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Immer mehr Fitnessstudios stellen sich auf Pendler und Gelegenheitssportler ein.

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Das taugen die neuen Fitness-Flatrates

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Mit Fitness-Flatrates können Kunden flexibel zwischen Sportangeboten und Fitnessstudios wählen. Interessant sind die Angebote besonders für Pendler und Gelegenheitssportler.

Der alljährliche Run auf die Fitnessstudios hat begonnen. Im Januar schließen besonders viele Menschen einen Vertrag bei einer Fitnesskette ab – wohl von der Motivation getrieben, die guten Vorsätze für das neue Jahr einzuhalten. Eine relativ neue Option ist es, eine sogenannte Fitness-Flatrate zu buchen. Vor einigen Jahren etablierten sich die ersten Start-ups, die Flatrates für den Sportbereich auf den Markt brachten. Dabei geht es nicht vorrangig darum, unendlich oft zu trainieren, sondern flexibel zwischen Sportangeboten und Fitnessstudios wechseln zu können.

Bei einer traditionellen Mitgliedschaft  ist man meistens an ein Studio in einem Stadtteil gebunden, es sei denn man zahlt einen Aufpreis. Davon verabschieden sich Anbieter wie My Fitness Card, Daytraining oder Urban Sports Club. Vielmehr heißt es: Flexibilität steht im Vordergrund, egal wo, was und wie oft trainiert wird.

Die Anbieter kooperieren dabei in Großstädten mit kleinen und großen Fitnessbetrieben. Kunden können mit einer Anmeldung deutschlandweit in mehreren Städten hunderte Sportangebote nutzen. My Fitness Card kooperiert unter anderem mit dem Fitness-First-Unternehmen. Neben Studios zählen zu den Partnern oft auch Outdoor-Kurse, Schwimm- und Kletterhallen oder Yogastudios und in den Premiumvarianten Spa-Anwendungen.

„Mitglieder sind örtlich komplett ungebunden“, erklärt Patrick Gruhn von Urban Sports Club. Nach Feierabend kann ein Studio in der Nähe vom Büro aufgesucht werden, am Wochenende eines, das gut von Zuhause erreichbar ist und schließlich haben Pendler den Vorteil, mit nur einer Mitgliedschaft in mehreren Städten trainieren zu können. Eine App auf dem Smartphone funktioniert als digitale Mitgliedskarte, mit der am Partnerstandort eingecheckt wird.

„Unser Ziel ist es, Mitglieder über ein vielfältiges Angebot zum Sport zu motivieren“, sagt Gruhn. „Man muss sich nicht auf eine Sache festlegen, sondern kann auch Neues ausprobieren. Man entdeckt Sportarten wie Bouldern oder Capoeira, zu denen der erste Schritt dank der Mitgliedschaft um einiges erleichtert wird.“ Das Berliner Start-up wurde 2012 gegründet und hat nach eigenen Angaben mittlerweile eine fünfstellige Mitgliederzahl.

Ein wenig kritisch betrachtet der Sportwissenschaftler Ingo Froboese von der Deutschen Sporthochschule Köln die Fitnessplattformen. „Es ist eine Möglichkeit, um leicht neue Sportarten kennenzulernen. Einen nachhaltigen Trainingseffekt erhält aber nur, wer kontinuierlich an einer Sportart dranbleibt und nicht ständig wechselt“, so Froboese. Er empfiehlt, sich auf ein, zwei Sportarten zu beschränken. So sei auch die Wahrscheinlichkeit höher, durchzuhalten und positive Trainingseffekte zu erzielen. Konzentriert man sich allein auf eine Sportart, lohnt sich eine Flatrate vom Preis allerdings eher weniger.

Die Preise sind danach gestaffelt, wie oft in ein Studio oder in einen Kurs monatlich eingecheckt werden darf oder wie viele Studios und Kurse in dem Paket enthalten sind. Eine S-Mitgliedschaft bei Urban Sports Club etwa erlaubt vier Trainingseinheiten im Monat bei allein 133 Anbietern in Berlin und kostet 29 Euro monatlich. Das volle Programm mit drei Mal so vielen Sportangeboten und zum Teil unbegrenzten Zugängen pro Monat kostet 99 Euro. Eine Einschränkung: Mehrere Check-ins am Tag in ein Studio sind nicht möglich. Der Anbieter My Fitness Card begrenzt bei den günstigeren Tarifen auch die Anzahl, wie oft in einem Monat in ein und dasselbe Studio eingecheckt werden darf – die Nutzer sind zum Wechseln angehalten.

Zum Vergleich: Der monatliche Durchschnittspreis einer Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio liegt in Deutschland laut dem Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen (DSSV) bei Einzelbetrieben bei rund 52 Euro, bei Kettenbetrieben bei 34 Euro und bei Mikrobetrieben mit intensiverer Trainingsbetreuung bei rund 66 Euro. Ein Limit der Besuche pro Monat gibt es hier nicht.

Die Kündigungsfristen und Vertragslaufzeiten der Flatrates sind hingegen um einiges kürzer als bei den Ein- oder Zweijahresverträgen der Fitnessstudios. Sie liegen bei den meisten Anbietern bei nur einem Monat. My Fitness Card erlaubt eine monatliche Kündigung mit nur einer Frist von einem Tag vor Monatsende.

„Das Flatrate-Modell befindet sich noch in den Kinderschuhen, die allermeisten schließen eine Mitgliedschaft bei einem einzelnen Studio ab“, sagt Dustin Tusch, Sprecher vom DSSV. Ein wachsender Markt sei es aber durchaus – zumindest für Großstädte. „Das Konzept ist auf Ballungsräume ausgelegt, wo das Anbieternetz relativ eng geknüpft ist“, sagt Tusch. Auf dem Dorf oder in der Kleinstadt mit vielleicht nur einem Fitnessstudio in der näheren Umgebung mache eine Flatrate verständlicherweise weniger Sinn.

Grundsätzlich wird es wohl auch 2018 ein Wachstum im Fitnesssegment geben. „Sowohl die Zahl der stationären Fitnessstudios als auch die Zahl der Mitglieder wächst seit dem Bestehen der Branche“, sagt Tusch. Mehr als zehn Millionen Menschen trainieren in einem der mehr als 8600 Fitnessstudios in Deutschland. „Wir gehen davon aus, dass sich bis 2020 die Zahl der Mitglieder auf zwölf Millionen erhöhen wird“, so der Experte.

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