Nachhaltigkeitsindex

Tarkett rein, Vestas raus

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Ein Hersteller von Bodenbelägen steigt in den Nachhaltigkeitsindex GCX auf

Es ist wieder Zeit für ein Update: Zu Beginn der neuen Woche kommt der Global Challenges Index (GCX) mit einer veränderten Zusammensetzung daher. Tarkett, ein weltweiter Hersteller von Bodenbelägen aller Art, hat den Sprung in den Nachhaltigkeitsindex geschafft. Der GCX, den die Frankfurter Rundschau täglich auf ihrer Börsenseite abbildet, wird alle sechs Monate einer Prüfung unterzogen – wer die nicht besteht, fliegt raus.

Die 50 im GCX gelisteten Unternehmen werden dabei nach strengen Richtlinien bewertet. Einerseits müssen sie sich der Bewältigung von sieben globalen Herausforderungen widmen. Dazu gehören unter anderem der Klimawandel, der Kampf gegen Armut und Korruption, gegen die Entwaldung und das Schrumpfen der Biodiversität. Andererseits dürfen sie – selbst wenn sie besonders nachhaltig und ressourcenschonend arbeiten – keines der Ausschlusskriterien erfüllen, wie etwa Geschäfte mit der Atom- oder Rüstungsindustrie, das Tolerieren von Kinderarbeit in der Lieferkette, Gentechnik, aber auch schwere Verstöße gegen das Arbeitsrecht.

Der aktuellen Überprüfung ist nach Angaben der Börse Hannover, die den GCX vor 13 Jahren gemeinsam mit der Ratingagentur für Nachhaltigkeit ISS Oekom lanciert hat, ein Indexmitglied zum Opfer gefallen: das weltweit größte Unternehmen im Bereich Windenergie, Vestas Wind Systems. Der Entwickler und Produzent von Windkraftanlagen ist eigentlich ein Paradebeispiel für ein GCX-Unternehmen, ist sein Geschäftsfeld doch die regenerative Energie. Zudem glänzen die Dänen durch ein umfassendes Monitoring von Ressourcenverbrauch und Emissionen, ein vorbildliches Umweltmanagement und einen detaillierten Verhaltenskodex unter anderem zu Menschenrechten und Wirtschaftsethik. Schwächen bescheinigte ISS Oekom Vestas bislang lediglich in Sachen Transparenz bei Arbeits- und Zulieferstandards. Und nun hat ein Verstoß gegen arbeitsrechtliche Vorschriften zum Ausschluss aus dem GCX geführt: Berichten zufolge kämpft Vestas mit Versäumnissen im Gesundheits- und Sicherheitsmanagement in der Produktionsstätte für Rotorblätter im spanischen Daimiel.

Den Platz von Vestas im GCX nimmt nun Tarkett ein. Der europäische Branchenführer für Bodenbeläge produziert elastische PVC-Beläge, Holz- und Laminatböden, Linoleum- sowie Sportböden. „Wir fühlen uns geehrt, Teil des Global Challenges Index zu sein“, sagt Raphaël Bauer, Finanzvorstand von Tarkett. „Wir sind zutiefst davon überzeugt, dass ein grundsätzlicher Richtungswandel dringend notwendig ist, um die begrenzten natürlichen Ressourcen der Welt zu erhalten.“ Eines der strategischen Ziele von Tarkett sei es, im Übergang zu einer vollständigen Kreislaufwirtschaft in der Bodenbelagsindustrie voranzugehen.

Aus Nachhaltigkeitssicht positiv beurteilt wird das Unternehmen mit Hauptsitz in Paris, weil es Rohstoffe und Produkte verwendet, die durch branchenspezifische Nachhaltigkeitslabels zertifiziert sind – FSC/PEFC für Holzprodukte oder der Blaue Engel und das Kennzeichen Cradle-to-Cradle (Kreislaufwirtschaft) für Produkte, bei denen auf die Verwendung von gesundheits- und umweltschädlichen Stoffen verzichtet wird.

2006 wurde den Franzosen von Umweltorganisationen vorgeworfen, dass sie entgegen ihrer Behauptung, FSC-zertifiziertes Holz zu handeln, die Herkunft des Rohstoffes nicht belegen konnten und auch keine FSC-Zertifizierung vorliege. Doch dieser Vorwurf ist inzwischen aus der Welt. „Tarkett leistet einen aktiven Beitrag zur Überwindung globaler Nachhaltigkeitsherausforderungen“, begründet Hendrik Janssen, Geschäftsführer der Börse Hannover, die Aufnahme des Unternehmens in den Index. Über zertifizierte Produkte würden Nachhaltigkeitsstandards in der Wertschöpfungskette sichergestellt, Zertifizierungen von Gebäuden nach Nachhaltigkeitsstandards ermöglicht und die Erreichung globaler Nachhaltigkeitsziele wie die Sustainable Development Goals unterstützt.

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