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Der Storch bringt weder die Kinder noch das Baukindergeld. Wie zumindest Letzteres wirklich funktioniert, erklären wir in unserem Text.

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Für wen taugt das Baukindergeld?

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Die FR erklärt, wer Anspruch hat und wie und wann die Förderung beantragt werden kann.

Bauminister Horst Seehofer (CDU) hat das gerade neu eingeführte Baukindergeld im Bundestag schon als „einen großartigen Erfolg“ bezeichnet. Innerhalb weniger Tage seien bereits mehr als 10.000 Anträge eingegangen. Mittlerweile sind es laut Förderbank KfW noch einmal tausend mehr. Mit dem staatlichen Zuschuss will die große Koalition Eltern mit Kindern zu Eigentum verhelfen. „Dadurch wird nicht eine bezahlbare Wohnung mehr geschaffen“, sagt hingegen Chris Kühn, Grünen-Sprecher für Wohnungspolitik im Bundestag. Das Fördergeld hat Fürsprecher und Gegner zugleich. Wir erklären, für wen es sich eignet und wie die Fördersumme zu bekommen ist. 
 
Wer hat Anspruch?
Die erste Voraussetzung ist, Vater oder Mutter von mindestens einem Kind zu sein. So haben nicht nur Ehepaare mit Kindern Anspruch auf das Fördergeld, sondern gleichberechtigt auch Alleinerziehende, Lebenspartner, die nicht in einer Ehe leben, oder Partner aus einer eheähnlichen Gemeinschaft. Weiter greifen allerdings ein paar Einschränkungen: Das Baukindergeld ist explizit auf Eltern mit Kindern  ausgelegt, was bedeutet, dass mindestens ein Kind mit im Haushalt leben muss, das jünger als 18 Jahre ist und für das der Antragsteller oder der Partner kindergeldberechtigt ist.

Darüber hinaus kann die Förderung nur für die erste Immobilie beantragt werden. Der Bundesverband Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass das auch dann gilt, wenn eine Immobilie geerbt oder geschenkt wurde, selbst dann, wenn der Antragsteller nur mit einem Anteil zusammen mit anderen an einer Immobilie im Grundbuch steht. Das gleiche gilt für den Partner des Antragstellers. 

Die dritte wichtige Einschränkung bezieht sich auf eine maximale Einkommensgrenze, bis zu der das Fördergeld ausgezahlt wird. Anspruch hat, wessen zu versteuerndes Jahreshaushaltseinkommen bei einem Kind maximal 90.000 Euro beträgt, bei jedem weiteren Kind erhöht sich die Grenze um 15.000 Euro. 
 
Wie wird das maximale Haushaltseinkommen berechnet? 
Zum Haushaltseinkommen zählen die Einkünfte beider Partner, nicht nur die des Antragstellers. Zugrunde gelegt werden die durchschnittlichen zu versteuernden Einkommen des zweiten und dritten Jahres vor Antragseingang. Wird der Antrag im Jahr 2018 gestellt, müssen also die Einkünfte beider Partner aus den Jahren 2015 und 2016 zusammenaddiert und anschließend durch zwei geteilt werden. Auch Einkünfte aus freien Tätigkeiten zählen dazu. 
Die bundeseigene Förderbank KfW, die das Baukindergeld gewährt, bietet auf ihrer Webseite einen Vorab-Check, mit dem Eltern klären können, ob Anspruch besteht.
 
Wie müssen Familien konkret vorgehen?
Auf derselben Webseite (KfW.de/baukindergeld) lässt sich schließlich der Antrag stellen. Die KfW weist darauf hin, dass Anträge erst gestellt werden können, nachdem man in die neue Immobilie eingezogen ist. Denn neben den Einkommenssteuerbescheiden und dem Grundbuchauszug, wird auch die Meldebestätigung des neuen Wohnsitzes als Nachweis verlangt. Erst dann läuft die Prüfung seitens der KfW an, ob der Zuschuss gezahlt wird, oder nicht. Somit handelt es sich nicht um eine Förderung der Anfangsfinanzierung, das Baukindergeld eignet sich vielmehr, Kredite abzubezahlen, nachdem diese längst in Anspruch genommen worden sind.
 
Wie viel Zuschuss gibt es?
Je mehr Kinder mit im Haushalt wohnen, desto mehr wird bezuschusst. Pro Kind gibt es insgesamt eine Förderung in Höhe von 12.000 Euro. Bei zwei Kindern steigt diese auf 24.000 Euro, bei vier Kindern auf 48.000 Euro. Die Auszahlung, unabhängig von der Förderhöhe, wird über zehn Jahre gestreckt. Jährlich werden 1200 Euro pro Kind ausgezahlt. Die volle Förderung erhält allerdings nur, wer ununterbrochen in der Immobilie wohnt. Steht nach fünf Jahren beispielsweise ein Auszug aufgrund eines Wohnortwechsels oder einer Trennung an, wird die restliche Förderung eingestellt. 

Die Auszahlung soll laut KfW frühestens ab März 2019 starten. Ein Rechtsanspruch besteht allerdings nicht. Im Haushaltsetat 2019 sind 570 Millionen Euro dafür vorgesehen. Sind die Bundesmittel aufgebraucht, stehen die Chancen auf Förderung schlecht. Das Baukindergeld kann darüber hinaus mit anderen Zuschüssen kombiniert werden. Die gesamte Förderhöhe mehrerer Instrumente darf nur nicht höher sein als die Kosten für den Neubau oder den Kauf der Immobilie.

Fazit: Was taugt das Förderinstrument?
Kritiker bemängeln in erster Linie, dass die Förderung ihren eigentlichen Zweck verfehlen würde, nämlich den, auch weniger finanzkräftigen Familien Wohneigentum zu ermöglichen. Nach einer Befragung des Portals elterngeld.de, nehmen das Baukindergeld nur diejenigen in Anspruch, die sowieso bauen wollen. Gerade einmal neun Prozent gaben außerdem an, sich nur mithilfe des Baukindergelds ein Eigenheim leisten zu können. Die Mehrheit wolle den staatlichen Zuschuss vielmehr dafür nutzen, Kredite zügiger zu tilgen oder sich mehr Quadratmeter an Wohnraum zuzulegen als ursprünglich geplant. 

Der Deutsche Mieterbund warnt außerdem, dass Preissteigerungen die Folge von wachsender Nachfrage auf dem Immobilienmarkt sein können. „Es entstehen keine neuen Wohnungen, stattdessen wird die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen angeheizt und die Preise steigen“, so der Deutsche Mieterbund. 

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