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Telekom-Chef Timotheus Höttges ist mit seinem Unternehmen sehr zufrieden. 

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Der große Ruck bleibt aus

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Die Telekom wächst, vor allem in den USA. Das Gesamtvolumen der Investitionen in Deutschland wird 2020 aber leicht rückläufig erwartet.

Telekom-Chef Tim Höttges sieht sein Unternehmen ganz vorne. „Unser Wachstumsprofil mit einer starken Präsenz auf beiden Seiten des Atlantiks zusammen mit unserer enormen Investitionskraft ist in der Branche einzigartig“, sagte er am Donnerstag bei der Präsentation der Geschäftszahlen für das vergangene Jahr. Der Bonner Konzern hat 2018 seinen Umsatz auf 75,7 Milliarden Euro gesteigert, wenn auch nur leicht. Zugleich wurde die Rekordsumme von 12,2 Milliarden Euro in Investitionen gesteckt. In diesem Jahr soll es sogar noch einmal etwa eine halbe Milliarde mehr werden. Und die Aktionäre werden mit einer Dividende von 70 Cent je Aktie verwöhnt, nach 65 Cent im Vorjahr. Davon werden nicht nur viele Privataktionäre profitieren, sondern vor allem der Bundesfinanzminister. Denn der Staat ist nach wie vor mit einem Anteil von knapp einem Drittel der mit Abstand größte Aktionär des Konzerns.

Beste Voraussetzungen also eigentlich, um die vielfach beklagten Funklöcher im Mobilfunk und die weißen Flecken bei schnellen Internetanschlüssen im Festnetz zu beseitigen. Im T-Geschäftsbericht heißt es denn auch, der „Investitionsschwerpunkt in den kommenden Jahren“ liege hierzulande auf der Netzinfrastruktur und dem Mobilfunk. Man setze auf schnelle Glasfaserkabel und wolle Lücken im Netz der ländlichen Gebiete schließen.

Doch den großen Ruck, auf den viele warten, wird es wohl nicht geben. Denn im Geschäftsbericht heißt es auch, das Gesamtvolumen der Investitionen in Deutschland werde „im Jahr 2019 stabil und im Jahr 2020 leicht rückläufig erwartet“. Von Insidern ist immer wieder zu hören, dass die Telekom es auf dem Heimatmarkt gelassen angehe, weil man eine gebremste Wettbewerbsintensität erwarte.

Der Hintergrund: Vodafone will den Kabelnetzbetreiber Unitymedia übernehmen. Damit würde das Unternehmen neben einem Mobilfunknetz auch über ein flächendeckendes Festnetz verfügen und auf Augenhöhe mit der Telekom kommen. Plausibel wäre dann, dass sich beide auf eine Art friedlicher Koexistenz verständigen, weil jeder dann so stark ist, dass er den anderen nicht niederringen kann.

Dabei steht die neue 5G-Technik vor der Tür, die den Mobilfunk revolutionieren soll. Doch bis Smartphones superschnell Daten empfangen und senden können, wird es hierzulande noch dauern. Das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Gartner etwa erwartet, dass frühestens 2026 ein 5G-Netz steht, das 90 Prozent der Bevölkerung erreichen kann. Und ob die Lizenzen fürs 5G-Funken wie geplant in den nächsten Wochen schon versteigert werden, steht in den Sternen. Die Telekom teilte am Donnerstag mit, dass man sich entschlossen habe – wie schon die beiden anderen Mobilfunknetzbetreiber Telefonica/O2 und Vodafone –, einen Eilantrag beim Kölner Verwaltungsgericht zu stellen. Stimmen die Richter dem zu, könnte sich der Versteigerung um mindestens ein Jahr verzögern. Nach Ansicht der Unternehmen sind die von der Bundesnetzagentur festgelegten Vergaberegeln unausgegoren, was unkalkulierbare finanzielle Risiken beim Ausbau der Netze insbesondere auf dem Land bringen könnte.

Viel erfreulicher sieht es für die Telekom in den USA aus. Die dortige Mobilfunktochter Tochter T-Mobile US wächst mit hohem Tempo. Ende 2018 hatte sie knapp 80 Millionen Kunden, was einem Plus von fast zehn Prozent binnen Jahresfrist entspricht. Der Ableger der Bonner ist damit aber nur die Nummer drei hinter Verizon und AT&T. Jenseits des Atlantiks spielt die Magenta-Marke die Rolle des frechen Herausforderers, der mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis gepunktet hat. Doch der Wettbewerbsdruck ist hart. Deshalb will die Telekom auch dort die Investitionen in diesem Jahr spürbar nach oben fahren – auf rund 4,8 Milliarden Euro.

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