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Endspurt beim Tankrabatt: Massiver Preisanstieg am 1. September? Tankstellenverband warnt

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Von: Lisa Mayerhofer

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Der Tankrabatt läuft Ende August aus. Ab dem 1. September gilt wieder der volle Mehrwertsteuer-Satz. Dann könnten die Preis über Nacht wieder steil nach oben gehen.

München – Nach Ausbruch des Ukraine-Krieges sind die Spritpreise in Deutschland steil gestiegen. Um den Anstieg abzufedern, hat die Bundesregierung einen Tankrabatt beschlossen. Doch der läuft zum 1. September aus, eine Verlängerung wie in anderen Ländern soll es nicht geben. Viele Deutsche fürchten deshalb einen Preisanstieg bei Benzin und Diesel, wie merkur.de berichtet.

Tankrabatt-Endspurt: ADAC rechnet mit moderatem Preisanstieg

Erste Vorboten davon sind bereits jetzt zu sehen, der ADAC meldete am Mittwoch nach wochenlangem Sinkflug und kurzer Stagnation wieder einen deutlichen Anstieg der Spritpreise: Superbenzin der Sorte E10 kostete demnach am Dienstag 1,734 Euro pro Liter, das sind 2,6 Cent mehr als in der Vorwoche. Beim Diesel ging der Literpreis sogar um 6,3 Cent nach oben, er nähert sich mit 1,988 Euro bereits wieder der Zwei-Euro-Marke. Grund für den Anstieg sei vermutlich eine höhere Nachfrage mit Blick auf einen drohenden Preissprung in der kommenden Woche, so der ADAC.

Ende des Tankrabatts: Die Preise von Benzin und Diesel an Tankstellen ziehen demnächst wohl wieder kräftig an.
Spritpreise von Benzin und Diesel an Tankstellen sind womöglich teurer als nötig. © Axel Heimken/dpa

Der Verein rechnet allerdings nicht damit, dass die Preise mit dem Ende des Rabatts sofort und sprunghaft ansteigen. Der Grund: Durch den Rabatt kaufen auch Tankstellenbetreiber günstiger ein. Deshalb sei davon auszugehen, dass sie ihre Treibstofftanks vor dem 1. September noch einmal auffüllten und Benzin und Diesel dann zunächst weiter vergünstigt abgäben, um sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.

Höhere Spritpreise im September: So schätzen Tankstellenbetreiber die Situation ein

Herbert Rabl, Pressesprecher des Tankstellen-Interessenverbandes (TIV), kann sich dagegen unterschiedliche Szenarien vorstellen: „Es gibt bei der Preisdiskussion zwei Fraktionen“, erklärte er am Mittwoch gegenüber Merkur.de von IPPEN.MEDIA. „Die erste will am 1. September die Spritpreise ohne den Rabatt verkaufen. Sie haben damals vor dem 1. Juni den Sprit ohne Steuersenkung eingekauft, mussten ihn aber mit Rabatt an den Tankstellen verkaufen, und haben so Verluste gemacht. Das wollen sie jetzt wieder hereinholen.“ Die andere Fraktion wolle den Sprit, der mit Tankrabatt eingekauft wurde, auch mit der Steuersenkung weiterverkaufen und „in den Preiskampf gehen“, so Rabl. „Ich denke, viele werden zum 1. September einfach beobachten, was die Konkurrenz macht.“

Christian Amberger, Geschäftsführer und Inhaber des Münchner Familienunternehmens Allguth, rechnet damit, dass die Treibstoffpreise nach Ende des Tankrabatts Anfang September steigen werden: „Unter Berücksichtigung der Umsatzsteuer wird die Preiserhöhung beim Diesel bei etwa 16 Cent je Liter und bei den Superkraftstoffen bei etwa 34 Cent je Liter liegen“, erklärte er gegenüber Merkur.de von IPPEN.MEDIA.

Lange Wartezeiten an Zapfsäulen vor Ende des Tankrabatts?

Die Aussicht auf möglicherweise sprunghaft steigende Preise lockt schon jetzt viele Autofahrer an die Zapfsäulen. Der Bundesverband mittelständischer Mineralölunternehmen Uniti warnt für die kommenden Tage vor Wartezeiten an Tankstellen. Bei einer extrem hohen Nachfrage seien kurzzeitig und regional begrenzt auch Kraftstoff-Engpässe möglich. Beim TIF beobachtet man dagegen weder Versorgungsprobleme noch werden Schlangen an den Tankstellen zum Monatsende erwartet: „Die Leute tanken ihre Autos schon jetzt voll“, erklärt Rabl. Er geht davon aus, dass sich der Ansturm gut verteilen wird: „Das passiert peu à peu.“

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Amberger spricht von einer „erhöhten Nachfrage zum Monatswechsel“. Er weist dabei auch auf die „herausfordernde Versorgungslage im Süden Deutschlands“ hin. „Niedrige Pegelstände der Flüsse, geringere Transportkapazitäten der Bahn und ein Teilausfall einer für die Versorgung Süddeutschlands wichtigen Raffinerie in Österreich erschweren die Belieferung mit Treibstoffen im gewohnten Umfang“, so Amberger. Er rät den Kunden, „nicht erst mit fast leerem Tank zu unseren Stationen zu fahren, sondern bereits im Vorfeld regelmäßig zu tanken“. (Lisa Mayerhofer)

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