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„Taschengeld ist wichtig“

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Von: Nina Luttmer

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„Es wäre wichtig, dass in den Schulen mehr Finanzkompetenz vermittelt wird.“
„Es wäre wichtig, dass in den Schulen mehr Finanzkompetenz vermittelt wird.“ © Christin Klose/dpa

Finanzexpertin Josephine Holzhäuser spricht im Interview über falsche und empfehlenswerte Produkte zur Geldanlage für Kinder – und wie Eltern dem Nachwuchs das Sparen beibringen können.

Am 28. Oktober ist Weltspartag. Anlässlich dieses Tages bietet Josephine Holzhäuser, Referentin für Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, ein Webseminar für Eltern und Großeltern an, wie sie am besten für den Nachwuchs sparen können. Im Interview erläutert sie ihre Tipps.

Frau Holzhäuser, viele Eltern und Großeltern wollen Geld für ihre Kinder und Enkel anlegen. Welche Produkte bieten die Finanzinstitute ihnen denn so an?

Ich möchte kurz einen Schritt zurückgehen und erklären, warum uns als Verbraucherzentrale die Aufklärung darüber gerade zum Weltspartag wichtig ist. Dieser Tag wurde ja einst von den Sparkassen ins Leben gerufen - und seitdem nutzen Kreditinstitute ihn, um Menschen mit diversen Angeboten in die Filialen zu locken. Unsere Erfahrung damit ist, dass dann meist reine Verkaufsgespräche geführt werden und die Beratung oft überhaupt nicht bedarfsgerecht ist. Wichtig ist daher, dass Eltern oder Großeltern sich vor dem Gang in die Filiale selbst einige Fragen beantworten.

Es sind drei wichtige Fragen. Erstens: Wie lang ist der Anlagehorizont? Zweitens: Wie flexibel soll das Geld angelegt werden [..] Und drittens: Wie risikobereit ist man?

Josephine Holzhäuser

Und die wären?

Es sind drei wichtige Fragen. Erstens: Wie lang ist der Anlagehorizont? Zweitens: Wie flexibel soll das Geld angelegt werden – kann es also über Jahre fest angelegt sein, oder braucht man zwischendurch etwas davon? Und drittens: Wie risikobereit ist man? Die meisten Erwachsenen wollen den Kindern einen guten Start ins Erwachsenenleben ermöglichen, also etwa sparen, damit die Kinder nach der Schule ein Auslandsjahr machen oder sich ein Auto kaufen können. Die Kreditinstitute bieten aber leider häufig Produkte an, die an diesen Wünschen vorbeigehen.

Von welchen Produkten sprechen Sie da?

Es geht oft um Versicherungsprodukte. Die Finanzdienstleister geben ihnen spezielle Namen wie Ausbildungs- oder Kinderpolice, so dass es wirkt, als seien sie für den speziellen Bedarf von Kindern maßgeschneidert. Dabei sind es ganz klassische kapitalbildende Lebensversicherungen. Die haben aber sehr hohe Abschluss- und Verwaltungskosten. Neben der Geldanlage für das Kind handelt es sich zusätzlich auch um Todesfallabsicherungen für Eltern oder Großeltern, die ja meist die Versicherungsnehmer sind. Solche Kombiprodukte sind niemals ratsam. Das Todesfallrisiko etwa sollten Erwachsene besser separat über eine Risikolebensversicherung abdecken.

Welche anderen Versicherungsprodukte werden Eltern und Großeltern noch angeboten?

Private Rentenversicherungen oder sogenannte Generationenpolicen. Auch die eignen sich nicht für die Geldanlage für Kinder. Sie haben ebenfalls sehr hohe Kosten. Und vor allem: Diese Produkte haben lange Laufzeiten, so dass die Kinder eventuell später selbst die Verträge übernehmen und zahlen müssen. Flexibilität ist dadurch nicht gegeben.

Aber ein Bausparvertrag ist doch sicher eine gute Anlageform für Kinder?

Nein, auch davon raten wir derzeit ab. Die Abschlusskosten sind hoch, und die Verzinsung ist noch niedrig. Wer aktuell einen Bausparvertrag abschließt, der legt sich eben jetzt auf den noch sehr niedrigen Zinssatz für viele Jahre fest. Sollte die Zinsentwicklung weiter nach oben gehen, kann sich das ändern und der Bausparvertrag als Geldanlage für Kinder unter Umständen wieder attraktiver werden.

Was bleibt denn dann noch?

Familien, die einen kurz- bis mittelfristigen Anlagehorizont haben, raten wir zu einem Festgeldkonto für die Kinder. Dabei sollten sie sich aufgrund der derzeitigen Zinsentwicklung nicht zu lange binden, also eher kürzere Laufzeiten von einem bis maximal drei Jahren wählen. So können sie flexibler auf steigende Zinsen reagieren.

Und was ist mit einem Sparbuch?

Insgesamt ist die Verzinsung von Sparkonten noch sehr niedrig. Da fährt man mit einem Tages- beziehungsweise Festgeldkonto besser.


Josephine Holzhäuser ist Referentin für 
Finanzthemen bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.
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Josephine Holzhäuser ist Referentin für Finanzthemen bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. © privat

Was ist mit jenen, die einen längeren Anlagehorizont haben?

Da empfehlen wir einen ETF-Sparplan für die Kinder. ETFs sind börsennotierte Indexfonds; bei einem weltweiten Aktienindex ist das Risiko breit gestreut, und die Kosten sind niedrig. Aber trotzdem muss man sagen: Es gibt ein Risiko, etwa bei einem Börsencrash. Die Vergangenheit hat aber gezeigt, dass sich mit ETFs langfristig eine ordentliche Rendite erzielen lässt. Bei der hohen Inflation ist ja leider klar: Wer nur auf Sicherheit bei der Geldanlage setzt, der vernichtet langfristig Kapital.

Können sich das auch Menschen leisten, die nur kleine Beträge für die Kinder zurücklegen können?

Ja, das ist auch mit wenig Geld machbar. Es gibt inzwischen einige Anbieter, die ETF-Sparpläne anbieten, die man monatlich nur mit 25 Euro oder sogar nur mit zehn Euro besparen kann.

Wie sollten Familien Kinder an das Thema Sparen heranführen?

Es wäre wichtig, dass in den Schulen mehr Finanzkompetenz vermittelt wird. Aber natürlich sollten auch Eltern ihre Kinder an das Thema heranführen. Sinnvoll ist es, den Kindern ab dem Grundschulalter Taschengeld zu zahlen. So lernen sie, dass Geld endlich ist und man für die Erfüllung größerer Wünsche sparen muss. Später bietet es sich dann an, ein Kindergirokonto zu eröffnen, damit die Kinder lernen, auch damit umzugehen.

Interview: Nina Luttmer

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