüsse. Für Branchenkenner ist klar, dass diesen Paketen, zu denen auch Fernsehen über Internet gehört, die Zukunft gehört.

Die Telekom will mit der Integration ihre Marktposition ausbauen. So sollen Festnetzkunden auch von Mobilfunkangeboten überzeugt werden. Gleichzeitig will der Vorstand Kosten drücken. Obermann machte aber klar: "Es ist kein Stellenabbauprogramm. Es geht um Kunden."

Beim Ausbau der Breitbandnetze in ländlichen Gebieten will´s Obermann hingegen weniger forsch angehen. Die Investitionen hierfür will der Konzernchef in diesem Jahr von 300 auf 200 Millionen zusammenstutzen. "Das ist bedauerlich für unsere Kunden. Aber es ist wirtschaftlich nicht anders machbar", betonte Obermann. Das ist die Retourkutsche auf die Absenkung des Entgelts für die Teilnehmeranschlussleitung (TAL) durch die Netzagentur. Die Telekom darf von ihren Konkurrenten für die Vermietung des letzten Stücks der Telefonleitung nur noch 10,20 Euro pro Anschluss und Monat verlangen. Bislang waren es 30 Cent mehr. Fast alle Wettbewerber sind auf die TAL angewiesen.

Offen ist, wie sich die Entscheidung der Telekom auf die Erschließung der sogenannten weißen Flecken beim Breitband auswirken wird. Konkurrenten stehen mit alternativen Technologien bereit: etwa Breitband über Funktechnologie. Und auch die Kabelnetzbetreiber wollen ihre Infrastruktur ausbauen. So kündigte Anfang der Woche der baden-württembergische Betreiber Kabel BW an, Internetanschlüsse bis zu einer Bandbreite von 100 Megabit auch auf dem platten Land zu offerieren - die Telekom hat bislang maximal 50 Megabit im Angebot, und zwar nur in Ballungsgebieten.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare