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Ein Baumhaus wird von Einsatzkräften auf den Boden geholt.

Hambacher Forst

Tausende protestieren für den Hambacher Forst

Demonstrationen von Umweltschützern können die Räumung des Hambacher Forsts nicht stoppen. Aber der Einsatz bringe die Polizei insgesamt "an die Grenzen ihrer Belastbarkeit", sagt die Deutsche Polizeigewerkschaft.

Demonstrationen von mehreren tausend Umweltschützern und ein spektakuläres Versteck von Braunkohlegegnern tief unter der Erde haben die Räumung des Hambacher Forstes zum Zwecke des Kohleabbaus am Wochenende nicht stoppen können. Doch sie erschwerten die Arbeit erheblich. Seit Samstag wurden nach Polizeiangaben Dutzende Braunkohlegegner vorübergehend festgenommen oder in Gewahrsam genommen. Viele kamen aber wieder auf freien Fuß.

Tausende Umweltschützer aus zahlreichen Regionen demonstrierten am Sonntag gegen die geplante Rodung des uralten Waldes westlich von Köln und forderten einen schnellen Ausstieg aus der Kohleverstromung. Sie riefen immer wieder Parolen wie „Hambi bleibt“ oder „Kettensägen raus aus dem Wald“. Immer mehr Menschen strömten auf unterschiedlichen Wegen hinzu. 

Tausende protestieren friedlich

Der Protest verlief überwiegend friedlich. Die Polizei sprach von mehr als 4000 Demonstranten, die verschiedenen Aktivistengruppen von 5000 bis zu 9000 Teilnehmern. Die Demonstranten liefen über Äcker und Wege am Rande des Forstes. Einige trugen junge Bäume mit sich, die sie in bereits gerodetem Gebiet anpflanzen wollten. 

Der Wald, in dem Einsatzkräfte weiter Baumhäuser der Umweltaktivisten räumten, ist abgesperrt. Die Polizei war am Wochenende mit viel Personal, Wasserwerfer, Räumpanzer, Reiterstaffel und Hundeführern vor Ort. Trotzdem gelang es Aktivisten, die Sperre zu durchbrechen. Es kam zu Gerangel mit Polizeibeamten und Verfolgungsjagden. Wer durchzubrechen versuchte und dabei erwischt wurde, wurde nicht zimperlich behandelt. Er wurde niedergeworfen und mit Kabelbindern gefesselt. In ruhigeren Phasen gab es aber auch Diskussionen zwischen Polizisten und Demonstranten. 

Aus Protest gegen den Absperrriegel vor dem Wald organisierten die Demonstranten am Samstag eine Sitzblockade. Diese hatte zur Folge, dass die Polizeifahrzeuge nicht mehr von einem Ende des Waldes zum anderen fahren konnten. Rund um den Wald hat die Polizei die Zugangsmöglichkeiten auch für Lebensmitteltransporte verschärft, berichten Kohlegegner. Selbst Trinkwasser in größeren Mengen werde nicht mehr hereingelassen. „Die versuchen uns auszuhungern.“ 

Nach einem stundenlangen Einsatz drang die Grubenwehr Herne am frühen Sonntagmorgen zu zwei in einem selbstgebauten Schacht verschanzten Aktivisten vor. Die beiden Männer hätten den instabilen und einsturzgefährdeten Schacht schließlich nach einem Appell des Notarztes freiwillig verlassen, sagte ein Sprecher der Feuerwehr Kerpen.

In dem elf Meter tiefen Schacht mit zwei Kammern sei eine lebensbedrohlich hohe Kohlenstoffdioxid-Konzentration gemessen worden. Rettungskräfte hatten seit Samstag Luft in den Schacht gepumpt. Beide Aktivisten wurden medizinisch versorgt. Sie hatten laut Feuerwehr drei Tage in den unterirdischen Kammern ausgeharrt und Vorräte bei sich gehabt.

Die Polizei beendete am Samstag nach mehreren Stunden die Blockade von Baggern und zwei Förderbändern in dem zum Energiekonzern RWE gehörenden Braunkohlekraftwerk Niederaußem in der Nähe des Hambacher Forstes. Der Betrieb des Kraftwerks wurde durch die Aktion der Braunkohlegegner zeitweise behindert. RWE will im Herbst weite Teile des Hambacher Forstes abholzen, um weiter Braunkohle baggern zu können. Der Wald gilt als Symbol des Widerstands gegen die Kohle und die damit verbundene Klimabelastung. Seit Beginn des Einsatzes am Donnerstag seien etwa 18 Behausungen geräumt und teilweise beseitigt worden, sagte eine Sprecherin der Polizei Aachen.

Der Einsatz im Hambacher Forst bringe die Polizei insgesamt „an die Grenzen ihrer Belastbarkeit“, erklärte die Deutsche Polizeigewerkschaft. „Dabei schieben wir bereits Millionen Überstunden vor uns her“, sagte der Landesvorsitzende Erich Rettinghaus. Andere polizeiliche Aufgaben müssen derzeit in allen Bereichen zwangsläufig vernachlässigt werden. dpa/FR 

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