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Thyssen-Krupp Stahlwerk Schwelgern: Die Stahlsparte soll fusioniert werden.

Thyssen-Krupp

Taumelnde Industrie-Ikone

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Der Gewinn von Thyssen-Krupp fällt schlechter aus als erwartet. Viele Probleme müssen gelöst werden. Dafür bräuchte es klare Führung, doch auch die Personalquerelen gehen weiter.

Nur eins ist sicher bei Thyssen-Krupp: Der Essener Konzern – gerne als Industrie-Ikone tituliert – kommt auf absehbare Zeit nicht zur Ruhe. Nicht nur weil es in fast allen Sparten des Unternehmens klemmt. Die geplante Aufspaltung von Thyssen-Krupp wird riesige Kosten verursachen. Und die Personalquerelen werden weitergehen.

Seit Monaten wird ein neuer Aufsichtsratschef gesucht. Viele namhafte Manager wurden gefragt und haben dankend abgewinkt. Bodo Uebber, Noch-Finanzchef bei Daimler, ist zwar bereit, den Job zu machen. Doch das Kontrollgremium ist bei dieser Personalie zerstritten. Arbeitnehmervertreter stören sich offenbar daran, dass Uebber sofort an die Spitze des Aufsichtsrats wechseln und dass er einen kräftigen Aufschlag seines Salärs im Vergleich zu seinen Vorgängern gefordert haben soll. Von 400.000 Euro pro Jahr ist die Rede.

Dabei kann Thyssen-Krupp einen starken Oberkontrolleur mehr denn je gut gebrauchen. Die Geschäfte laufen derzeit eher durchwachsen. Zweimal musste die Gewinnprognose in jüngerer Zeit gesenkt werden. Der Profit fiel im abgelaufenen Geschäftsjahr (per Ende September) mit 60 Millionen Euro noch einmal deutlich geringer aus als die zuletzt prognostizierten 100 Millionen Euro. Von den 271 Millionen Euro des Vorjahres ist er ohnehin meilenweit entfernt. Zuletzt kam noch hinzu, dass Geld wegen eines Kartellverfahrens zur Seite gelegt werden musste.

Ansonsten machen vor allem in den beiden enorm wichtigen Geschäften mit Aufzügen und der Zulieferung für die Autoindustrie gestiegene Kosten für Material und Vorprodukte zu schaffen. Qualitätsprobleme in der Fertigung der Kfz-Komponenten und ungünstige Wechselkurse kommen hinzu. Nur das frühere Kerngeschäft mit Stahl steigerte den Gewinn deutlich, weil höhere Preise bei der Kundschaft, zu denen just Automobilzulieferer gehören, durchgesetzt werden konnten.

Der neue Konzernchef Guido Kerkhoff versprach am Mittwoch Besserung. Mit den Managern aller Sparten seien für das neue Geschäftsjahr Ziele vereinbart, um Kosten zu drücken und Renditen zu steigern. Der Gewinn aus der betrieblichen Tätigkeit soll ohne Berücksichtigung von Sonderposten, Zinsen und Steuern um fast ein Drittel auf rund eine Milliarde Euro gesteigert werden. Dabei wird das Stahlgeschäft nicht mehr mitberechnet. Denn Thyssen-Krupp will es in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem indischen Industriegiganten Tata einbringen, um Europas zweitgrößten Stahlkocher zu formen. Allerdings schauen sich die Wettbewerbshüter den Deal gerade ganz genau an.

Nächstes Jahr wird Thyssen-Krupp jedenfalls gute Zahlen gut gebrauchen können. Denn in den kommenden zwölf Monaten wird eine Riesenrechnung für die nicht ganz freiwillige Selbstzerlegung des Konzerns anfallen. Das Management spricht nach vorläufigen Berechnungen von „einem höheren dreistelligen Millionen-Euro-Betrag“. Experten der HSBC-Bank gehen sogar von rund einer Milliarde Euro aus. Zum 1. Oktober 2019 sollen aus Thyssen-Krupp zwei weitgehend selbstständige Unternehmen werden. Eins, das sich um Aufzüge, Auto-Komponenten und den Bau von Großanlagen kümmert. Und eins, das im Werkstoff- und Grundstoffhandel aktiv ist sowie Schiffe und Hightech-U-Boote fürs Militär baut – nebst der gemeinsamen Stahlproduktion mit Tata.

Zwei Großaktionäre, die Finanzinvestoren Cevian (Schweden) und Elliott (USA), haben die Spaltung mit massivem Druck durchgesetzt. Deren Grundidee ist, dass die Einzelteile des Unternehmens mehr wert sind als der traditionsreiche Ruhrpottkonzern als Ganzes. Das Duo sieht große Potenziale vor allem im Geschäft mit Aufzügen und Fahrtreppen – diese werden in Hochhäusern, Einkaufszentren und Flughäfen in schnell wachsenden Städten und Schwellenländern in großer Zahl gebraucht. Lange Zeit hielten die Arbeitnehmervertreter zusammen mit Vorstandschef Heinrich Hiesinger und Aufsichtsratsboss Ulrich Lehner dagegen. Doch im Juli gaben beide auf und traten zurück. Von Psychoterror war damals die Rede und hinter vorgehaltener Hand auch davon, dass es an Unterstützung durch die Krupp-Stiftung gemangelt habe. Die Stiftung soll als größte Aktionärin eigentlich darüber wachen, dass Thyssen-Krupp als Ganzes erhalten bleibt. Die im Konzern starken Arbeitnehmervertreter willigten ein, als ihnen Job-Garantien gemacht wurden.

Kerkhoff wurde zunächst zum Interimsnachfolger von Hiesinger ernannt und erreichte mit seiner Idee der Zweiteilung einen Kompromiss, den auch Cevian und Elliott akzeptiert haben. Die Frage ist: Wie lange hält der Waffenstillstand? Die beiden aktivistischen Aktionäre wollen schnell bessere Zahlen sehen. Kerkhoff versuchte am Mittwoch für gute Stimmung zu sorgen: Die Teilung erlaube es beiden Unternehmen, unabhängiger, schneller und zielgerichteter auf Kunden und Märkte zu reagieren, sagte er. Zumindest kurzfristig haben die Ansagen des Vorstandschefs gefruchtet, die Aktie des Mischkonzerns legte am Donnerstag zeitweise fast drei Prozent zu. Doch damit wurden die Einbußen der vergangenen zwölf Monate – rund 27 Prozent – nur geringfügig kompensiert.

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