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Für den Verkauf des US-Mobilgeschäfts erntet die Telekom viel Lob.

Verkauf von T-Mobile USA

Telekom füllt die Kasse

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Der Konzern trennt sich von T-Mobile USA. Obwohl die US-Mobilfunktochter mit zuletzt rund 16 Milliarden Euro für ein Viertel des Konzernumsatzes steht, gilt die Trennung als "gute Lösung". Die Einnahmen sollen Raum für Investitionen schaffen

Soviel Lob gab es selten für eine Entscheidung der Telekom. Börsianer und Analysten sprachen von „einer guten Lösung“, von „neuer Zuversicht“ und einer „Riesen-Erleichterung“. Der Konzern trennt sich von seiner Mobilfunktochter T-Mobile USA, die mit zuletzt rund 16 Milliarden Euro für ein Viertel des Konzernumsatzes steht. Damit verlieren die Bonner zugleich den Titel des Europameisters unter den Telekomkonzernen - legt man den Umsatz zu Grunde. Die spanische Telefonica ist jetzt die Nummer eins auf dem Alten Kontinent. Auch Vodafone setzt mehr um. Gleichwohl griffen die Anleger so beherzt wie lange nicht mehr bei der Telekom-Aktie zu. Sie schoss am Montag in den ersten Handelsminuten um fast 16 Prozent in die Höhe. Am späten Nachmittag war das Papier noch mit mehr als 13 Prozent im Plus.

Zwei Faktoren sind entscheidend für die Euphorie. Erstens der Preis, der höher ausfiel als von Branchenkennern erwartet und zweitens die neuen Perspektiven: „Es war der richtige Schritt, der Baustelle USA den Rücken zu kehren und dabei auch noch eine hohe Abfindung zu kassieren“, sagte Jan Christan Göhmann, Analyst der NordLB dieser Zeitung. Die Telekom erhält umgerechnet rund 28 Milliarden Euro für den Verkauf, davon 18 Milliarden in bar.

US-Engagement war immer umstritten

Der damalige Konzernchef Ron Sommer hatte im Jahr 2000 die Übernahme der US-Mobilfunker Voicestream und Powertel eingefädelt. Rund 40 Milliarden Euro war der Deal seinerzeit schwer. Er sah enormes Potenzial für die US-Töchter, obwohl sie von Anfang an zu den kleineren Anbietern zählten. Das bald in T-Mobile USA umfirmierte Unternehmen machte anfangs heftige Verluste, zwischenzeitlich wurde es zwar zum „Wachstumsmotor“ des Konzerns. Doch zuletzt rutsche T-Mobile wieder in die roten Zahlen, der Umsatz brach weg.

Die Telekom hatte es versäumt, die Netze rechtzeitig auszubauen, deshalb liefen die Kunden davon. Das US-Engagement war immer umstritten. Regelmäßig gab es heftige Kritik auf Hauptversammlungen, unter anderem von Klaus Kaldemorgen, Chef der DWS, der Fondsgesellschaft der Deutschen Bank. Gestern gab es Applaus von der DWS. Der Verkauf sei der richtige Schritt. „Denn das US-Engagement ist ein Geschäft mit sehr hohen Risiken“, sagte Fondsmanager Henning Gebhardt dieser Zeitung. Der Wettbewerb in den Staaten ist hart, zugleich waren für T-Mobile USA riesige Investitionen nötig. Mit acht Milliarden Euro wurde in der Branche kalkuliert, auch jenseits des Atlantiks kann nur mithalten, wer eine gute die Infrastruktur fürs mobile Internet liefert.

Konzernchef René Obermann hat nun die Notbremse gezogen und ist ausgestiegen. Für Gebhardt kommt es nun alles auf die „langfristige Strategie der Telekom an.“ Göhmann betont: „Die Telekom kann nun endlich verstärkt in die Wachstumsmärkte in Südosteuropa und in Zukunftstechnologien investieren.“

Mächtige Gegner

Der Konzern hat Töchter unter anderem in Griechenland, Ungarn oder Kroatien. Dort sind insbesondere die Märkte fürs mobile Internet noch längst nicht so stark entwickelt, wie in Deutschland oder Frankreich. Aber auch hierzulande gibt es einiges zu tun. Bei LTE, der neuen Übertragungstechnik für Smartphones, beginnt gerade der Kampf um die Kunden. Die Telekom hat es mit mächtigen Gegnern zu tun, mit Vodafone und der Telefonica-Tocher O2. Im guten alten Festnetzgeschäft machen Kabelnetzbetreiber dem Konzern zunehmend das Leben schwer. Hier setzt die Telekom auf superschnelle Glasfaserleitungen, die bis zum Haus geführt werden sollen. Das ist ein Zukunftsmarkt, der ungeheure Investitionen verlangt. Zugleich hat Obermann bereits im Frühjahr 2010 angekündigt, dass sich sein Unternehmen verstärkt um neue Geschäftsfelder kümmern will: Dazu zählt die IT-Infrastruktur für intelligente Stromnetze oder Telemedizin. Die Voraussetzung für Investitionen will der Vorstand dadurch schaffen, dass 13 Milliarden vom Erlös des Verkaufs zum Zurückzahlen von Schulden genutzt werden. Die Nettoverschuldung sinke damit um 31 Prozent. Dies wiederum bringt dem Konzern bei der künftigen Aufnahme neuer Kredite günstigere Konditionen. Weitere fünf Milliarden sind für den Rückkauf eigener Aktien geplant.

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