Tom Tailor verzeichnete 2019 Umsatzrückgänge. Größtes Sorgenkind war die Tochter Bonita.
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Tom Tailor verzeichnete 2019 Umsatzrückgänge. Größtes Sorgenkind war die Tochter Bonita.

Insolvenz

Tom Tailor ist pleite

  • Frank-Thomas Wenzel
    vonFrank-Thomas Wenzel
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Angst vor Pleitewelle von Textilfirmen: Die Corona-Krise zwingt die schon vorher angeschlagene Hamburger Modefirma Tom Tailor in die Knie.

Die Modefirma Tom Tailor hat ihre Insolvenz erklärt. Bei Karstadt Kaufhof zieht sich der Vorstandschef zurück. Die Zukunft der Warenhauskette, deren Geschick stark vom Geschäft mit Textilien abhängt, ist offen. Zwei Schlaglichter, die zeigen, wie heftig Corona die Bekleidungsbranche gebeutelt hat. Der Dachverband fordert für die Unternehmen Entlastungen, die weit über das geplante Konjunkturprogramm der Regierung hinausgehen. Tom Tailor und Karstadt Kaufhof hatten bereits vor der Pandemie massive Probleme. So befinden sich die Warenhäuser seit Jahren in einer Dauerkrise. Tom Tailor verzeichnete 2019 Umsatzrückgänge. Größtes Sorgenkind war die Tochter Bonita.

Wenn’s um Mode geht, ist der Wettbewerb hierzulande knallhart. Auf der einen Seite eine mittelständisch geprägte heimische Branche, die versucht, sich gegen global agierende Konzerne wie Inditex (mit der Hauptmarke Zara), H&M oder Primark auf der anderen Seite zu behaupten. Die behördlich angeordnete zeitweilige Schließung der Filialen und die noch immer geltenden Beschränkungen haben die Schwachen noch schwächer gemacht. Experten erwarten, dass die Pleitewelle erst noch bevorsteht. Einer Umfrage des Verbands German Fashion zufolge haben drei Viertel der hiesigen Modefirmen angegeben, maximal noch bis zum Sommer durchhalten zu können.

Branchenkenner gehen davon aus, dass mit den Lockdown-Lockerungen der Verkauf von Shirts und Hosen zwar wieder angelaufen ist, aber noch längst nicht das Vorkrisenniveau erreicht hat. Nach Angaben des Gesamtverbands der deutschen Textil- und Modeindustrie (Textil+Mode) haben viele Unternehmen Umsatzeinbrüche von 80 Prozent und mehr seit Beginn der Krise zu verkraften. Vier von fünf Firmen haben Kurzarbeit beantragt.

Christian Werner, Finanzchef der Dachgesellschaft der Tom-Tailor-Gruppe, erläutert: Seit dem ersten Quartal habe der Vorstand Tag und Nacht um die Fortführung aller Unternehmensteile gekämpft. Am Montag erfuhr dann die Führungsriege, dass für den Ableger Bonita „keine ausreichende Finanzierungs- und Bürgschaftsfähigkeit“ vorliege. Umgehend beantragte die Geschäftsführung für den Filialisten mit 2400 Beschäftigten ein Schutzschirmverfahren, die milde Variante des Insolvenzverfahrens. Bonita hat wegen finanzieller Verpflichtungen zugleich die Mutter, die Tom Tailor Holding, in die Zahlungsunfähigkeit getrieben.

Immerhin konnte aber für die Tom Tailor GmbH eine Finanzierung auf die Beine gesellt werden. Die Modekette (3400 Beschäftigte) erhält vom Bund und den Ländern Hamburg und Nordrhein-Westfalen eine Bürgschaft über 100 Millionen Euro, die bis Ende September 2024 läuft. Das war Voraussetzung dafür, dass Kreditgeber Darlehen von insgesamt 355 Millionen Euro verlängert haben. Auch der Großaktionär Fosun aus China lässt einen Kredit über 28,5 Millionen Euro weiterlaufen. Es gelte nun durchzustarten, ließ Vorstandschef Gernot Lenz wissen und fügte hinzu: „Diese Chance werden wir nutzen.“.

Wie die Chancen bei Kaufhof Karstadt aussehen, ist derzeit ungewisser denn je. Vorstandschef Stephan Fanderl hat dem Eigner Signa eine „einvernehmliche Trennung“ vorgeschlagen. Karstadt Kaufhof hatte schon Anfang April ein Schutzschirmverfahren auf den Weg gebracht. Nun wird die Schließung von 80 der 172 Warenhäuser erwogen. Fanderl war eigentlich engagiert worden, um Kosten zu drücken und die Sortimente mit dem Schwerpunkt Bekleidung attraktiver zu machen. Der Manager teilte nun mit, die wirtschaftlichen Voraussetzungen für den Warenhauskonzern und den Handel insgesamt hätten sich fundamental geändert. Vertreter der Gewerkschaft Verdi hatten Fanderl indes Missmanagement vorgeworfen.

Allerdings hatte er einen extrem schwierigen Job, da die Spezialanbieter im Modesegment erheblich billiger und schneller sein können als die Warenhauskette. Viele Mittelständler kämpfen mit ähnlichen Problemen, zumal auch noch die Onlinekonkurrenz immer mehr Marktanteile gewinnt. Auch deshalb reicht für Uwe Mazura, Hauptgeschäftsführer von Textil+Mode, die von der Bundesregierung geplante Mehrwertsteuersenkung um drei Prozentpunkte für Anziehsachen nicht aus, um der Branche zu helfen. „Die Dimension der Krise ist nach der wochenlangen Schließung der Läden so groß, dass die Unternehmen der Textil- und Modeindustrie unbürokratisch Zugang zu den Überbrückungshilfen für coronabedingte Umsatzausfälle haben müssen“, so Mazura. Die Bundesregierung plant einen neuen Hilfstopf mit 25 Milliarden Euro, der aber vor allem für die Gastronomie und Sozialunternehmen gedacht ist. Mazura fordert überdies die Flexibilisierung der Ladenöffnungszeiten.

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