E-Mobilität

Telekom baut Ladestellen auf

Der Konzern will unter anderem Telefonsäulen für E-Autos aufrüsten.

Unscheinbar stehen sie am Straßenrand – die großen, grauen Kästen, die Telefon- und Internetsignale in die Haushalte verteilen. Multifunktionsgehäuse, kurz MFG, heißen sie offiziell. Nun bekommen sie noch eine weitere Funktion: als Ladesäule für Elektroautos. Auch öffentliche Telefonsäulen will die Telekom für ihren Einstieg in das E-Tankstellengeschäft nutzen.

„Wir versuchen, die Infrastruktur, die wir haben, dem Kunden nutzbar zu machen. Einerseits, wegen der Nachhaltigkeit, andererseits um einen wirtschaftlichen Erfolg daraus zu ziehen“, sagte Bruno Jacobfeuerborn dem WDR. Er ist der Geschäftsführer der neugegründeten Telekom-Tochter Comfort Charge, die die E-Ladestationen betreibt.

Dabei will die Telekom bundesweit zwei verschiedene Varianten anbieten: Die MFG haben eine eigene Stromversorgung und eine Messstelle, weshalb sie sich mit geringem Aufwand aufrüsten lassen. An ihnen können zwei Fahrzeuge gleichzeitig elf Kilowatt laden – je nach Fahrzeugtyp sind das pro Stunde genug Energie für bis zu 75 Kilometer. Unabhängig von der bereits vorhandenen Infrastruktur entstehen außerdem Schnellladestationen, an denen innerhalb von zehn Minuten ausreichend Strom für 100 Kilometer getankt werden kann.

Verteilerkästen nutzen

Die Telekom hat sechs Prototypen in Betrieb genommen: Drei aufgerüstete Verteilerkästen in Darmstadt sowie einen weiteren in Bonn, wo auch der erste Schnelllader aufgebaut wurde. Dort wurde außerdem eine öffentliche Telefonstelle zur Ladesäule befördert. Es werde sicher noch die ein oder andere Telefonsäule, von denen es bundesweit noch 20.000 gibt, aufgerüstet, sagte eine Telekom-Sprecherin. Doch sie werden in der Minderzahl bleiben und notfalls dort eingesetzt, wo MFG als Stromquelle nicht in Frage kommen.

In einer Machbarkeitsstudie hatte die Telekom ermittelt, dass etwa 10.000 der insgesamt 380.000 Verteilerkästen im Bundesgebiet in Frage kommen könnten. Wie viele aufgerüstet werden, lässt sich laut der Telekom-Sprecherin allerdings noch nicht voraussagen. Denn dafür müssen sich die Kästen an einer Straße und in der Nähe von mindestens zwei Parkplätzen befinden. Ebenfalls unklar ist, wann und wo die nächsten „grauen Kästen“ aufgerüstet werden. Denn weil die MFG vor allem auf öffentlichem Grund stehen, ist die Telekom auf die Genehmigungsverfahren der Kommunen angewiesen.

Anders verhält es sich bei den Schnell-Ladestationen: Sie werden ausschließlich auf Grundstücken gebaut, die der Telekom gehören. Hier wittert der Konzern eine Marktlücke. Denn mit Ionity, einem Zusammenschluss von Automobilherstellern, gibt es nur einen weiteren Anbieter für schnelles Laden – allerdings nicht in den Städten, wo die Telekom ihre High-Speed-Lader hauptsächlich aufbauen wird. Deshalb gibt der Konzern Gas: In drei Jahren will er 500 Schnell-Lader betreiben, in diesem Jahr werden noch 100 Stück aufgebaut. Um die Ladesysteme nutzen zu können, müssen Autofahrer nicht Kunde der Telekom sein.

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