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Eher trüb sind die Aussichten für die Deutsche Telekom auf ihrem Heimatmarkt.

Gewinn sinkt

Telekom kämpft an vielen Fronten

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Der Bonner Telekom-Riese hofft auf einen erfolgreichen Verkauf der US-Tochter. Der Heimatmarkt präsentiert sich hingegen schwach. Der Betriebsgewinn der Telekom sinkt im ersten Quartal um knapp vier Prozent auf 4,1 Milliarden Euro.

Satte 2,4 Millionen neue Kunden in nur drei Monaten. Das ist eine stolze Zahl. Geschafft hat das die US-Mobilfunktochter der Deutschen Telekom. Konzernchef Tim Höttges ist darauf mächtig stolz: T-Mobile US habe damit stärker als AT&T und Verizon zugelegt – und die beiden Rivalen sind erheblich größer als der Ableger des Bonner Konzerns, der die Nummer vier auf dem US-Mobilfunkmarkt ist.

Doch dieser Erfolg wurde teuer erkauft. Er hat den Betriebsgewinn der Telekom im ersten Quartal um knapp vier Prozent auf 4,1 Milliarden Euro gedrückt. Die mit Abstand größte Tochter mit jetzt 49 Millionen Kunden ist also auch der größte Klotz am Bein des Ex-Monopolisten. Um attraktiver für die amerikanischen Kunden zu werden, wurde das Netz mit dem neuen Mobilfunkstandard LTE massiv ausgebaut, die Manager haben das Marketing forciert, und T-Mobile US bietet den Nutzern sehr günstige Konditionen.

Das alles kostet Milliarden. Da stellt sich die Frage: Wie lange hält die Telekom das noch durch? Fest steht, die Telekom will aus dem US-Geschäft aussteigen, und Höttges ist überzeugt: „Wir sind die Königsmacher.“ Gemeint ist damit: Wer T-Mobile kauft, hat gute Karten auf dem US-Markt.

Da gibt es auch schon einen Kandidaten. Branchenkenner gehen davon aus, dass Sprint, die Nummer drei, an einem 50 Milliarden Dollar starken Megadeal zur Übernahme des kleineren Rivalen arbeitet. Ob das klappt, ist allerdings fraglich. Die Kartellbehörden hätten Bedenken gegen eine Fusion, sagte Höttges, ohne Sprint ausdrücklich zu erwähnen.

Die Telekom könnte also auf dem Mobilfunker sitzen bleiben und müsste weitere Milliarden investieren, um nicht abgehängt zu werden. Denn die großen Konkurrenten schlafen nicht, sie kopierten mittlerweile teilweise die Angebote von T-Mobile, so Höttges. Zugleich sind jenseits des Atlantiks alle Anbieter damit beschäftigt, ihre Sende- und Empfangsanlagen immer leistungsfähiger zu machen, um den Kunden immer höhere Übertragungsgeschwindigkeiten fürs mobile Internet zu bieten.

Dies macht das Dilemma des Konzerns klar. Die Telekom tanzt auf vielen, vielleicht zu vielen Hochzeiten. Höttges muss sich noch immer mit dem Erbe der Boomphase von vor 15 Jahren herumschlagen, als der damalige Chef Ron Sommer auf großer Einkaufstour war.
Heute gilt es für die Telekom, sich auf dem Heimatmarkt im Festnetz gegen die harte Konkurrenz der Kabelnetzbetreiber zu behaupten. Wirklich voran gekommen ist sie da nicht. Die Zahl der schnellen Internetanschlüsse in Deutschland ging im ersten Quartal mit 12,3 Millionen im Vergleich zum Vorjahr leicht zurück.

Probleme bei T-Systems

Im Mobilfunk stieg die Zahl der Nutzer zwar um fast sechs Prozent auf rund 39 Millionen. Doch auch hier ist der Wettbewerb hart, zumal mit der geplanten Fusion der Konkurrenten E-Plus und O2 demnächst ein neuer Marktführer entstehen könnte. Auch viele europäische Auslandsgesellschaften haben zu kämpfen, mit ambitionierten Rivalen, aber auch mit Regulierungsbehörden, die beispielsweise Mobilfunk-Töchtern die Einnahmen für das Weiterleiten von Gesprächen zusammengestutzt haben. Besonders in Polen und in den Niederlanden laufe es nicht gut, betonte Höttges bei der Vorlage der Geschäftszahlen fürs erste Quartal am Donnerstag. „Da müssen wir nachlegen.“

Dann gibt es auch noch das sogenannte Systemgeschäft. Der IT-Dienstleister T-Systems wird umgekrempelt. Der Auftragseingang ist deshalb im ersten Quartal um mehr als ein Viertel eingebrochen. In ähnlicher Größenordnung schrumpfte auch der Betriebsgewinn, und zwar auf 81 Millionen Euro. Aus vielen nicht mehr lukrativen Geschäften zieht sich T-Systems zurück, die sich um Entwicklung, Betrieb und Wartung von Informations- und Kommunikationstechnik vor allem für große Konzerne kümmert.

Immerhin, die US-Offensive hat dem Konzern im Quartal ein Umsatzplus von acht Prozent auf 14,9 Milliarden Euro beschert. Der Nettogewinn stieg sogar auf 1,8 Milliarden Euro. Grund dafür war der Verkauf der Internetplattform Scout24. Kommentar

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